Schreibtisch mit Büroutensilien, im Vordergrund drei gelbe, runde Workshop-Karten, beschrieben mit "Schule neu", "Verhalten" und "Corona?".

Kann das gut gehen nach den Herbstferien mit dem Unterricht im Klassenzimmer bei steigenden Corona-Zahlen und sinkenden Temperaturen? Lehrer sehen die Empfehlung zum Lüften kritisch. Kultusminister Lorz hat beim Thema Luftfilter noch Fragen.

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Wegen der Corona-Pandemie blicken Vertreter von Lehrern und Eltern mit Sorgen auf den Schulstart nach den Herbstferien am Montag. "Wir sehen das kritisch - vor allem mit Blick auf die kalte Jahreszeit", sagt die Landesvorsitzende der Lehrer-Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Birgit Koch. Problematisch werde das Stoßlüften, das laut Hygieneplan alle 20 Minuten für die Klassenräume vorgeschrieben ist.

"Schüler frieren eh schon grundsätzlich", sagte Koch. Jedes Öffnen der Fenster werde für Unruhe sorgen. "Wir werden es dennoch machen, aber das ist nicht lustig." Etliche Schulen empfehlen Eltern bereits, ihren Kindern Decken oder warme Jacken in den Unterricht mitzugeben.

Lorz: Schülerinnen und Schüler halten Stoßlüften aus

Hessens Kultusminister Alexander Lorz (CDU) hält regelmäßiges Lüften von Klassenräumen in der kalten Jahreszeit für eine sehr wirksame Methode gegen die Verbreitung des Coronavirus. Experten beurteilten es ohnehin eher kritisch, wenn Kinder in stickigen, überhitzten Räumen säßen. Nach Einschätzung von Hygienikern sei Lüften das beste Mittel, um Infektionen vorzubeugen.

Beim empfohlenen Stoßlüften alle 20 Minuten sinke die Raumtemperatur kurzzeitig nur um zwei bis drei Grad ab. Kinder- und Jugendmediziner sagten ganz klar, dass dies unbedenklich sei, betont Lorz: "Das kann man aushalten - und sobald die Fenster wieder zu sind, steigt die Temperatur auch wieder zügig an."

Diskussion um Luftfilter

Zur Frage, ob Luftfilter für Klassenzimmer eingesetzt werden sollten, gebe es auch in der Wissenschaft noch keine abschließende Meinung, führt der Minister weiter aus: "Die Diskussion ist jetzt seit ungefähr vier bis fünf Wochen im Gange. Seither werden wir mit Angeboten von entsprechenden Firmen überschwemmt." Das müsse man sich sehr genau anschauen. "Wir brauchen valide Erkenntnisse, um dann gegebenenfalls sinnvoll investieren zu können."

Erste Studien gäben Hinweise darauf, dass bestimmte Techniken unter bestimmten Umständen hilfreich sein könnten. "Experten sagen aber auch, dass Filter das Lüften nicht ersetzen, sondern lediglich ergänzen", berichtet Lorz: "Im Endeffekt braucht auch nicht jeder Klassenraum ein Lüftungsgerät, sondern primär die Klassenräume, in denen Stoß- und Querlüften nicht gut funktionieren."

GEW: Kein griffiges Konzept der Landesregierung

Gewerkschafterin Koch vermisst nach wie vor griffige Konzepte der Landesregierung im Kampf gegen die Pandemie. Der neu aufgelegte Hygieneplan, der nach den Herbstferien gilt, sei im Vergleich zum vorangegangenen nur minimal verändert.

Die GEW plädiert für Präsenzunterricht in kleineren Gruppen, auch um solche Kinder besser fördern zu können, die in der Corona-Krise zu kurz gekommen seien. "Abstand halten ist ja das Gebot der Stunde", sagt Koch. Dafür müssten beispielsweise Klassen geteilt werden - während ein Teil Unterricht habe, sollte der Rest in der Schule betreut werden. Unklar ist, wie das mit der vorhandenen Zahl an Lehrerinnen und Lehrern und in der gewohnten Zeit funktionieren soll.

