Einen Kita-Platz zu finden, ist in manchen hessischen Städten Glückssache. Viele Kommunen bessern jetzt nach und schaffen in den kommenden Monaten neue Betreuungsplätze. Größtes Problem dabei: Personal ist Mangelware.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Kommunen bauen Kita-Angebot aus

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In Hessens Städten übersteigt die Nachfrage nach Kita-Plätzen meist noch immer das Angebot. Deswegen planen die Kommunen im laufenden Jahr Hunderte neue Betreuungsplätze einzurichten. Das hat eine dpa-Umfrage ergeben. Bisher beschreiten Eltern aber nur selten den Rechtsweg, wenn sie ihren Anspruch auf einen Kita-Platz nicht erfüllt sehen. Als Problem beim Ausbau erweist sich dabei der Mangel an Fachpersonal.

Seit 2013 haben Eltern einen Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz für Kinder im Alter von einem bis drei Jahre. Vorher galt dieser bereits für ältere Kinder. Das bedeutet, die Betreuung kann auch auf dem Rechtsweg erstritten werden. Doch davon machen bisher nur wenige Familien Gebrauch. Nach Angaben der Stadt Frankfurt gab es dort in den Jahren 2018 und 2019 insgesamt vier Klagen. In Kassel liegt aktuell ein "Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung" vor. In Wiesbaden gab es zwar Klagen, jedoch nie ein Urteil - die Stadt stellte immer rechtzeitig einen Platz zur Verfügung.

Diesen Kita-Ausbau planen die Städte

Frankfurt | Kassel | Wiesbaden | Darmstadt | Fulda | Gießen

Die größte Aufstockung in absoluten Zahlen plant in diesem Jahr Frankfurt. "Die Realisierung von 633 neuen Plätzen im Jahr 2020 im Bereich der Betreuung von Kindern unter drei Jahren (U3) ist in Planung", sagte eine Sprecherin. Für Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren (Ü3) seien es 750 neue Plätze. Bisher gab es in Frankfurt 12.592 U3-Plätze und 25.803 Ü3-Plätze. Erzieher sind allerdings Mangelware. "Pädagogische Fachkräfte sind stadtweit gesucht, um dem bedarfsgerechten Ausbau von Betreuungsplätzen in allen Altersgruppen voranzubringen", erklärte die Stadt.

Kassel hat für das laufende Jahr Geld für 42 neue U3-Plätze und 287 Plätze für Ü3-Kinder vorgesehen. Die Stadt ist im Verzug mit dem geplanten Ausbau: "Im Jahr 2019 waren es 76 U3-Plätze und 335 Kindergarten-Plätze", sagte ein Sprecher. Diese habe man aber zu einem großen Teil noch nicht realisieren können. Aktuell gibt es in Kassel fast 2.000 Plätze für Kinder unter drei Jahre, über 5.700 Plätze für Kinder ab drei Jahren bis zum Schuleintritt. Ein Mangel an Erziehern sei spürbar, aber nicht akut: Bisher gelinge es, den Personalbedarf durch Schritte wie Stellenausschreibungen in Internetportalen und Fachzeitschriften zu decken. Allerdings sei die Mitarbeitersuche "langwieriger und intensiver" geworden.

Wiesbaden arbeitet derzeit an der Schaffung von 65 Plätzen für U3-Kinder und 35 Plätzen für den Elementarbereich (Ü3). Zum Jahreswechsel gab es 2.721 U3-Plätze in Kitas und 9.399 Plätze für ältere Kinder bis zum Schuleintritt. Das politisch gesetzte Ziel der Stadt liegt laut einem Sprecher höher: für Kinder im U3-Bereich wolle man 4.245 Plätze, für die Kinder von 3 Jahren bis zum Schuleintritt liege das Versorgungsziel bei 9.595 Plätzen. Auch Wiesbaden kämpft um Erzieher. Die Landeshauptstadt habe mit allen Kita-Trägern ein Konzept zur Fachkräftegewinnung erarbeitet. Unter anderem würden bis zu 75 bezahlte Ausbildungsplätze für zukünftige Erzieher in Kitas bereitgestellt.

"Im Jahr 2020 wird das Gesamtausbauvolumen 66 U3-Betreuungsplätze und 172 Ü3-Betreuungsplätze betragen", erklärte ein Sprecher in Darmstadt. Im Bereich Krippe (U3) standen zuletzt 2.080 Plätze bereit, im Bereich Kita (Ü3) 5.430. Bei den Ü3-Kindern werde die vorgesehene Versorgung damit mehr als erfüllt, solle aber trotzdem steigen. "Im U3-Bereich wird aktuell eine Versorgungsquote von 42 Prozent erreicht." Ziel sei eine 50-prozentige Versorgungsquote.

In Fulda waren laut einem Sprecher im Jahr 2019 rund 2.650 Plätze in Kitas belegt. Die Zahl beziehe sich auch auf Einrichtungen in städtischer, kirchlicher oder freier Trägerschaft. "Geplant ist die Schaffung von weiteren circa 120 Plätzen im Jahr 2020." Wie sich diese auf U3 und Ü3 verteilt, sei wegen altersgemischter Gruppen nicht exakt anzugeben, da Plätze unterschiedlich belegt werden könnten. Mit dem Ausbau sei man zuversichtlich, Mehrbedarf weitgehend zu decken. Angesichts steigender Einwohnerzahlen und wachsender Nachfrage rechne man aber mit einem weiteren Anstieg.

Die Stadt Gießen weiß aktuell nicht, wie viele Plätze neu geschaffen werden sollen. Das sei noch nicht abzuschätzen. Es gebe aber im Kindergarten-Bereich einen zusätzlichen Bedarf, den man mit einem "massiven Ausbau" gerecht werden wolle, sagte eine Sprecherin. Zuletzt gab es in Gießen rund 900 U3-Plätze und 2.600 für ältere Kinder bis sechs Jahre. Laut der Sprecherin fehlen auch dort Erzieher für einen dem Bedarf entsprechenden Ausbau der Betreuung.

Sendung: hr-iNFO, 17.01.2020, 6:00 Uhr