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Hessen bereitet sich auf den Flüchtlingsstrom vor

Noch kommen viele Flüchtlinge aus der Ukraine in privaten Unterkünften unter. Doch die werden nicht reichen. Hessen bereitet sich auf einen Ansturm von Menschen vor. Die ersten Notunterkünfte stehen schon.

An der Bergstraße haben Handwerker alle Hände voll zu tun. In Alsbach-Hähnlein wird das alte Flüchtlingsheim aus den 1990er-Jahren hergerichtet. Die Wände sind schon strahlend weiß, gerade wurden neue Heizkörper angebracht, Möbel und Küchengeräte geliefert. Viele Freiwillige haben sie aufgebaut und die 16 Zimmer eingerichtet. 60 Menschen können sofort dort einziehen.

Eigentlich wollte Bürgermeister Sebastian Bubenzer (CDU) die Flüchtlingsunterkunft zur Herberge machen, für Handwerker oder Praktikanten von ortsansässigen Firmen. Durch den Krieg in der Ukraine habe er die Pläne geändert und als einer der ersten im Landkreis Darmstadt-Dieburg Raum für Flüchtlinge geschaffen. Als er gesehen habe, wie Mütter mit ihren Kindern in Keller und U-Bahnstationen flüchteten, sei für ihn klar gewesen: "Diesen Menschen müssen wir natürlich helfen."

Privatunterkünfte reichen nicht mehr aus

Wie in Alsbach-Hähnlein geht es dieser Tage in vielen Kommunen in Hessen. Kreise, Städte und Gemeinde haben Wohnungsbörsen und Servicestellen eingerichtet. Private Räume werden registriert, nach Quadratmetern und Ausstattung katalogisiert und auf Seriosität überprüft.

Privatunterkünfte, sagt Matthias Baaß, Präsident des Hessischen Städte- und Gemeindebundes, würden aber nicht ausreichen, um die vielen Menschen aufzunehmen. Deshalb würden Sammelunterkünfte gebraucht, etwa in leerstehenden Bürogebäuden oder in festen Zelten und Containern.

Turnhallen und Kliniken: Die ersten Notunterkünfte sind bereit

In Frankfurt und Friedberg (Wetterau) etwa stehen Turnhallen als Sammelunterkünfte bereit. Das mittelhessische Laubach (Gießen) stellt das Jugendgästehaus zur Verfügung. Darmstadt prüft, ob das leerstehende Klinikum Eberstadt-Süd genutzt werden kann. Auch der Main-Taunus-Kreis hat drei Notunterkünfte vorbereitet, darunter die Sparkassenakademie in Eppstein.

Die Zahl der Geflüchteten ist unübersichtlich

Als größter Anlaufpunkt in Hessen beherbergt Frankfurt nach Angaben der Stadt derzeit bis zu 1.000 Menschen aus der Ukraine, die genaue Zahl ist nicht bekannt. Die meisten Flüchtlinge seien bei Freunden oder Verwandten untergekommen oder sie reisten weiter in andere Bundes- oder EU-Länder.

Flüchtende aus der Ukraine dürfen sich 90 Tage in Europa aufhalten, ohne sich irgendwo melden zu müssen. Für die Kommunen sichtbar werden sie häufig erst, wenn sie sich bei den Behörden registrieren, etwa um Hilfe anzufordern. Der Landkreis Fulda etwa hat bisher 420 Menschen gezählt. Sie sind alle privat untergekommen.

Erstversorgungszentrum für Tausende in Frankfurt

Die Stadt Frankfurt soll nach den Plänen des Innenministeriums in Wiesbaden ein Erstversorgungszentrum mit 2.000 Plätzen in der Nähe des Hauptbahnhofs aufbauen. An dem wichtigen Verkehrsknotenpunkt kommen zurzeit die meisten geflüchteten Menschen an. Die Kosten übernimmt das Land, den Betrieb der Katastrophenschutz.

Frankfurts Sozialdezernentin Elke Voitl (Grüne) sucht außerdem im Stadtgebiet nach langfristig nutzbaren Flächen, auf denen Unterkünfte aus Holz in Modulbauweise aufgestellt werden können. "Das ist besser als in einer Halle auf dem Feldbett zu übernachten."

Die organisierte Verteilung der Flüchtlinge wird vorbereitet

Derzeit wird auch an der Verteilung von Flüchtlingen in ganz Deutschland gearbeitet. Nach Angaben des Hessischen Städte- und Gemeindebundes will die Bundesregierung die Flüchtlinge nach einem Schlüssel auf die Länder verteilen. Anlaufstelle in Hessen soll dann die Erstaufnahmeeinrichtung in Gießen sein.

Bis Dienstag waren dort bereits 750 ukrainische Staatsbürger untergebracht, täglich kommen zwischen 100 und 200 Menschen dazu. Damit seien nach Angaben der Einrichtung die Betten, auch wegen der Corona-Pandemie und der deswegen geltenden Abstandsregeln, bald belegt. Deshalb bereitet die Landesregierung nach eigenen Angaben ehemalige Kasernen in Fuldatal, Darmstadt und Friedberg auf den weiteren Flüchtlingsstrom vor.

Bis kommenden Samstag müssen sich auch die vier Landkreise Marburg-Biedenkopf, Wetteraukreis, Vogelsbergkreis und Hochtaunuskreis auf Flüchtlinge einstellen. Das hessische Innenministerium hat sie mit einem Einsatzbefehl dazu aufgerufen. Jeweils 1.000 Personen sollen dort für einen kurzfristigen Aufenthalt unterkommen.

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