Handytelefonat: Alek telefoniert mit Oma und Dolmetscherin
Kontakt über das Handy: Alek telefoniert täglich mit seiner Oma (rechts). Die Dolmetscherin (links) ist inzwischen eine enge Vertraute. Bild © hr

Abgeschoben aus Hessen zu einem offenbar drogenabhängigen Vater in Mazedonien: Der zwölfjährige Alek lebt unter widrigsten Umständen. Das kranke Kind hat nur einen Wunsch: Es will zurück zu seiner Großmutter im Vogelsberg.

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Alek mit seiner Mutter

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Zwölfjähriger nach Mazedonien abgeschoben

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"Ich will wieder zurück nach Deutschland zu meiner Oma." Wer mit dem zwölfjährigen Alek in Mazedonien telefoniert, hört diesen Satz etwa alle zwei Minuten. Und es dauert nicht lange, dann laufen am anderen Ende des Hörers die Tränen, und ein Schluchzen ist zu hören.

Krank, traumatisiert, suizidgefährdet

Alek wurde Anfang Februar alleine aus Alsfeld abgeschoben. Dort hatte er bei seiner Großmutter gelebt, die mit ihm nach Deutschland gekommen war. Alek ist nach Einschätzung von Ärzten psychisch krank, traumatisiert, suizidgefährdet und auf Beruhigungsmedikamente angewiesen. In den vergangenen zwei Jahren war er deshalb in Deutschland in einer speziellen Familientherapie.

Seit einem Monat ist Alek nun in Mazedonien, in Kumanovo, etwa eine halbe Stunde mit dem Auto von der Hauptstadt Skopje entfernt. Dort lebt er bei seinem Vater. Der Mann ist nach Angaben des Hessischen Flüchtlingsrates, der sich für Alek einsetzt, drogenabhängig und wegen Gewalttaten vorbestraft. Die heroinabhängige Mutter des Jungen starb, als Alek vier Jahre alt war.

"So eklig"

Beim Vater hält es das Kind nach eigenen Angaben keine zwei Tage am Stück aus. Immer wieder flieht es zur Tante nach Skopje.

"Bei meinem Vater zu Hause ist es so ekelig, da kann ich kaum auf die Toilette gehen", sagt er zu hr-iNFO. "Da kümmert sich keiner um mich, ich kann nicht zur Schule gehen und zu essen ist auch nicht viel da." Die Tante allerdings kann Alek nicht auf Dauer versorgen, sie hat kein Sorgerecht für das Kind.

Behörde verteidigt Abschiebung des Zwölfjährigen

Das für die Abschiebung zuständige Regierungspräsidium in Gießen betont, Alek werde in Mazedonien von den örtlichen Sozialbehörden betreut. Ein geforderter Abschiebungsstopp für unbegleitete Minderjährige wie Alek sei mit geltendem Bundesrecht nicht zu vereinbaren.

Die Großmutter habe 2017 einer freiwilligen Rückreise-Option für sich und für ihren Enkel nicht zugestimmt. Aleks Vater sei zudem der allein sorgeberechtigte Verwandte für den Jungen. Somit sei die Abschiebung des Kindes rechtlich nicht zu beanstanden.

Flüchtlingsrat kritisiert Abschiebung

Der Hessische Flüchtlingsrat hingegen sieht die gesetzlichen Vorgaben für eine Abschiebung des Kindes nicht erfüllt und sieht in der Großmutter die allein sorgeberechtigte Person. "Wir haben deshalb einen Rechtsanwalt beauftragt, die Abschiebung von Alek juristisch zu überprüfen", sagt Geschäftsführer Timo Scherenberg zu hr-iNFO.

Der Hessische Flüchtlingsrat hat dazu ein Spendenkonto eingerichtet. Mittlerweile seien rund 1.000 Euro für Anwaltskosten, Medikamente und für die Rückkehr zusammengekommen. Die Chancen auf eine solche Rückkehr schätzt der Flüchtlingsrat allerdings gering ein. "Wenn es überhaupt gelingt, kann es sehr lange dauern. Manche haben mehr als zwei Jahre gekämpft, bevor sie zurückkommen konnten."

Das Kind braucht dringend Medikamente

Diese Zeit hat Alek nicht: Seine Medikamente reichen nur noch wenige Wochen. Und was geschieht, wenn er seine Tabletten nicht mehr nimmt, kann niemand genau vorhersagen. Es sind hochdosierte Beruhigungsmittel, damit der Junge wenigstens nachts zur Ruhe kommt.

Alek möchte unbedingt zurück zu seiner Oma nach Alsfeld. Sie hatte sich in der Nacht vor der Abschiebung die Pulsadern aufgeschnitten, aus Angst, auch sie werde abgeschoben. Wer mit Alek in Mazedonien telefoniert, der hört nicht nur "Ich will zurück zu meiner Oma." Der hört ihn auch sagen: "Ich muss mich um die Oma kümmern."