Wildschwein/Schild mit der Aufschrift "Afrikanische Schweinepest - Sperrbezirk"

Die Afrikanische Schweinepest ist auf dem Vormarsch. Dass sie kommt, ist so gut wie sicher. Nur wie schnell es geht, weiß man nicht. Der Lahn-Dill-Kreis will gut gerüstet sein und probt mit einer groß angelegten Tierseuchenübung den Ernstfall.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Großübung im Lahn-Dill-Kreis

Übung zur Bekämpfung der Schweinepest im Lahn-Dill-Kreis
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Ein totes Schwein liegt in einem Bachlauf in der Nähe von Aßlar-Bechlingen. Experten bergen es und bringen den Kadaver zu einer speziellen Sammelstelle. Der Verdacht: Es könnte an der Afrikanischen Schweinepest (ASP) verendet sein. Und damit stellt es eine große Gefahr für die restliche Schweinepopulation im Lahn-Dill-Kreis dar.

Denn: Der Lahn-Dill-Kreis, der von Wetzlar bis zum Westerwald reicht, hat die höchste Wildschwein-Populationsdichte in Hessen, und eine der höchsten in Deutschland. Nach offiziellen Schätzungen leben rund 20.000 Wildschweine im von Wäldern und Hügeln durchzogenen Kreisgebiet.

Die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest gilt es also auf jeden Fall zu verhindern. Wie das am besten geht, wird am Freitag und Samstag in einer Simulation geübt.

Keine Gefahr für Menschen oder andere Tiere

Die Experten richten eine drei Kilometer große Schutzzone ein, die nicht mehr betreten werden darf. Und auch der Wald ist tabu. Dann wird das tote Tier sichergestellt und zum Kadaver-Sammelplatz gebracht, wo es entsorgt wird. Zwar handelt es sich bei der Tierseuchenbekämpfung in Aßlar und Herborn-Uckersdorf nur um eine Übung. Doch sie soll so realistisch wie nur möglich durchgeführt werden. Denn dass ein solches Szenario exakt so eintreten könnte, darüber sind sich die Experten einig. Sie wollen vorbereitet sein.

Übung zur Bekämpfung der Schweinepest im Lahn-Dill-Kreis

"Für den Menschen besteht absolut keine Gefahr an der Afrikanischen Schweinepest zu erkranken", erklärt der Leiter des Kreis-Veterinäramts, Giuseppe Bosco. Auch wenn der Mensch die Schweinepest immer wieder verbreite, so könne er sich nicht damit infizieren. Die Gefahr bestehe viel eher darin, dass andere Wildschweine sich bei erkrankten Tieren infizieren, das Virus über die Kreisgrenzen hinweg schleppen und schließlich auch Hausschweine, Warzenschweine und Mikro-Pigs infizieren. "Überregional", sagt Giuseppe Bosco, "wird der Schaden, der durch die Schweinepest in Deutschland jährlich entsteht, auf über 30 Milliarden Euro geschätzt.“

Tote Tiere möglichst rasch entsorgen

Hat sich ein Tier mit dem Schweinepest-Erreger infiziert, stirbt es in der Regel nach zehn Tagen. Im Körper eines verendeten Tieres kann das Virus jedoch länger als ein Jahr überleben und dementsprechend auch verbreitet werden. "Deshalb ist es wichtig, dass alle befallenen Schweine entdeckt und entsorgt werden", erläutert Veterinäramtsleiter Bosco. Nur so kann eine Verbreitung der Schweinepest verhindert werden.

Rund 100 Jäger, Landwirte, Tierärzte, Polizisten, Feuerwehrleute und Mitarbeiter des Kreises spielen deshalb am Freitag den Ernstfall durch. Von der Entdeckung des vermutlich befallenen Tieres, hin zur Entsorgung und Dekontaminierung mit einem speziellen Schaum. Am Samstag wird das steile und waldreiche Gelände bei Herborn-Uckersdorf von Trupps von etwa zehn Mann abgesucht und so eine echte Suche simuliert.

Keine Beeinträchtigung für Bevölkerung

Für die Übungen werden echte Tierkadaver verwendet. Dabei handelt es sich um schon vor längerer Zeit verendete Schweine, die für die Tierseuchen-Bekämpfungsübung konserviert und aufbereitet worden sind.

Auch in anderen Bundesländern bereiten sich die Experten auf den Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest vor. So ist im Februar eine ähnliche Übung in Baden-Württemberg abgehalten worden. Mit den Kollegen dort stehe man in Kontakt, so Giuseppe Bosco. Und der Kreis leiht sich von dort 60 GPS-Tracker aus. Das sind Geräte, mit denen die Ortung via Satellit unterstützt wird.

Allerdings werden die Beteiligten dabei nicht in weißen Ganzkörper-Anzügen durch den Wald streifen. "Das Ziel ist es, dass der Wald und die Natur so wenig wie möglich beeinträchtigt werden", sagt Bosco. Und Landrat Wolfgang Schuster (SPD) ergänzt: "Für die Bevölkerung wird es keine Beeinträchtigungen geben. Die Übungen werden nur lokal abgehalten."