Im Oktober 2011 hat für Barbara Eyrich ein neues Leben begonnen. Nach monatelangem Warten bekommt sie eine Lunge transplantiert. Ein Gespräch über Hoffnung, Dankbarkeit und das Glück, sein Enkelkind aufwachsen zu sehen.

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In Deutschland warten 9.400 Menschen auf ein Spender-Organ. Barbara Eyrich aus Mörfelden-Waldorf (Groß-Gerau) war eine von ihnen. Seit mehr als sieben Jahren lebt sie mit einer Spenderlunge. "Ich habe geschrien vor Glück", erinnert sich die heute 70-Jährige an den Moment, als die Ärztin an einem Samstagabend im Oktober 2011 in ihr Krankenhauszimmer kommt.

Dann geht alles ganz schnell. Schnell im Vergleich zu der Zeit, die Eyrich auf ihr neues Organ gewartet hat. Im Alter von 18 Jahren fängt sie an zu rauchen. Sie habe immer ein schlechtes Gewissen dabei gehabt, aber "es war damals schick". 1995 bekommt sie Atembeschwerden, die Ärzte diagnostizieren die chronische Lungenerkrankung COPD (chronic obstructive pulmonary disease), die zu einer dauerhaften Entzündung der Bronchien führt.

Transplantation als letzte Hoffnung

2007 dann die Gewissheit: Eine Transplantation ist ihre letzte Überlebenschance. Das Warten auf ein Spenderorgan beginnt. 2011 ist ihr Gesundheitszustand so kritisch, dass sie sechs Monate in einer Gießener Klinik verbringt und täglich auf die Nachricht hofft, dass eine Lunge für sie gefunden ist.

Aus der Gegend "südlich von Frankfurt" kommt schließlich ihre neue Lunge. Das ist alles, was Barbara Eyrich über ihren Lebensretter oder ihre Retterin weiß. In Deutschland dürfen die Angehörigen von Organspendern und Transplantierte nur anonym zueinander Kontakt aufnehmen.

Barbara Eyrich
Die 70-jährige Barbara Eyrich lebt seit 2011 mit einer Spenderlunge Bild © hr

Mit der Spenderlunge kann Barbara Eyrich gut leben. "Ich bin dafür unglaublich dankbar." Ihr neues Leben ist aber auch mit Therapien und 15 verschiedenen Medikamenten täglich verbunden. "Damit das Immunsystem nicht merkt, dass ein Fremdling im Körper ist."

Medikamente haben Niere geschädigt

Außerdem geht sie einmal wöchentlich zur Atemtherapie und drei Mal pro Woche muss sie zur Dialyse. Denn ihre Nieren sind durch die Lungen-Medikamente inzwischen so geschädigt, dass sie jetzt eigentlich auch eine neue Niere bräuchte. Sie rechnet allerdings nicht damit, dass sie "in ihrem Alter" noch eine neue Niere bekommt.

Dass Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) jetzt einen Gesetzesentwurf zur Organspende vorgelegt hat, freut Barbara Eyrich. Sie hofft, dass sich durch die geplante doppelte Widerspruchsregelung jeder einmal grundsätzlich mit dem Thema auseinandersetzt.

Der Gesetzentwurf zur doppelten Widerspruchsregelung sieht vor, dass jede Person, die zu Lebzeiten keinen Widerspruch einlegt, potenziell Organe spenden kann. Die Widerspruchsregelung ist in vielen EU-Mitgliedsstaaten bereits Praxis, beispielsweise in Frankreich, Irland, Italien, Österreich, Polen, Portugal und Spanien.

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Im Vergleich zu anderen Ländern ist die Zahl der Organspenden in Deutschland gering und liegt bei 11,5 Spendern pro einer Million Einwohner. 2018 haben 955 Menschen ihre Organe nach dem Tod gespendet. In Spanien, wo die Widerspruchsregelung bereits existiert, liegt die Zahl der Spenderinnen und Spender bei 46,9 pro einer Million Einwohner. Das liegt aber auch daran, dass Organspenden in Spanien bei herztoten Menschen erlaubt sind. In Deutschland findet die Entnahme erst nach Feststellung des Hirntods statt.

Barbara Eyrich ist froh, dass das Thema Organspende nun in der Mitte der Öffentlichkeit angekommen ist. Am liebsten würde sie sich auf einen Marktplatz stellen und sagen: "Schaut her, mir geht es gut damit". Ihr Enkelkind aufwachsen zu sehen, das sei das größte Geschenk.

Weitere Informationen

Die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) mit Hauptsitz in Frankfurt ist nach dem Transplantationsgesetz die Koordinierungsstelle für bundesweite Organspenden nach dem Tod. Sie koordiniert zum Beispiel die Arbeit zwischen Entnahmekrankenhäusern und Transplantationszentren.

Eine Organspende ist in Deutschland nur möglich, wenn der Hirntod eines Patienten festgestellt wurde. Außerdem dürfen Organe nur gespendet werden, wenn der Verstorbene vorher zugestimmt hat, etwa in einem Organspendeausweis oder in einer Patientenverfügung. Ist nichts davon vorhanden, können Angehörige den mutmaßlichen Willen des Verstorbenen gegenüber den Ärzten äußern. Nach Angaben der DSO müssen derzeit in der Hälfte der Fälle die Angehörigen den Willen der verstorbenen Person äußern, weil es weder Patientenverfügung noch Organspendeausweis gibt.

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Sendung: hr-fernsehen, defacto, 8.04.2019, 20.15 Uhr

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14 Kommentare

  • Da ich selber an COPD erkrankt bin, wurde mir irgendwann ,al gesagt ich solle mich mal mit dem Gedanken einer Transplantation vertraut machen. Nach einigen Überlegungen, viel gelesen usw, habe ich ganz bewußt entschieden, ich möchte kein Organ einer Person in mir die dafür sterben mußte, Aber ich werde auch kein Organ spenden. Wenn Gott will das ich sterbe dann ist das so und da habe ich ihm nicht is Handwerk zu puschen. ich gönne Barbara und all den anderen jeden Tag den sie geniesen durch ihre Transplantation aber für mich ist es aus Glaubensgründen einfach nicht möglich.

  • ich hätte nichts dagegen wenn ich sterben sollte dann gebe ich meine Organe frei für Menschen die mit meinen Organen noch leben dürfen.

  • Mein Ko.mentst dazu: Ja auf jeden Fall ...meinem bereits verstorbenen Mann hat ein Spenderherz 25 Jahre Leben geschenkt! Diese 25 Jahre hat er genossen!!!

    Also für mich immer ein dickes JAAAAA

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