Eine Demonstrationsteilnehmerin mit Gesichtsmaske

In zahlreichen Städten wollen am Samstag "Corona-Skeptiker" auf die Straße gehen. In Frankfurt sind gleich mehrere Kundgebungen geplant - und Gegenproteste.

Wie viele Gleichgesinnte seinem Aufruf am Samstagnachmittag folgen werden, kann Hajo Köhn selbst auch nicht genau einschätzen. "Zwischen 50 und 1.000 Teilnehmern ist alles möglich", sagt er. Hajo Köhn hat für Samstag eine Demonstration in der Frankfurter Innenstadt angemeldet. Unter normalen Umständen würde die prognostizierte Teilnehmerzahl wohl kaum größere Aufmerksamkeit erregen. Aber in Zeiten von Corona sind mehrere hundert Menschen an einem Platz schon ein Thema - vor allem, wenn sie gegen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie demonstrieren.

Protestaufrufe für elf Städte

Unter dem Motto "Hände weg vom Grundgesetz" wollen Köhn und seine Mitstreiter gegen die aus ihrer Sicht unverhältnismäßigen Eingriffe durch die Anti-Corona-Maßnahmen protestieren. Sie werden nicht die Einzigen sein. Weitere Demonstrationen von sogenannten Corona-Skeptikern sind nach Auskunft des Frankfurter Ordnungsamts am Paulsplatz und an der Alten Oper geplant.

Auch in anderen hessischen Städten sind Protestaktionen angekündigt. In Darmstadt etwa rechnen die Organisatoren der Initiative "Querdenken 615" nach Angaben des zuständigen Ordnunsgamtes mit bis zu 600 Teilnehmern auf dem Messeplatz. Laut einem in den sozialen Netzwerken kursierenden Aufruf, der hessenschau.de vorliegt, sind in insgesamt elf hessischen Städten Kundgebungen und "Spaziergänge" der Skeptiker geplant - darunter: Wiesbaden, Kassel, Fulda und Gießen.

Feldmann fordert Abgrenzung nach rechts

Ähnliche Veranstaltungen hatten zuletzt bundesweit Aufmerksamkeit erregt, weil sich an ihnen auch Verschwörungstheoretiker und Rechtsextremisten beteiligt hatten. In Frankfurt wurden daher für Samstag auch mehrere Gegenproteste angekündigt - etwa Kundgebungen der Partei "die Linke" sowie von der Flüchtlingsinitiative "Seebrücke".

Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) warnte angesichts der erwarteten Proteste vor "rechter Stimmungsmache". "Ich habe Verständnis für Menschen, die sagen, diese Einschränkungen gefallen mir nicht. Auch der Protest ist legitim", erklärte Feldmann, "ich habe aber kein Verständnis für diejenigen, die versuchen, ihr braunes Süppchen darauf zu kochen oder mit Weltverschwörungstheorien oder antisemitischen Klischees auftreten und gegen Ausländer Stimmung machen."

Keine "politische Ausgrenzung"

Feldmann rief die Organisatoren dazu auf, sich eindeutig gegen solche Teilnehmer abzugrenzen. Bislang sei diese Abgrenzung "nicht trennscharf" genug gewesen. Hajo Köhn betont indes, dass er sich klar gegen "rassistisches und undemokratisches Gedankengut" ausspreche. Auch werde er die Teilnehmer auffordern, sich an die Auflagen zu halten.

Allerdings wolle er niemanden "politisch ausgrenzen", so Köhn: "Ob jemand die AfD wählt oder die Linke, interessiert mich in diesem Fall erst mal nicht."