Der im Saarland unter Mordverdacht stehende Krankenpfleger Daniel B. arbeitete nach hr-Informationen im Jahr 2014 im Klinikum Frankfurt-Höchst und in einem Wiesbadener Hospital. Beide Kliniken überprüfen ihre Patientenakten.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Krankenpfleger unter Mordverdacht arbeitete auch in Hessen

Klinikum Frankfurt Höchst
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Die Nachricht kommt für das Klinikum Frankfurt-Höchst zu einem ungünstigen Zeitpunkt: In der kommenden Woche will Sozialminister Kai Klose (Grüne) die Aufarbeitung des Skandals in der Psychiatrie des Klinikums der Öffentlichkeit vorstellen.

Eine verdeckte TV-Reportage hatte im März verschiedene Missstände in der Psychiatrie der Klinik aufgedeckt. Auch den Hessischen Rundfunk (hr) erreichten daraufhin zahlreiche Hinweise von ehemaligen Patienten, Angehörigen und auch Mitarbeitern, die die Vorwürfe zumindest teilweise bestätigten. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt in diesem Zusammenhang wegen des Verdachts der Freiheitsberaubung.

Von April bis September 2014 am Klinikum Höchst

Wie der hr nun erfuhr, war der im Saarland des fünffachen Mordes verdächtigte Krankenpfleger Daniel B. vom 1. April bis zum 30. September 2014 am Klinikum Frankfurt-Höchst beschäftigt. Das bestätigte eine Sprecherin auf hr-Anfrage.

B. sei aber aufgrund "erheblicher Ausfallzeiten" noch innerhalb der Probezeit gekündigt worden. "Wir wurden bereits 2016 von den Ermittlungsbehörden kontaktiert. Uns liegen derzeit keine Erkenntnisse über Auffälligkeiten vor", so die Sprecherin weiter.

Patientenakten werden überprüft

Auf die Frage, was die Klinik damals unternommen habe, um mögliche Todesfälle im Zusammenhang mit Daniel B.s Wirken aufzudecken, verweist die Sprecherin auf laufende Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Frankfurt. Deren Sprecherin bestätigt zwar, dass ermittelt werde, machte aber bislang keine Angaben aufgrund welches Anfangsverdachts.

Nach hr-Informationen werden im Klinikum Frankfurt-Höchst aktuell die Akten der verstorbenen Patienten im Tätigkeitszeitraum von Daniel B. nach Hinweisen auf mögliche unnatürliche Todesfälle durchforstet. Bislang ohne Auffälligkeiten.

B. kurzfristig auch in Wiesbaden tätig

Ein Teil der Ausfallzeiten von Daniel B. in Frankfurt-Höchst kann damit erklärt werden, dass B. zumindest ab dem 1. September 2014 zwei Arbeitsplätze hatte. Denn zu diesem Stichtag trat er eine Stelle als Krankenpfleger in der Intensivstation des Wiesbadener St. Josefs-Hospitals an.

"Wir wurden bereits 2016 von den Ermittlungsbehörden kontaktiert und arbeiten seitdem eng zusammen, um die verstorbenen Patienten im Tätigkeitszeitraum von Daniel B. zu überprüfen", so eine Sprecherin der Wiesbadener Klinik dem hr. Auch hier habe es bislang keine Auffälligkeiten gegeben. Bei der Staatsanwaltschaft Wiesbaden ist kein Verfahren gegen Daniel B. anhängig. Seine Tätigkeit war auch in Wiesbaden von hohen Ausfallzeiten geprägt. Ab Anfang November war er dort nicht mehr zum Dienst erschienen und weder telefonisch noch auf anderem Weg zu erreichen.

Insgesamt war Daniel B. von März bis Dezember 2014 in Hessen tätig, möglicherweise auch an mehreren Kliniken gleichzeitig. Seine ständigen Jobwechsel sind nicht die einzigen Auffälligkeiten im Leben des heute 27-jährigen.

B. wegen Betrugs bereits in Haft

In einem Betrugs-Urteil des Amtsgerichts Saarbrücken aus dem Jahr 2018 heißt es, dass er möglicherweise an einer Persönlichkeitsstörung leide. Daniel B. wurde in dem Betrugsprozess zu drei Jahren Haft verurteilt, die er zurzeit im Saarland absitzt.

Er hatte unter anderem Luxus-Uhren im Wert von rund 100.000 Euro bestellt und nicht bezahlt. Unter den Geschädigten befinden sich auch Verkäufer aus Wiesbaden und Bad Homburg. Ein 2017 von der Staatsanwaltschaft Frankfurt eingeleitetes Betrugsverfahren gab diese im März 2018 an die Staatsanwaltschaft Saarbrücken ab.

Mordermittlungen gegen B.

Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Saarbrücken gegen Daniel B wegen fünffachen vollendeten und zweifachen versuchten Mordes dauern an. Er soll auf der Intentsivstation einer Klinik im saarländischen Völklingen Patienten absichtlich in einen reanimationspflichtigen Zustand versetzt haben, um sie selbst wiederbeleben zu können. Fünf Patienten starben.

Sendung: hr-iNFO, 06.09.2019, 14:40 Uhr