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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found hr1-Reporter: "Keine Schutzwesten-Pflicht"

Solche Schutzwesten tragen hessische Steuerfahnder jetzt.

Bei Polizei und Zoll gehören sie längst zur Ausrüstung, nun werden auch Außendienstmitarbeiter der Steuerfahndung und der Bußgeldstellen mit Schutzwesten ausgestattet. Die Aggression der Beschuldigten steige.

Mehr Sicherheit für Hessens Steuerfahnder: Bei ihrer Arbeit im Außendienst sollen die Ermittler jetzt stichfeste und schusssichere Westen tragen. "Auch wenn die weitaus überwiegende Mehrzahl der Einsätze zum Glück friedlich verläuft, so ist deutlich spürbar, dass die Aggressivität und Gewaltbereitschaft der Beschuldigten steigt", sagte Finanzminister Thomas Schäfer (CDU) am Mittwoch bei der offiziellen Vorstellung der Schutzwesten in Frankfurt.

Die Steuerfahnder sähen sich immer wieder vergleichbaren Risiken und Gefahren ausgesetzt wie die Kollegen der Polizei. Insgesamt wurden 300 der schwarzen Schutzwesten für die Fahnder, aber auch für Mitarbeiter der Bußgeld- und Strafsachenstellen angeschafft. Dafür investierte die Steuerverwaltung etwa 200.000 Euro. Die ersten Westen sind seit Dezember im Einsatz.

Noch keine körperlichen Angriffe, aber mehr Beleidigungen

Die Sicherheit der Mitarbeiter habe höchste Priorität, sagte Oberfinanzpräsident Jürgen Roßberg. "Die Erfahrungen zeigen, dass der Respekt gegenüber unseren Bediensteten - insbesondere bei den herausfordernden Einsätzen im Außendienst - sinkt." Eine Pflicht zum Tragen der Westen gibt es aber nicht.

Tatsächliche körperliche Angriffe auf Steuerfahnder seien bislang nicht bekannt, sagte ein Sprecher des Finanzministeriums. "Wir verzeichnen aber eine Zunahme an Beleidigungen und Bedrohungen." In diesem Zusammenhang habe es auch Strafanzeigen gegeben, diese hätten 2019 im unteren zweistelligen Bereich gelegen.

Auch Finanzminister Thomas Schäfer (CDU) probierte eine Schutzweste an.

Bundesweit 2018 mehr als 85.000 Vollstreckungsbeamte attackiert

Zahlen aus dem Jahr 2018 zeigen, dass die Aggression gegenüber Beamten oder Beschäftigten im Öffentlichen Dienst zugenommen hat. Deutschlandweit wurden der Bundesregierung zufolge mehr als 85.000 Vollstreckungsbeamte im Dienst Opfer von versuchten oder vollendeten Straftaten, zehn Prozent mehr als im Jahr zuvor.

Der überwiegende Teil sind Polizistinnen und Polizisten, dazu kommen Beschäftigte des Zolls, der Feuerwehr oder von Rettungsdiensten. In Hessen stieg die Zahl von 2015 bis 2018 kontinuierlich auf fast 4.000 Fälle an.

Sendung: hr1, 15.01.2020, 12.10 Uhr