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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Neues Maßnahmenpaket gegen Lehrermangel

Lehrer steht an der Tafel

Noch mehr Quereinsteiger sollen den Lehrermangel an Grundschulen ausgleichen. Corona verschärft die Lage. Mehr verdienen sollen die Lehrer nicht - das sei langfristig auch nicht nötig, sagte Kultusminister Lorz.

Öffnen oder nicht, mit Viertklässlern als Erkundungstrupp? Den Plänen schob der Verwaltungsgerichtshof in Kassel am Freitag einen Riegel vor. Mitten in solchen Turbulenzen der Corona-Krise hat Kultusminister Alexander Lorz (CDU) einen Ausblick auf die Entwicklung der Lehrerzahlen an den Grundschulen gegeben. Dort werde in den kommenden Jahren weiterhin Mangel herrschen.

Zwar sei der Basisunterricht abgedeckt, sagte Lorz am Freitag in Wiesbaden. Das Land wolle jedoch in jeder Jahrgangsstufe eine weitere Deutschstunde und ab dem Schuljahr 2021/2022 verpflichtende Vorlaufkurse einführen sowie weitere Zusatzangebote ermöglichen - dadurch werde es beim Personal knapp. Außerdem ist damit zu rechnen, dass Zuwanderung und höhere Geburtenraten für steigende Schülerzahlen sorgen.

Die Corona-Krise verschärfe die Lage noch. Bisher rekrutierte das Land auch Pensionäre oder ältere Kollegen, die sich bereit erklärten, später in den Ruhestand zu gehen. Diese Lehrer zählen nun jedoch zur Covid-19-Risikogruppe, weswegen das Land auf sie in absehbarer Zeit eher nicht zurückgreifen kann. Insgesamt erwartet der Minister, dass jeder fünfte Lehrer bis zum Ende der Corona-Pandemie nicht im Klassenzimmer unterrichten kann.

Neue Maßnahmen gegen Personalknappheit

Die Personalsituation an den Grundschulen werde sich erst ab den Jahren 2024, 2025 entspannen. Dann schlössen mehr Grundschullehrer als bisher ihre siebenjährige Ausbildung ab, denn seit 2017 gebe es deutlich mehr Studienplätze, sagte Lorz. Bis dahin will das Land den Mangel mit noch mehr Quereinsteigern als bisher ausgleichen:

  • Leichtere Weiterbildung: Das Land verkürzt das bestehende Programm für Lehrer an Gymnasien, Haupt- und Realschulen, womit sie sich zu Grundschullehrern weiterbilden können, von drei auf zwei Jahre. Ihre Unterrichtsverpflichtung soll geringer ausfallen.
  • Einfacherer Quereinstieg: Auch das Modell Quereinstieg in den Schuldienst (QuiS) wird vereinfacht: Das Land lässt künftig auch Hochschulabsolventen mit mindestens fünf Jahren Berufserfahrung zu, die nur ein Unterrichtsfach bedienen können - sofern es sich um Deutsch, Mathematik, Musik, Kunst oder Sport handelt.
  • Lockende Einstellungsangebote: Wer sich auf ein gymnasiales Lehramt bewirbt, wird bessere Chancen auf ein Einstellungsangebot haben, wenn sie oder er sich bereit erklärt, sich für mindestens vier Jahre an eine Grundschule abordnen und weiterbilden zu lassen. An der Stammschule sollen sie dann neun Stunden in der Woche unterrichten, den Rest an einer Grundschule.
  • Verpflichtende Abordnungen: Weil sich Corona-bedingt die Personallage verschärfen wird, behält sich das Land im Bedarfsfall vor, Gymnasiallehrer zur Abordnung an Grundschulen zu verpflichten. Sie sollen vornehmlich in den Jahrgangsstufen 3 und 4 und möglichst nicht im Anfangsunterricht Mathematik und Deutsch unterrichten.

Lorz: Alle Studienplätze sind belegt

Ein höheres Gehalt stellte Lorz den angehenden und aktuellen Grundschullehrern nicht in Aussicht. Dies sei ein lang gehegter Wunsch, würde jedoch den Haushalt überfordern, sagte er. Letztlich sei der Beruf auch mit der geltenden Gehaltsstufe und angesichts der quasi garantierten Aussicht auf eine Stelle attraktiv: Alle Studienplätze seien belegt, berichtete Lorz.

Linke: Lehrermangel ist fatal

Die Linke übte scharfe Kritik an der hessischen Bildungspolitik. Das Kultusministerium habe die Probleme jahrelang verschlafen und geleugnet, sagte die Linken-Bildungspolitikerin Elisabeth Kula. Die Politik habe den Lehrerberuf, zumal in den Grundschulen, bewusst nicht aufgewertet. In der Corona-Krise mache sich das fatalerweise bemerkbar. Nun verkürze man die Ausbildung und setze auf geringere Qualifikation, statt die Grundschullehrer in die Besoldungsstufe A13 einzusortieren.

Sendung: hr-iNFO, 24.04.2020, 15 Uhr