Axel Dornis (li.) und Steffen Krollmann

Die Arbeiterwohlfahrt hat die zwei neuen Vorstände des Frankfurter Kreisverbandes vorgestellt. Nach der Affäre um Dienstwagen und üppige Gehälter setzt die AWO auf ein bekanntes Gesicht aus der Krisenführung und präsentiert einen neuen Namen.

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hessenschau vom 03.08.2020
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Sie sollen den Frankfurter Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt (AWO) aus der Krise leiten und die AWO nach den zahlreichen Schlagzeilen in eine stabile Zukunft führen: AWO-Interimsvorstand Steffen Krollmann und Neuzugang Axel Dornis bilden die neue Spitze der Frankfurter AWO.

Künftig werde Krollmann als Vorstandsvorsitzender und Dornis als Finanzvorstand den unternehmerischen Teil des Verbands führen, sagte Petra Rossbrey, die Vorsitzende des ehrenamtlichen Frankfurter AWO-Präsidiums. Die Aufarbeitung der Affäre solle weitergehen.

Vorstände stehen vor "Herkulesaufgabe"

"Mit diesem Team werden wir die AWO neu aufstellen, verlorenes Vertrauen zurückgewinnen und den Verband wieder zu einem sicheren und verlässlichen Partner in der Stadt machen", sagte Rossbrey bei der Vorstellung der neuen hauptamtlichen Vorstände. Dies sei und bleibe eine "Herkulesaufgabe" für die AWO.

Dornis war nach Positionen in der Wirtschaft seit 2015 kaufmännischer Geschäftsführer in verschiedenen Gesellschaften des Internationalen Bundes. Krollmann hatte bereits drei Monate zuvor übergangsweise mit Gerd Romen die Führung des Kreisverbands übernommen, nachdem der frühere Frankfurter Geschäftsführer Jürgen Richter von seinem Posten abberufen worden war.

Interimsvorstand stand vor Scherbenhaufen

An seinem ersten Arbeitstag im März hatte Krollmann, seit 40 Jahren SPD-Mitglied und zuvor für die Volksbank tätig, angekündigt, dass es für ihn und seinen Kollegen Romen in den drei Monaten drei zentrale Themen geben werde.

An erster Stelle stünden die Finanzen, an zweiter Stelle die Abläufe und erst dann folge das Tagesgeschäft. Zu den Aufgaben des Interimsvorstandes zählte unter anderem die interne Aufklärung der AWO-Affäre.

Die frühere Leitung hatte den Interimsvorständen einen Scherbenhaufen hinterlassen: Das Präsidium geht davon aus, dass zwischen 2015 und 2019 ein Gesamtschaden von etwa 4,5 Millionen Euro entstanden ist - unter anderen durch überhöhte Gehälter, Luxus-Dienstwagen und ominöse Beratergehälter. Rund 1.100 Personen beschäftigt der Frankfurter Kreisverband.

Staatsanwaltschaft ermittelt im AWO-Skandal

Im Mittelpunkt der Skandals standen die Kreisverbände Frankfurt und Wiesbaden und diverse ehemalige Führungsfiguren der Arbeiterwohlfahrt, die sich Posten und Geld zugeschachert haben sollen - auf Kosten des Sozialverbandes und der Kommunen.

Auch Tochterfirmen der AWO wie der inzwischen insolvente Sicherheitsdienst AWO-Protect, der der Stadt Frankfurt überhöhte Rechnungen für Sicherheitsdienstleistungen in zwei Flüchtlingsheimen gestellt haben soll, sind in den Skandal involviert.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt inzwischen wegen Betrugs und Untreue, auch die besonderen Zuwendungen der AWO für die Ehefrau Zübeyde Feldmann vom Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) sind mittlerweile ein Fall für die Staatsanwaltschaft. Parallel dazu laufen weitere Prozesse vor dem Arbeitsgericht.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 03.08.2020, 16.45 Uhr