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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Ärger um Klärgrube in Hofheim

Die Zufahrt zu den Grundstücken ist kompliziert und sehr eng

1.100 Euro statt normalerweise 187 Euro - diese Rechnung hat ein Ehepaar in Hofheim im Taunus für das Auspumpen seiner Klärgrube präsentiert bekommen. Alle sechs Wochen werden diese Kosten fällig, die nach einem Wechsel des Entsorgers enorm gestiegen sind. Das Paar sieht seine Existenz bedroht.

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hs
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Helga und Peter Braun wohnen seit 35 Jahren am Hasenberg in Hofheim am Taunus. Mit ihrem Grundstück haben sie sich einen Traum verwirklicht. Denn das Haus steht in 200 Metern Höhe mitten im Grünen, umgeben von hohen Bäumen. Die Vögel zwitschern, es herrscht Urlaubsatmosphäre. Am Wochenende oder an Feiertagen passieren immer wieder Wanderer ihre Hofeinfahrt.

Für diese Lage haben Brauns in Kauf genommen, dass ihr Haus nicht an die Kanalisation angeschlossen ist und sich ihr Abwasser in einer rund acht Kubikmeter großen Klärgrube in ihrem Garten sammelt. Alle sechs Wochen muss diese Grube geleert werden. Diese Entscheidung könnte ihnen jetzt zum Verhängnis werden.

Hohe Rechnungen fressen das Ersparte

Bis 2018 zahlte das Ehepaar für die Entleerung von 6.300 Litern Abwasser 187 Euro. In diesem Jahr mussten Brauns für die gleiche Menge rund 1.100 Euro zahlen. "Ein sechsfacher Kostenanstieg", erklärt Peter Braun. 1.100 Euro alle paar Wochen kann sich das Ehepaar nicht leisten. "Bald sind unsere Ersparnisse aufgebraucht."

Der Grund für den Kostenanstieg: Seit Anfang des Jahres entleert ein neuer Anbieter die Klärgruben. Der vorige Entsorger hatte gekündigt, weil ihm die Zufahrt am Hasenberg zu steil und schwierig geworden war. Per Ausschreibung suchten die Stadtwerke Hofheim Ende 2018 nach einem neuen Anbieter. Mehrere Entsorger-Firmen hatten sich beworben, der günstigste Anbieter bekam von den Stadtwerken den Auftrag.

Erschwerniszulage treibt Kosten in die Höhe

"Ich hätte lieber selbst einen Entsorger beauftragt", erklärt Peter Braun. Im Internet habe er günstigere Anbieter gefunden. Braun darf den Auftrag aber nicht privat erteilen, weil die Entleerung der abflusslosen Klärgruben in Hofheim von den Stadtwerken organisiert wird. Das schreibt die Entwässerungssatzung der Stadt vor.

Der neue Entsorger fährt die schwer zugänglichen Grundstücke seit Januar mit einem kleineren Fahrzeug an. Für jeden Kubikmeter Entleerung darf er aufgrund der Lage am Hasenberg allerdings eine Erschwerniszulage in Höhe von 90 Euro abrechnen. Eine Zulage, die mehr als doppelt so hoch ist wie die reine Entleerungsgebühr. Die Gebühr alleine beträgt für die Anwohner aktuell 40 Euro pro Kubikmeter.

Stadtverordnete fühlt sich schlecht informiert

Die Stadt Hofheim hält die neuen Gebühren für gerechtfertigt. Außerdem habe die vorherige Firma, die zwölf Jahre für die Stadtwerke tätig war, ihre Preise nie angepasst. Für "völlig irrsinnig" hält dagegen Barbara Grassel den extremen Gebührenanstieg. Grassel ist Stadtverordnete der Linkspartei in Hofheim und Mitglied der Betriebskommission der Hofheimer Stadtwerke.

Sie hatte im Umlaufverfahren für den neuen Anbieter gestimmt. Jetzt kritisiert sie allerdings, dass sie und weitere Kommissions-Mitglieder vor der Abstimmung nicht über die Erschwerniszulage informiert worden waren. "Es war keine Rede davon, dass die Gebühren viel höher werden und es eine Erschwerniszulage geben soll." Anfang Mai hat sie eine Anfrage zu diesen Zusatzkosten bei der Stadtverordnetenversammlung Hofheim eingereicht. Eine Antwort steht noch aus.

Einwohner legen Widerspruch gegen Bescheide ein

Gegen ihre Gebührenbescheide haben die Anwohner bei der Stadt Hofheim Widerspruch eingelegt. Wegen des laufenden Widerspruchsverfahrens will die Stadt Hofheim derzeit keine weiteren Erklärungen abgeben.

Zu den betroffenen Familien gehören auch Ronald und Madeleine Braun. Das Rentner-Ehepaar rechnet mit einem Gebührenbescheid in Höhe von 1.700 Euro und mehr, denn ihre Klärgrube fasst 14 Kubikmeter. "Das ist Wucher", findet das Ehepaar, das seit über 50 Jahren am Hasenberg lebt. Nie zuvor sei eine solche Extra-Gebühr erhoben worden. "Eine Klärgruben-Entleerung ist mehr als die Grundrente meiner Frau", verdeutlicht der 80-jährige Ronald Braun die enorme Kostenbelastung.

Häuser aktuell kaum verkäuflich

Für Peter Braun stellen sich weitere Fragen: Warum kann diese Erschwerniszulage erhoben werden, obwohl der neue Anbieter problemlos mit dem kleineren Fahrzeug die Häuser anfahren kann? Und warum darf die Zulage pro Kubikmeter und nicht pro Anfahrt berechnet werden?

Peter und Helga Braun haben derweil angefangen, nach einer Wohnung in Ostdeutschland zu suchen. Da seien die Kosten insgesamt günstiger. "Unser Haus ist unter den aktuellen Bedingungen jedoch kaum verkäuflich. Wer will schon alle sechs Wochen 1.100 Euro Nebenkosten zahlen?"

Ganz aufgeben wollen sie ihre Heimat am Hasenberg aber noch nicht. Wenn ihrem Widerspruch nicht entsprochen wird, wollen Braun und weitere Anwohner gegen die Gebührenbescheide vor dem Verwaltungsgericht klagen.

Sendung: hr-fernsehen, defacto, 13.05.2019, 20.15 Uhr