Wohncontainer auf dem Alten Flugplatz in Bonames in Frankfurt

In einem Heim für Geflüchtete und Wohnungslose in Frankfurt-Bonames sind mindestens 45 Krätze-Fälle aufgetreten. Die Diakonie meldete den Ausbruch den Behörden aber nicht.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Krätze-Ausbruch in Frankfurter Sammelunterkunft

Sammelunterkunft für Flüchtlinge am Alten Flugplatz in Frankfurt-Bonames
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Der kleine Mohammad ist erst sieben Monate alt, aber er hat schon einiges durchgemacht. Sein Körper ist vom Hals bis zu den Füßen mit Pusteln übersät. Krätzmilben haben Gänge in seine Haut gebohrt, es muss furchtbar jucken. Seit fünf Monaten plagen ihn die Parasiten, mehrere Heilversuche mit Salben waren erfolglos, wie seine Eltern berichten. Auch Geschwister von Mohammad sind betroffen.

Die Stadt Frankfurt wurde vergangene Woche durch hr-Recherchen auf den Fall aufmerksam. Das Gesundheitsamt hat nun in der Unterkunft elf Familien untersucht. Bei sieben von ihnen wurde Krätze festgestellt, die Familien waren deswegen auch schon in Behandlung. Bei drei weiteren Familien besteht der Verdacht auf die Krankheit. Sie sollen nun genauer untersucht und behandelt werden.

Diakonie meldete Infektionsfälle nicht

Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU) fordert personelle Konsequenzen beim Betreiber der Unterkunft, der Diakonie Frankfurt. Das Vertrauen in Teile der Mitarbeiterschaft sei zerstört. Offenbar informierte der Leiter der Unterkunft weder das Sozialdezernat noch das Gesundheitsamt über die Fälle. Nach dem Infektionsschutzgesetz ist Krätze in Sammelunterkünften aber meldepflichtig.

Der Leiter der Frankfurter Diakonie, Michael Frase, betonte auf hr-Anfrage, dass Mitarbeiter die betroffenen Familien beraten und zum Arzt geschickt hätten. Allerdings habe man die Meldung an die Behörden versäumt. Frase versicherte, das Geschehen werde auch intern kritisch aufgearbeitet.

Krätze wird verursacht von Milben, die in einer oberen Hautschicht Gänge bohren und dort Kot und Eier ablegen. Dies führt dann oft zu Entzündungen, Ausschlägen und starkem Juckreiz. Übertragen werden die Milben durch direkten Hautkontakt mit betroffenen Menschen. Anders als viele vermuten, wird Krätze nicht durch mangelnde Körperhygiene verursacht.

Ungewöhnlich viele Fälle in Unterkunft

Die Menge der Fälle in der Bonameser Unterkunft ist ungewöhnlich groß. Im gesamten vergangenen Jahr wurden dem Gesundheitsamt aus Sammelunterkünften nur sieben Fälle gemeldet, in diesem Jahr bis dato gar keiner. Insgesamt ist die Krätze in Hessen aber wieder auf dem Vormarsch. Das Sozialministerium erfuhr 2019 von rund 440 Fällen. 2017 waren es noch halb so viele Fälle.

Den Krankheitsausbruch in Bonames machten die Bewohner der Unterkunft selbst öffentlich bekannt. In der vergangenen Woche demonstrierten etwa 100 Menschen für bessere Wohnbedingungen. Sie bemängelten neben undichten Dächern, unzureichenden Kochgelegenheiten und fehlendem Warmwasser auch die Ausbreitung eines Hautausschlags. Durch hr-Recherchen stellte sich der Ausschlag als massiver Krätze-Befall heraus.

Sendung: hr-iNFO, 18.06.2020, 19 Uhr