Unbelegte Betten auf einem Krankenhausflur.

Krankenhäuser sollen wieder entschädigt werden, wenn sie Betten für Covid-Patienten freihalten. Doch dabei könnten viele Kliniken außen vor bleiben, befürchtet die Hessische Krankenhausgesellschaft und warnt: Am Ende stehen dadurch vielleicht sogar weniger Betten zur Verfügung.

Mit der rasanten Zunahme der Corona-Neuinfektionen ist zusehends die Zahl an Patienten gestiegen, die im Krankenhaus behandelt werden müssen. Dafür braucht es freie Betten - doch die bereitzuhalten, ist für die Kliniken wenig wirtschaftlich.

Während der ersten Welle im Frühjahr ersetzte der Bund den Häusern über sogenannte Freihaltepauschalen die Kosten. Im Spätsommer liefen die Hilfen aus, in der vergangenen Woche hat die Politik sie wieder aufgelegt - dieses Mal allerdings geknüpft an verschiedene Bedingungen.

Die Hessische Krankenhausgesellschaft (HKG) begrüßt die Wiedereinführung, fürchtet für Hessen aber negative Folgen der bundesweiten Neuregelung. Es bestehe die Gefahr, dass damit am Ende sogar weniger Betten für Covid-Patienten zur Verfügung stünden, sagte der Geschäftsführende Direktor Steffen Gramminger der Nachrichtenagentur dpa.

"50 bis 60 Prozent der Häuser fallen raus"

Die Bundesregelung sei nicht kompatibel mit dem - aus Sicht der Krankenhausgesellschaft sinnvollen - hessischen Versorgungskonzept, so Gramminger. Das liege an den Bedingungen für die Zahlung der Pauschalen: So müsse es in der Region beispielsweise eine hohe Sieben-Tage-Inzidenz geben und wenige freie Intensivbetten.

"Das macht ja Sinn", sagte Gramminger. Kritikwürdig sei aber eine dritte Bedingung für die Pauschale: Nur Kliniken, die in den beiden höchsten Notfallstufen eingruppiert sind, bekämen sie. Diese Einstufung ist corona-unabhängig und ergibt sich unter anderem daraus, wie viel Personal in der Klinik arbeitet und welche Fachabteilungen vorhanden sind. Große Häuser wie die Uniklinik Frankfurt oder das Klinikum Darmstadt fallen in die höchste Stufe, wie eine Sprecherin der HKG erklärte, und erfüllten diese Voraussetzung für die Zahlung.

Kleinere Krankenhäuser dagegen würden so bei der Pauschale nicht berücksichtigt. "Das gestufte System der Notfallversorgung wurde mit der Versorgung der Patienten in der zweiten Covid-Welle verknüpft. Damit fallen 50 bis 60 Prozent der Häuser in Hessen aus dieser Regelung raus", warnte Gramminger.

Nachteil auch für große Kliniken

Dieser Umstand bringt auch für die großen Kliniken ein Problem mit sich: Hessen bemüht sich, die Auslastung in der Pandemie möglichst gut zu verteilen und vor allem die größten Kliniken mit den besten Versorgungsmöglichkeiten für schwere Fälle freizuhalten, so die KHG. Dafür müssten sie mit den kleineren Krankenhäuser kooperieren, die vermehrt weniger schwer erkrankte Patienten aufnähmen.

Erhalten diese allerdings keine Pauschale, halten sie keine Betten frei und können die großen Kliniken bei Bedarf nicht entlasten, so die Befürchtung der KHG. Die hohe Flexibilität des hessischen Modells mit der strukturierten Zusammenarbeit aller Krankenhäuser werde konterkariert, mahnt Gramminger und sieht die Gefahr, dass es dadurch schneller zu Engpässen kommen könnte.

"Bund muss nachbessern"

Die Hessische Krankenhausgesellschaft, das Sozialministerium und der Planungsstab arbeiteten an Lösungen, um möglichst viele Krankenhäuser eingebunden zu lassen. Der Bund müsse das Gesetz nachbessern und den Ländern mehr Spielraum geben. "Aktuell fühlen sich die Krankenhäuser vor den Kopf gestoßen", sagte Gramminger.