Ein Mann hält ein Plakat mit der Aufschrift "Weiterdenken statt Querdenken" hoch.

An einer "Querdenker"-Demonstration in Darmstadt haben sich rund 400 Menschen beteiligt - weit weniger als angemeldet. Ihnen standen deutlich mehr Gegendemonstranten gegenüber.

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hessenschau vom 28.03.2021
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Zu einer in Darmstadt angemeldeten Querdenken-Demonstration kamen am Sonntag deutlich weniger Menschen als angemeldet. Die "Querdenker" versammelten sich um 13 Uhr am Böllenfalltor-Stadion. Die Polizei sprach zunächst von 300 Menschen, später am Nachmittag waren es demnach 400 Teilnehmer.

Mehrere hundert Polizisten und Polizistinnen waren zur Sicherheit im Einsatz. Die Beamten kontrollierten die Teilnehmenden am Eingang des Geländes. Viele wiesen ein Attest zur Befreiung von der Maskenpflicht vor, andere zogen ihren Mund-Nasen-Schutz nach der Kontrolle wieder vom Gesicht. Laut Polizei blieb die Lage aber ruhig.

Eine Gegendemonstrantin festgenommen

Zugleich begannen vier Gegendemonstrationen, bei denen sich eine höhere Beteiligung abzeichnete. Die Polizei sprach von etwa 500 bis 600 Menschen, die am frühen Nachmittag vom Friedensplatz zum Böllenfalltorplatz zogen. 200 von ihnen nahmen an einer Fahrraddemonstration teil. Mehrere Organisationen hatten zum Gegenprotest aufgerufen.

Etwa eine Stunde nach Beginn der Proteste kam es zu einem Zusammenstoß: Eine Frau, die zu den Gegendemonstranten gehörte, versuchte drei Querdenkern ein Banner zu entreißen. Ein hr-Reporter beobachtete, wie sie von der Polizei festgenommen wurde.

Redner ohne Maske durfte nicht auftreten

Das Polizeipräsidium Südhessen berichtete auf Twitter außerdem von einem Platzverweis: Ein Mann habe einem anwesenden Journalisten die Kamera aus der Hand geschlagen. Ob es sich bei dem Mann um einen Querdenker oder einen Gegendemonstranten handelt, ließ die Polizei offen. Gegen ihn werde wegen des Verdachts der Nötigung und Sachbeschädigung ermittelt.

In der Versammlung schlug ein Teilnehmer einem anwesenden Journalisten die Kamera aus der Hand. Die Einsatzkräfte stellten die Personalien des Mannes fest & erteilten einen Platzverweis! Gegen ihn wird wegen des Verdachts der Nötigung & Sachbeschädigung ermittelt. // #da2803

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13 Menschen seien außerdem von der Versammlung ausgeschlossen worden, weil sie keine Maske trugen und auch kein Attest vorweisen konnten, twitterte die Polizei später am Nachmittag. Ein Redner sei nicht auf das Versammlungsgelände gelassen worden, weil er sich ebenfalls weigerte, eine Maske zu tragen. Außerdem kam es laut Polizei zu einer Reihe kleinerer Verstöße, darunter Nötigung, Beleidigung und Sachbeschädigung.

Die Stadt hatte den Veranstaltungsort im Vorfeld verlegt. Die Organisatoren wollten am Karolinenplatz, direkt gegenüber des Impfzentrums, eine Kundgebung abhalten. "Es muss absolut sichergestellt sein, dass Bürgerinnen und Bürger, die die Leistung des Impfzentrums - in Sorge um ihre Gesundheit - nutzen wollen, dies auch ohne Beeinträchtigungen tun können", begründete Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne) die Entscheidung. Ein generelles Verbot der Demonstration sei "nach eingehender rechtlicher Prüfung" nicht möglich gewesen.

Demos in Hanau abgesagt

Ursprünglich war für Sonntag auch in Hanau eine "Querdenken"-Demo mit 250 bis 500 Menschen angekündigt. Die Veranstalter sagten die Demo jedoch ab, nachdem die Stadt den dafür vorgesehenen Versammlungsort verboten hatte. Ausgerechnet am Kurt-Schumacher-Platz im Stadtteil Kesselstadt, einem der Orte des rassistischen Anschlags mit neun Toten vom vergangenen Jahr, sollte die Demo stattfinden. Alternative Orte lehnten die Organisatoren nach Aussage der Stadt ab. Auch eine geplante Gegendemonstration wurde daraufhin abgesagt.

In Kassel hatten vor gut einer Woche mehr als 20.000 Menschen demonstriert - erlaubt waren nur 6.000. Es kam zu teils gewalttätigen Auseinandersetzungen. Viele Teilnehmende hielten sich nicht an Auflagen wie das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes. Die Einsatzstrategie der Polizei wurde teils heftig kritisiert.