Ein Yogakurs am Mainufer
Ein Yoga-Kurs von Nadine Gerhardt am Mainufer während des Museumsuferfestes 2018 Bild © Nadine Gerhardt

Yoga, Zirkeltraining, Personal-Coaches: Überall, wo in Frankfurt ein bisschen Grün ist, finden sich Menschen ein, um Sport zu treiben. Im Holzhausenpark ist die Situation nun eskaliert, die Stadt will künftig kommerzielle Sportkurse in ihren Grünanlagen untersagen.

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hs

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Yoga-Gruppen oder Kraft- und Ausdauertrainings - unter professioneller Anleitung findet in Frankfurts Parks und auf den Grünflächen jede Menge kommerzieller Sport statt. Bislang ging das recht reibungslos, die Gruppen konnten von den Behörden unbehelligt trainieren.

Doch nun ist in der Stadt ein Streit um Sport in öffentlichen Parkanlagen eskaliert – und zwar im Holzhausenpark. Dieser Park im Nordend ist relativ klein und wird mit viel ehrenamtlichem Engagement von der Frankfurter Bürgerstiftung im Holzhausenschlösschen in Schuss gehalten.

Regelmäßig finden dort kommerzielle Yoga-Kurse von drei verschiedenen Anbietern statt, zu denen nach Auskunft der Stiftung bis zu 200 Teilnehmer kommen. "Der Park ist für so viele Yogis schlicht zu klein", sagt Stiftungsgeschäftsführer Clemens Greve. Andere Parknutzer und Anwohner hätten sich massiv beschwert und die Stiftung müsse regelmäßig sauber machen nach den Treffen. "Das kann ja gerne auch ein Park für Yoga sein, aber im Rahmen."

Problem trat schon vor Jahren auf

Das sieht die Stadt ähnlich und hat drei Yoga-Veranstalter und ein Bootcamp, das regelmäßig dort trainiert, angeschrieben und darauf hingewiesen, dass kommerzielle Sportkurse in den Parks nicht erlaubt sind. Es drohe bis zu 1.000 Euro Bußgeld. Das Ordnungsamt erschien zu Kontrollen im Park. "Von dieser Entscheidung und den Kontrollen wurden wir total überrascht", sagt Yoga-Lehrerin Nadine Gerhardt. Sie wäre bereit, so etwas wie eine "Location-Gebühr" für die Sessions im Park zu zahlen.

Eine ähnliche Idee hatte schon vor Jahren Ania Walach, die zusammen mit ihrem Partner eine Art Zirkeltrainig im Frankfurter Grüneburgpark anbot. "Wir waren vor etwa vier Jahren die ersten, die das dort gemacht haben", berichtet Walach. "Ich habe damals das Grünflächenamt gefragt, ob ich dafür zahlen kann, dass wir dort trainieren, aber das war nicht möglich".

Walach hat den Park trotzdem genutzt, wie viele andere Gruppen auch. Niemand hat sich daran gestört, auch kein Amt. "Die Männer vom Ordnungsamt haben uns sogar immer zugeschaut."

Stadt will den kommerziellen Sport im Grünen nicht möglich machen

Die Frankfurter Grünanlagensatzung, die 1997 auf den Weg gebracht wurde, untersagt grundsätzlich eine kommerzielle Nutzung der Parkanlagen, "schon immer, auch wenn das bislang nicht geahndet wurde", sagt der Leiter des Grünflächenamts, Stefan Heldmann am Mittwoch. "Die Satzung wurde für die Bürger gemacht, damit jeder in den Parks zu seinem Recht kommt."

Deshalb sei es auch keine Lösung, die kommerziellen Anbieter für den Sport im Grünen einfach zur Kasse zu bitten und die Nutzung in geregelte Bahnen zu bringen, auch wenn man damit vielleicht Geld für die weitere Sanierung von Grünflächen und Parks einnehmen könnte. "Um eine kommerzielle Nutzung zulassen und davon profitieren zu können, müsste die Stadt die Satzung ändern", sagt Heldmann. "Das ist derzeit politisch nicht gewollt." Für eine Änderung dieser Satzung hat Yoga-Lehrerin Gerhardt eine Petition gestartet, die bereits von über 1.100 Menschen unterstützt wird.

Weitere Informationen

Parks in Frankfurt

In Frankfurt gibt es insgesamt 45 Parks, viele von ihnen stehen unter Denkmalschutz. Zudem gibt es knapp 420 Kinderspielplätze, rund 90 Bolzplätze, 20 Rollsportanlagen und 10 Fitnessanlagen. Privat Sport zu treiben, ist überall erlaubt.

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"Wir können das alles gar nicht kontrollieren"

Wie die Stadt die "absolut überbordende" kommerzielle Nutzung in den Griff kriegen will, weiß sie selbst nicht. "Wir können das gar nicht alles unterbinden auf 1.500 Hektar Grünanlagen in Frankfurt." Dafür habe man nicht ansatzweise genug Personal zur Verfügung, auch wenn man die Satzung gerne flächendeckend durchsetzen würde.

Man könne nur an die Sportler und Yogis dieser Stadt appellieren und auf ihre Vernunft pochen. "Wir wollen den Frankfurtern ja gar nicht ihren Sport vermiesen." Die Menschen könnten ja auch in die zahlreichen Vereine gehen, dort gebe es auch Yoga und andere Trendsportarten.

Andere Städte kennen das Problem nicht

Kleinere Städte in Hessen haben mit solchen Problemen nach eigener Darstellung vielfach nicht zu kämpfen. Wer etwa in Fulda öffentliche Grünanlagen kommerziell nutzen will, muss dafür eine Gebühr bezahlen. Eine solche Sondernutzung könnte in Frankfurt theoretisch auch beantragt werden, sie wird aber in der Praxis fast nur für Filmaufnahmen erteilt - oder für Feste wie das Museumsuferfest. Andere Großstädte in Deutschland wie etwa Hamburg oder München kennen das Verbot für eine kommerzielle Nutzung nicht.

Yoga-Lehrerin Gerhardt hat erst einmal ihre Kurse im Holzhausenpark abgesagt. Am Sonntag wolle man sich aber mit "Schülern und Kollegen auch vom Bootcamp" dort noch einmal treffen, um zu beraten, wie es weitergehen soll.