Fuat Sezgin
Unschuldig unter Verdacht: Fuat Sezgin Bild © picture-alliance/dpa (Archiv)

Im Rechtsstreit um tausende Bücher hat das Frankfurter Verwaltungsgericht eine Klage des Islamforschers Fuat Sezgin abgelehnt. Er wollte die Schriften in die Türkei bringen. Die Streitfrage: Handelt es sich bei der Sammlung um "deutsches Kulturgut"?

Tausende sichergestellte Bücher eines arabisch-islamischen Instituts der Uni Frankfurt bleiben vorerst in Deutschland. Das Verwaltungsgericht lehnte im Eilverfahren die Klage von Fuat Sezgin ab. Der frühere Direktor des Instituts wollte den Großteil der 25.000 Bücher, 300 arabischen Handschriften sowie Mikrofilme in die Türkei bringen.

Sezgin hatte erklärt, rund 20.000 der Bücher gehörten ihm. Der weltweit angesehene Islamforscher möchte in der Türkei weiter wissenschaftlich arbeiten und könne dies ohne seine Bücher und Unterlagen nicht tun. Das Gericht befand jedoch in dem am Freitag veröffentlichten Beschluss, bis zur endgültigen Klärung der Rechtsfragen dürfe die Sammlung nicht ins Ausland gebracht werden.

Bücher sichergestellt

Der Mitbegründer des Instituts für Geschichte der arabisch-islamischen Wissenschaften an der Goethe-Universität brachte den Angaben zufolge eine erste Ladung Bücher im Mai 2017 in seine Stiftung in Istanbul ein, eine zweite Lieferung stellte das Zollfahndungsamt Frankfurt sicher.

Das hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst ordnete an, dass die Sammlungsbestände bis auf weiteres in den Räumen des Instituts verbleiben müssten. Es handele sich um Gegenstände im Sinne des neuen Kulturgutschutzgesetzes.

Deutsches Kulturgut?

Das Gericht will nun im Hauptsacheverfahren unter anderem grundsätzlich klären, was zu "deutschem Kulturgut" zählt - ob also das Gesetz nur für originär deutsches Kulturgut gilt oder auch für internationales Kulturgut, das einem deutschen Institut im Inland gehört.

Sendung: hr-iNFO, 02.Februar 2018, 13 Uhr