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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Wie begleitet man Sterbende richtig?

Hospizverein Gießen

Spätestens zum Führerschein muss jeder Mensch in Deutschland einen Erste-Hilfe-Kurs machen. Das ist nichts Besonderes. Der Begriff "Letzte Hilfe" dagegen ist weitgehend unbekannt. Ein Kurs hilft in Gießen weiter.

Sie sind Mitarbeiter in Altenpflegeeinrichtungen, haben selbst schon Angehörige beim Sterben begleitet oder wollen sich darauf vorbereiten: Mehr als 100 Menschen aus allen Berufs- und Altersschichten sind zum Kurs "Letzte Hilfe – das Einmaleins der Sterbebegleitung" ins Gießener Rathaus gekommen.

Einen Abend lang erfuhren die Teilnehmer dabei in vier Modulen alles, was für ein Sterben in Würde wichtig ist. "Wir zeigen dabei auf, welche Unterstützungsangebote es gibt, etwa durch die Palliativmedizin oder Hospizdienste, wir sagen aber auch wie man Leiden lindern kann", erklärt Stefanie Wolf, die Koordinatorin des Hospiz-Vereins Gießen. Dabei könne man sogar auf Medikamente verzichten. Auch Themen wie die Vorsorgevollmacht, die Patientenverfügung sowie Grundlagen zu allgemeiner ambulanter Palliativversorgung vor Ort gehören zum Unterricht.

"Hätte ich das früher gewusst, wäre es leichter gewesen"

Viele der Teilnehmer, die bereits Erfahrung mit Sterbenden in ihrem Umfeld gemacht haben, bewerteten die Informationen als eine große und wichtige Hilfe. "Ich habe Anfang des Jahres meine sterbende Mutter begleitet", berichtete eine Frau. Hätte sie den Kurs schon damals besuchen können, dann wäre es ihr nach eigenen Angaben leichter gefallen.

Eine andere Teilnehmerin fand es besonders wichtig, etwas über den Sterbeprozess zu erfahren. Bisher habe sie immer gedacht, "oh Gott was passiert jetzt hier, wie kann ich helfen, muss nicht ein Arzt kommen, wenn ein Patient tief atmet oder röchelt". Inzwischen wisse sie, dass das ganz normale Vorgänge im Sterbeprozess sind. "Ein Sterbender verdurstet nicht, wenn er nichts zu Trinken bekommt. Im Gegenteil, wenn man versucht mit Essen und Trinken zu animieren, tut man dem Sterbenden keinen Gefallen". In manchen Fällen müsse man sogar akzeptieren, dass der sterbende Mensch alleine sein möchte.

Auch ehrenamtliche Hospizarbeit ermöglicht ein Kurs

Ähnliche Inhalte wie bei dem Kurs in Gießen werden inzwischen auch in vielen anderen Städten in Deutschland, aber auch in Dänemark und Norwegen verbreitet. Um das Thema Sterben mehr und mehr aus der Tabuzone zu bringen, sagt Erwin Kuhn, der Vorsitzende des Hospiz-Vereins Gießen. "Wir leisten sehr viel Öffentlichkeitsarbeit, damit erkläre ich mir auch das große Interesse an diesem Kurs."

Und wer sein Wissen noch stärker vertiefen will, kann weitere Kurse machen, die dann auch ermöglichen, im Hospizdienst ehrenamtlich zu arbeiten.

Weitere Informationen

Sterbebegleitung in Hessen

In Hessen gibt es 110 Initiativen, die eine solche Ausbildung anbieten. In der Sterbebegleitung arbeiten Haupt- und Ehrenamtliche eng zusammen. Im Rahmen des Qualifizierungsprogramms für bürgerschaftliches Engagement finanziert das Hessische Ministerium für Soziales und Integration die Fortbildung ehrenamtlicher Hospizbegleiter mit durchschnittlich 30.000 Euro im Jahr mit.

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Sendung: hr-iNFO, 25.9.2019, 13.30 Uhr