Collage Klinikpersonal Grippeimpfung
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Nicht mal jeder fünfte hessische Krankenhaus-Mitarbeiter ist trotz direkten Kontakts zu Patienten gegen Grippe geimpft. Das ergab eine Umfrage der hr-Sendung defacto. Das Sozialministerium warnt vor möglichen Infektionsquellen.

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hs

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zum Video Niedrige Impfquote bei Krankenhauspersonal

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Ein Szenario, das sich kein Patient wünscht: Statt in der Klinik zu genesen, wird man dort vom Personal mit der Grippe angesteckt. Ganz so unwahrscheinlich ist das nicht: Nach einer Umfrage von defacto liegt die Impfquote unter den Krankenhaus- und Klinikmitarbeitern in Hessen mit Kontakt zu Patienten im Durchschnitt bei 17,8 Prozent. Damit hat nicht einmal jeder fünfte Angestellte einen Grippeschutz.

An der Umfrage beteiligten sich 45 von 150 Kliniken und Krankenhäusern in Hessen. Nur rund jede dritte Einrichtung hat demnach überhaupt einen Überblick, ob ihre Mitarbeiter gegen Grippe oder andere Krankheiten geimpft sind. Angaben der Mitarbeiter hierüber sind grundsätzlich freiwillig, weil die Häuser aus Datenschutzgründen den kompletten Impfstatus ihrer Angestellten nicht abfragen dürfen.

Ministerium wünscht sich höhere Impfquote

Das Ergebnis der Umfrage ist aus Sicht des zuständigen Sozialministeriums in Wiesbaden unbefriedigend. Auf Nachfrage des hr erklärte ein Sprecher des Ministeriums, es wäre "besonders wichtig", wenn Angestellte in der Pflege oder im Gesundheitswesen "die Impfung besser wahrnehmen würden". Als Grund nannte er, dass das medizinische Personal in Praxen, Krankenhäusern oder Pflegeheimen "sich durch die Vielzahl von Kontakten mit Patienten und Bewohnern leichter mit Grippeviren infizieren" könne.

Gleichzeitig stellten die Mitarbeiter eine "mögliche Infektionsquelle für die von ihnen betreuten Patienten" dar, so der Sprecher weiter. Grundsätzlich könne der Arbeitgeber nach dem Infektionsschutzgesetz Beschäftigte ohne Impfschutz in Bereichen einsetzen, bei denen weniger Kontakt zu Patienten bestehe.

Mehrheit der Kliniken gegen Impfpflicht

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Grippeschutzimpfung in einer Frankfurter Praxis

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Nachfrage nach Grippe-Impfstoff gestiegen

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Eine Impfpflicht gibt es in Deutschland nicht, auch nicht für Personal im Gesundheitssektor. Zwar gibt es immer wieder Diskussionen über eine Grippe-Impfpflicht für Klinikpersonal. Doch die Einrichtungen, die an der defacto-Umfrage teilgenommen haben, sind in dieser Frage gespalten. Demnach befürworten 43 Prozent der Krankenhäuser und Kliniken eine verpflichtende Grippeimpfung, eine Mehrheit von 57 Prozent ist dagegen.

Viele Kliniken setzen stattdessen darauf, ihre Mitarbeiter über die Gründe für eine Grippeimpfung aufzuklären, und hoffen, so die Bereitschaft dafür zu erhöhen. Die Einrichtungen können dabei auf die Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert-Koch-Institut oder auf die Schutzimpfungs-Richtlinie (SI-RL) des Gemeinsamen Bundesausschusses verweisen.

Die Frage, ob eine Impfpflicht für Klinikpersonal eingeführt werden sollte, sei grundsätzlich für die jeweiligen Kliniken schwierig zu beantworten, erklärt der Geschäftsführer des Klinikverbunds Hessen, Reinhard Schaffert. Bei solchen Entscheidungen müsse etwa auch der Betriebsrat eingebunden werden. "Letztendlich ist das eine politische Entscheidung und weniger eine der Krankenhäuser", so Schaffert.

Neuer Impfstoff mit vierfach-Schutz

Die Impfbereitschaft in Hessen ist generell nicht besonders ausgeprägt. Nach Angaben des Zentralinstituts für die Kassenärztliche Versorgung in Deutschland (Zi) lässt sich weniger als die Hälfte der Bürger im Land gegen Grippe impfen.

Im vergangenen Winter hatte das Robert-Koch-Institut fast 15.000 Grippekranke in Hessen registriert, 43 von ihnen starben. Bis dahin war ein Dreifach-Impfstoff üblich. Der enthielt allerdings keinen Schutz gegen einen Virusstamm, der im vergangenen Winter besonders heftig gewütet hatte.

Das Paul-Ehrlich-Institut in Langen (Offenbach) ist in Deutschland für die Zulassung von Impfstoffen zuständig. Für diesen Winter hat das Bundesinstitut etwa 15,3 Millionen Einheiten des neuen Grippe-Impfstoffes freigegeben, der nun vor vier Virenstämmen schützt. Nach Angaben des Instituts gibt es aktuell in Hessen keinen Engpass mit dem neuen Impfstoff.