Notaufnahme in einem Krankenhaus
Hessens Kliniken müssen offenbar nicht um ihre Notaufnahmen bangen. Bild © picture-alliance/dpa

Die geplante Reform der Notfallversorgung in Kliniken stößt bei Ärzten auf Kritik. Rund 630 Notaufnahmen - und damit eine schnelle Patienten-Versorgung - stehen bundesweit auf der Kippe. Nicht so in Hessen, versichert Gesundheitsminister Grüttner.

Die Landesregierung will die Notfallversorgung in den hessischen Krankenhäusern auch unter den verschärften neuen Vorgaben möglichst flächendeckend gewährleisten. Gesundheitsminister Stefan Grüttner (CDU) sagte zu, Kliniken, die beispielsweise noch nicht alle Kriterien in der Notfallversorgung erfüllen, zu unterstützen und nach Lösungen zu suchen.

Das betrifft unter anderem das Krankenhaus in Rüdesheim oder eine Belegklinik in Biedenkopf. Dazu werde eine entsprechende Rechtsverordnung erarbeitet. Er gehe jedoch davon aus, dass die allermeisten Kliniken die Mitte April vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) von Ärzten, Kliniken und Kassen vorgelegten Vorgaben erfüllen könnten, ließ Grüttner am Sonntag mitteilen: "Die Mehrzahl wird von den Zuschlägen, die in diesem Zusammenhang vorgesehen sind, profitieren."

Erste Diagnose nach zehn Minuten

Die Ärztegewerkschaft Marburger Bund hatte die geplante Reform zuletzt massiv kritisiert. Auch Menschen in strukturschwachen Gebieten hätten einen Anspruch darauf, im Notfall gut versorgt zu werden, sagte Gewerkschaftschef Rudolf Henke vor dem am Dienstag beginnenden Deutschen Ärztetag in Erfurt.

Den neuen Kriterien zufolge müssen Notfall-Krankenhäuser über eine chirurgische oder unfallchirurgische sowie eine Abteilung für innere Medizin verfügen. Kommt ein Patient in die Notaufnahme, soll er binnen zehn Minuten erfahren, mit welcher Priorität er behandelt wird.

Ein Facharzt und bei Bedarf auch ein Anästhesist müssen binnen 30 Minuten beim Patienten sein können. Die Klinik muss zudem eine Intensivstation mit mindestens sechs Betten haben. Von den bundesweit 1.748 Krankenhäusern sollen nur noch 1.120 Zuschläge für die Notfallversorgung bekommen. 630 müssen zittern.

Angemessene Betreuung garantiert

Der Bundesausschuss ist das höchste Entscheidungsgremium im deutschen Gesundheitswesen und bestimmt die Versorgung nach den Vorgaben der Politik. Ziel der Reform ist es dem Gremium zufolge, dass die verbleibenden entsprechend ausgestatteten Notfallkliniken eine angemessene Betreuung der Patienten garantieren können.

Sendung: hr-iNFO, 6.5.2018, 18 Uhr