Elternbund: Sorge vor weiteren Schulschließungen

Der Vorsitzende des Elternbundes Hessen, Klaus Wilmes-Groebel, sieht den Schulstart "mit großer Sorge und auch mit Angst". Dabei habe er nicht nur die Gesundheit der Kinder im Blick, sondern auch die möglicherweise drohende erneute Schließung von Schulen und Kitas. "Homeschooling hat in Kombination mit Homeoffice in vielen Familien für große Probleme gesorgt", sagt Wilmes-Groebel.

Besonders betroffen seien Alleinerziehende und sozial schwächere Familien. Auch täten sich Grundschüler mit dem Zuhause-Lernen grundsätzlich schwerer als ältere Kinder. Das zurückliegende Schuljahr habe bei vielen Schülern zu deutlichen Wissenslücken geführt - das werde bislang nicht berücksichtigt. Der Elternbund Hessen, zu dem sich rund 300 Eltern zusammenschlossen, fordert von der Landesregierung spezielle Förderpläne.

Sendung: hessenschau, hr-fernsehen, 19.10.2020, 19.30 Uhr

Ihre Kommentare Schulstart bei steigenden Corona-Zahlen: Was denken Sie?

199 Kommentare

  • Können wir nicht die schule einfach schließen?
    Es macht kein doch kein Sinn durch die Lüftung werden wir erst recht krank...
    Warum gibt es kein homeschooling wieso?!
    Die corona zahlen steigen und steigen und was macht man dagegen nichts einfach nichts anstatt uns in die schule zu schicken kann man doch einfach homeschooling machen.
    Und was ist mit den Abschlussprüfungen? Die ganzen Themen die in der Abschlussprüfung sind können wir nicht machen da wir garkeine Zeit haben, weil wir die ganzen anderen Themen machen müssen.
    Ich finde bei den Abschlussprüfung soll verkürzt werden da wir es nicht schaffen.

  • Ich finde das Stoßlüften völlig in Ordnung. Gegen das Frieren helfen auch ganz einfache Aufwärmübungen. Die wirken sich auch positiv auf die Konzentration aus. Kreativ, flexibel und offen für Neues sein, dann werden unsere Kinder und deren Lehrer gut und vor allem gesund durch die kalte Jahreszeit kommen.
    Es gibt sogar Klassen, die ihren kompletten Unterricht draußen haben. 12 Monate im Jahr und das schon vor Corona.

    Die Schulen haben sich bisher nicht als Hotspot erwiesen. Daher müssen die Schulen unbedingt offen bleiben. Ich könnte mir höchstens vorstellen, dass man große Klassen in 2 Gruppen aufteilt und Präsenz- und Digitalunterricht im Wechsel stattfinden.
    Wobei leider nicht jeder gutes Internet für Homeschooling hat. Da hinken wir dramatisch hinterher. Das Thema wird gerne unter den Teppich gekehrt. Da nützt auch kein gesponsertes iPad.

  • In den weiterführenden Schulen finde ich es mit Klassengroessen von 30 bis 33 Schülern unverantwortlich in Risikogebieten mit über 50 bzw. 75 Infizierten / 100.000 Einwohnern in den letzten 7 Tagen die Klassen nicht zu halbieren und damit Abstand zu schaffen. Ich verstehe nicht, warum in Risikogebieten nicht zumindest die Stufe 3 des Eskalationsplans für Schulen greift. Das haben auch wissenschaftliche Institute und das RKI empfohlen! Ich kann mich als Mutter nur schwer damit abfinden, mein Kind morgen in die Schule zu lassen. Die Kinder tragen es dann auch nach Hause und stecken die Familie an. Das führt dann aber auch zu wirtschaftlichen Schäden. Ausserdem müssen die Kinder 6 Unterrichtsstunden inkl. der Pausen Maske tragen und das auch während Tests, wahrscheinlich noch mit Decke, wegen des dauernden Lueftens. Ich finde das eine Zumutung fuer unsere Kinder und wuerde am liebsten gegen die Schulpflicht vorgehen, solange solche Umstände herrschen....

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