Freiluftpartys an der Alten Oper in Frankfurt

Die Clubs geschlossen, die Nächte lau: Da zieht es viele zum Feiern ins Freie. Regeln interessieren dann oft nicht. Die Frankfurter Polizei schlägt Alarm, auch in Kassel kennt man das Problem.

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zum Video Freiluftpartys sorgen vermehrt für Ärger

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Während die Clubs weiter geschlossen sind und die Bars penibel auf ausreichend Platz pro Gast achten müssen, zeigt sich an den Wochenenden nicht weit von ihren Türen entfernt ein ganz anderes Bild: Menschen stehen dicht zusammen, lachen, trinken, feiern – ganz so, als seien die Corona-Pandemie längst überstanden und Abstandsregeln kein Thema mehr.

Allein am Freitag trafen sich am Opernplatz in Frankfurt laut Polizei 2.000 Menschen. Eine Woche zuvor waren es dort dem Ordnungsamt zufolge sogar 2.500 Menschen gewesen, weitere 600 hatten sich auf die drei anderen beliebten Treffpunkte der Stadt verteilt - Friedberger Platz, Luisenplatz und Matthias-Beltz-Platz. 

Sicherheitsdezernent: Lage alarmierend

In der Woche zuvor hatte das Ordnungsamt die Feiernden noch zur Vernunft aufgerufen. Doch dieser Appell hat wohl wenig Wirkung gezeigt: "Ab einem gewissen Pegel sinkt die Einsicht und die Aggressivität steigt drastisch", sagt der Chef der Stadtpolizei, Matthias Heinrich. "Die Kollegen müssen schlimmste Dinge über sich ergehen lassen, was verbale Äußerungen betrifft."

Sicherheitsdezernent Markus Frank (CDU) bezeichnet die Lage inzwischen als "alarmierend". Wenn ein Stadtpolizist in Uniform oder in Zivil die Bürger anspreche, würden manche herablassend reagieren oder sich als Rechtsanwalt ausgeben und aufspielen.

Umstehende Menschen würden sich direkt solidarisieren, "so dass die Einsatzkräfte sehr schnell in eine ganz schwierige Situation kommen", sagt Frank: "Das macht nachdenklich, gerade mit Blick auf die Bilder in Stuttgart." In dieser aufgeheizten Situation "kann Stuttgart überall passieren, wenn wir nicht innehalten und die Zeit nicht nutzen, über Werte nachzudenken", warnt der Stadtrat.

Gereizte Stimmung auch in Kassel

Ganz so brenzlig ist die Lage in Kassel nicht, doch auch hier berichtet die Polizei von größeren Menschengruppen, fehlendem Abstand und wenig Einsicht. Am vergangenen Wochenende hatten sich mehrere Dutzend Menschen vor den Bars und Restaurants auf der Friedrich-Ebert-Straße versammelt, genau beziffern kann die Polizei ihre Zahl nicht.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Immer mehr Müllprobleme wegen Freiluftpartys in Frankfurt

Müllberge in Corona-Zeiten
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Mit zunehmender Alkoholisierung habe man feststellen müssen, dass die Hinweise der Polizei ignoriert wurden und die Stimmung gereizter wurde, so ein Sprecher der Polizei. Um die Verhältnismäßigkeit zu wahren und keine Eskalation herbeizuführen, sei dann von weiteren Maßnahmen abgesehen worden.

Der Oberbürgermeister, der Polizeipräsident und der Ordnungsdezernent appellieren an die Feierwilligen und drohen mit Konsequenzen. Sollte sich die Lage nicht bessern, seien Einschränkungen für Gastronomie und Einzelhandel zum Beispiel entlang der Friedrich-Ebert-Straße und Nebenstraßen nicht auszuschließen. "Dies könnten dann folgende Maßnahmen sein: Sperrzeiten für die Gastronomie, ein Verbot für den Verkauf von Alkoholika und auch die Sperrung von einzelnen Plätzen", heißt es in dem gemeinsamen Appell.

"Unglaubliche Schweinerei" - Kampf gegen den Müll

Neben der Ignoranz gegenüber den Abstandsregeln und den Ordnungskräften bereitet den Städten noch ein anderes Problem Sorgen: die Müllberge, die nach den nächtlichen Partys zurückbleiben. Für Frankfurts Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) ist das eine "unglaubliche Schweinerei". Das Müllaufkommen sei um 30 bis 35 Prozent gestiegen. Schwierig sei die Situation am Opernplatz, aber auch am Mainufer und im Bahnhofsviertel.

Freiluftpartys an der Alten Oper in Frankfurt - Müll übersät den Platz am nächsten Morgen

Zwar hat die Stadt zusätzliche Mülleimer vor der Alten Oper angebracht, doch der Platz ist am Morgen nach den Partys trotzdem übersät mit Zigarettenstummeln, Scherben und Papiertüten. Frankfurt hat die Bußgelder für Müllsünder deswegen zum 1. Juli erhöht: Für eine weggeworfene Dose werden nun 55 statt 30 Euro fällig, genauso wie für Pommestüten oder Zigaretten. Zusäztlich sind Stadtpolizisten in Zivil auf die Müllsünder angesetzt.

Müll und Vandalismus in Darmstadt

Auch Darmstadt kennt das Problem mit den Folgen nächtlicher Partys schon seit einigen Jahren, wie ein Sprecher der Stadt sagte: "Verbunden einerseits mit Lärm, andererseits mit der entsprechenden Müllproblematik." In Parks wie dem Herrngarten und Orangeriegarten hätten die Mitarbeiter des Grünflächenamts beträchtliche Mengen Abfall zu entfernen. "Nach den Lockerungen im Zuge der Corona-Regelungen hat sich die Frequenz dort noch mal gesteigert."

Inzwischen müssten auch an Ausflugszielen und Erholungsorten, etwa der Ludwigshöhe, erhebliche Mengen Müll entsorgt und Vandalismusschäden behoben werden. Wie das Darmstädter Echo berichtet, wurden dort in den vergangenen Wochen Wände besprüht, Lagerfeuer veranstaltet und Holzbänke angesengt.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 04.07.2020, 19.30 Uhr

Ihre Kommentare Feiern im Freien - völlig okay oder ein Ärgernis?

115 Kommentare

  • Ich finde das absolut nicht ok, was die Leute da machen. Ich gehe auch nicht feiern und bin zufrieden. Das gehört sich einfach nicht sich so assozial zu benehmen.
    Wie wäre es mit einer Nacht im Gefängnis?

  • Die Clubs können zumindest für Hygiene und Kontrolle achten. Dort dürfen keine Minderjährigen Alkohol trinken. Dazu ruiniert die Stadt das Nachtleben. Statt Alkoholverbot auf den Plätzen durch zu setzen, machen sie Jagd auf die Gastwirte.

  • Warum schreitet nicht die richtige Polizei ein, so wie sie es bei jeder Demo oder im Bahnhofsviertel macht??? Das ist mir unverständlich, daß hierfür nur die Stadtpolizei eingesetzt wird. Wo ist da der Rechtsstaat...Wie bei jeder Demo oder den täglichen Kontrollen im Bahnhofsviertel könnte die richtige Polizei auch hier das Gebiet einkesseln und von allen die Personalien aufnehmen und die Bußgelder durchsetzen!!! Denn nur über den Geldbeutel wird sich was verändern. Ich bin immer noch über das Ausmaß und die Unfähigkeit der Polizei schockiert und kann es kaum fassen. Wo ist da die Gerechtigkeit? Das kann alles nicht wahr sein... unfassbar!

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