Studentinnen auf dem Uni-Campus Westend in Frankfurt

Die Landesregierung hat mit den Hochschulen einen Digitalpakt geschlossen. Nicht nur in Zeiten der Corona-Kontaktsperre sollen Studenten individueller lernen und Forscher sich besser vernetzen können.

Videobeitrag

Video

zum Video Digitalpakt für Hochschulen vorgestellt

hsk1645_230420
Ende des Videobeitrags

Zusätzlich zum bereits beschlossenen Hochschulpakt hat sich die Landesregierung mit den Hochschulen auf einen Digitalpakt verständigt. Der Hochschulpakt hat ein Volumen von 11,2 Milliarden Euro und dient der besseren Ausstattung der Universitäten und Fachhochschulen in den Jahren 2021 bis 2025. Der Digitalpakt ist im Umfang kleiner und bringt es auf ein Volumen von 112 Millionen Euro bis 2024.

Beim Digitalpakt "geht es um weit mehr als neue Rechner, es geht um tiefgreifende Veränderungen in Lehre, Forschung, Infrastruktur und Verwaltung", sagte Wissenschaftsministerin Angela Dorn (Grüne) am Donnerstag bei der - in Corona-Zeiten selbstverständlich virtuellen - Vorstellung. Die Corona-Krise zeige eindringlich, wie nötig eine langfristige digitale Unterstützung der Forschung, Lehre und Verwaltung in den Hochschulen sei, betonte die Präsidentin der Technischen Universität Darmstadt, Tanja Brühl.

Erste Mittel für Streaming-Kapazitäten

Audiobeitrag

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Landesregierung stellt Digitalpakt mit Hochschulen vor

unigiessen
Ende des Audiobeitrags

Das diesjährige Sommersemester hat bekanntlich Corona-bedingt als rein digitale Veranstaltung begonnen - womöglich haben die Studenten ein vollständiges Digital-Semester vor sich. Die ersten Mittel aus dem neuen Pakt sollen daher in zusätzliche Streaming-Kapazitäten, die Ausstattung videobasierter Lehrveranstaltungen und einen Notfonds für studentisches Arbeitsmaterial fließen.

Insgesamt wollen die Ministerien für Wissenschaft und Digitales und die Hochschulen mit dem Geld aus dem Digitalpakt diese Bereiche stärken:

  • Lehre: Unabhängig von Vorlesungsstreams und virtuellen Seminaren sollen Studenten mittelfristig auf mehr mulitmedial aufbereitete Lerninhalte zugreifen können. Studenten könnten den Uni-Stoff dann ihrer individuellen Veranlagung und Lerngeschwindigkeit gemäß aufnehmen. Aktuell findet die Lehre ausschließlich über Videokonferenzen oder in Augmented-Reality-Laboren statt. Nach Corona sollen digitale Formate der Lehre zusätzlich zu den Präsenzveranstaltungen eine neue Qualität geben.
  • Forschung: Unter den Stichworten Open Science und Open Access (Freie Forschung und freier Zugang) soll die Arbeit von Forschern mittels digitaler Pfade schneller und vernetzter werden. "Das ermöglicht eine neue Qualität des Transfers von Wissen in die Gesellschaft und trägt zur Demokratisierung der Wissenschaft bei“, sagte Ministerin Dorn. Ihre Digital-Kollegin Kristina Sinemus (parteilos) verwies auf das Kompetenzzentrum für Künstliche Intelligenz des Landes, das mit zusätzlichen 38 Millionen Euro derzeit eingerichtet werde.
  • Verwaltung: Studenten erwarteten von den Computersystemen der Hochschulen ähnlichen Komfort wie von ihrem eigenen zu Hause, sagte Dorn. Daher fließe ein Teil des Geldes des Digitalpakts in die IT-Systeme der Einrichtungen. Wichtig seien auch Investitionen in die IT-Sicherheit, das habe nicht zuletzt der Hackerangriff auf die Uni Gießen gezeigt.

FDP: Programm kommt zu spät und ist zu klein

Wenig beeindruckt vom Digitalpakt zeigte sich der Hochschulexperte Matthias Büger von der oppositionellen FDP. Die finanzielle Ausstattung des Pakets sei mit 112 Millionen Euro auf fünf Jahre zu gering - die Hochschulpräsidenten hätten fünf mal 50 Millionen Euro und damit mehr als die doppelte Summe als notwendig angemeldet. Außerdem räche sich jetzt, dass die Landesregierung die Digitalisierung verschlafen habe, bemängelte Büger. Die nun angekündigte Unterstützung bräuchten die Hochschulen bereits jetzt, wie sich gerade in der Corona-Krise zeige.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 23.04.2020, 16.45 Uhr