Das Hotel Albo im Frankfurter Stadtteil Niederrad

Frankfurt bringt Wohnungslose und Geflüchtete in alten Hotels unter, auf engstem Raum. In Corona-Zeiten stellt das die Bewohner vor besondere Herausforderungen. Ein Besuch im Hotel Albo, in dem sich 130 Menschen eine Küche teilen.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Allein gelassen im Hotel: Wie Wohnungslose unter dem Lockdown leiden

Besuch derzeit unerwünscht: Eingangsbereich des Hotel Albo
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Ein grauer Betonkasten in Frankfurt-Niederrad. Neben der Zufahrt steht "Hotel Albo" auf einem Papierzettel. Doch ein normales Hotel ist das nicht. Über 130 Menschen wohnen dort, Wohnungslose und Geflüchtete. So wie Familie Alemi, die in Wirklichkeit anders heißt. Die Alemis, vor vier Jahren aus Afghanistan geflüchtet, sind dort zu fünft in zwei Zimmern untergebracht.

"Man kann das nicht Leben nennen", sagt Ramin Alemi, Vater von drei Kindern. Seit ihrer Ankunft in Frankfurt vor vier Jahren bringe die Stadt sie in alten Hotels unter. Im Hotel Albo finden sie es besonders schlimm: Ihre beiden Zimmer sind durch einen langen Hotelflur getrennt. Sie haben nicht mal einen Tisch. Gegessen wird auf dem Boden, zwischen Kleidung und den Spielsachen der Kinder.

Schlafzimmer der Alemis: Hir schlafen die Eltern mit ihren drei Kindern zusammen in einem Bett

Kochen ist nur in einem fensterlosen Raum im Erdgeschoss erlaubt. Dort stehen vier Elektroherde - für 130 Personen. Wegen der Infektionsgefahr sollen sich dort nur zwei Personen gleichzeitig aufhalten. Ebenso wie in der Waschküche mit den drei Waschmaschinen. Das sei unmöglich, sagt Ana Varón aus Peru (Name geändert), die mit Mann und zwei Kindern in dem Hotel lebt. Alle müssten ja kochen und waschen. "Wir haben Angst vor Ansteckung", sagt sie.

Vier Elektroherde für 130 Personen: die Gemeinschaftsküche im Hotel Albo

Der Frankfurter Kinderschutzbund sieht die Situation der Familien mit Sorge. Die alten Hotels, die von der Stadt genutzt würden, seien für Familien nicht geeignet, sagt Nicola Küpelikilinc, die beim Kinderschutzbund das Projekt "Babylotse" leitet. Das Kochen sei ein Riesenproblem. In den Gemeinschaftsküchen gehe es extrem eng zu. Den Familien fehle es an Betreuung und Informationen über Corona.

Das Sozialdezernat der Stadt Frankfurt hält entgegen: Es gebe durchaus eine Sozialbetreuung im Hotel Albo, dreimal pro Woche. Es seien Schilder angebracht, um auf die Hygiene- und Abstandsregeln hinzuweisen. Und es werde häufiger gereinigt als sonst, mehrmals am Tag, auch an Feiertagen. Eine Sprecherin erklärt auf hr-Anfrage, die Situation sei sicher belastend. "Eine bessere Alternative können wir den Menschen aber leider nicht bieten."

Die Stadt Frankfurt muss nach eigenen Angaben derzeit rund 8.000 Menschen unterbringen, um sie vor Wohnungslosigkeit zu bewahren, Menschen mit und ohne Fluchthintergrund. Knapp 3.000 von ihnen lebten "in Unterkünften bzw. Hotels, in denen sie mit Mitbewohnern die sanitären Einrichtungen und / oder die Küche teilen müssen." Der Infektionsschutz bleibt dabei manchmal auf der Strecke - so wie im Hotel Albo.

Sendung: hr-iNFO, 14.04.2020, 11.16 Uhr