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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Psychisch kranke Frau sollte abgeschoben werden

Bundespolizisten führen abzuschiebende Flüchtlinge in ein Flugzeug

Kritik nach versuchter Abschiebung: Der Hessische Flüchtlingsrat und der Paritätische Wohlfahrtsverband protestieren gegen den Abschiebeversuch einer suizidgefährdeter 24-jährigen Frau aus Tadschikistan. Die Frau war beim kurzzeitigen Verlassen einer Klinik festgenommen worden.

Der Hessische Flüchtlingsrat und der Paritätische Wohlfahrtsverband Hessen haben gegen den Versuch der Behörden protestiert, eine psychisch kranke Frau in ihr Herkunftsland Tadschikistan abzuschieben. Die Zentrale Ausländerbehörde beim Regierungspräsidium Darmstadt habe vergangenen Donnerstag die 24-Jährige beim Verlassen einer Klinik in Bad Soden (Main-Taunus) von der Polizei festnehmen und zum Flughafen bringen lassen.

Die Frau wollte den Angaben zufolge nach einem Monat Aufenthalt in der Klinik persönliche Dinge aus ihrer Wohnung holen. Dort war sie nach einem Suizidversuch in Behandlung. Eine Nacht habe die 24-Jährige nach ihrer Festnahme in Polizeigewahrsam verbracht. Dann hätten die Behörden auf Druck der Klinik die Abschiebung abgebrochen.

Regierungspräsidium: Klinikaufenthalt war nicht bekannt

Vier Tage nach dem Vorfall machten die beiden Organisationen den Vorfall publik - und sparten nicht mit Kritik. "Es war den Behörden bekannt, dass sich Frau K. in stationärer Behandlung befand", sagt Yasmin Alinaghi, Landesgeschäftsführerin der "Paritätischen" in Hessen. Umso "perfider" sei es, dass "genau der Zeitpunkt abgepasst wurde, als sie die Klinik für kurze Zeit verlassen hatte."

Das Darmstädter Regierungspräsidium bestätigte dem hr den Abschiebeversuch. Die 24-Jährige habe sich seit einem Jahr in der Bundesrepublik befunden, ihr Asylantrag sei abgelehnt worden und sie sei mehrfach nicht ausgereist. Zum Zeitpunkt der Abschiebung sei der Behörde nicht bekannt gewesen, dass sich die Frau nach einem Suizidversuch in einer Klinik befand.

Erst hinterher sei ein entsprechendes Attest vorgelegt worden. Das Regierungspräsidium hatte nach Auskunft eines Sprechers die Frau von einem Arzt begleiten lassen, der ihr "Transport- und Gewahrsamsfähigkeit" attestiert hatte.

Weiterhin von Abschiebung bedroht

Nach Angaben des Flüchtlingsrats und des Paritätischen Wohlfahrtsverbands geht aus einem Attest der psychiatrischen Klinik hervor, dass die Frau nicht reise- und transportfähig sei. Dennoch drohe ihr weiterhin die Abschiebung.

So sei sie bei ihrer Entlassungs aus dem Polizeigewahrsam durch das Regierungspräsidium Darmstadt aufgefordert worden, sich "unter Vorlage eines Flugtickets nach Tadschikistan" umgehend bei der Ausländerbehörde des Main-Taunus-Kreises zu melden. Andernfalls müsse sie täglich mit einem weiteren Abschiebeversuch rechnen.

Die 24-Jährige soll in ihrem Heimatland Opfer einer politisch motivierten Entführung gewesen sein. In Deutschland habe sie zusammen mit ihrem Vater und zwei jüngeren Geschwistern in Sulzbach gelebt. Alle übrigen Familienmitglieder hätten einen Schutzstatus anerkannt bekommen.

Sendung: hr-iNFO, 02.10.2019, 18 Uhr