Grundschule Niederbiel

Nach dem monatelangen Schul-Lockdown folgen nun die sechswöchigen Sommerferien. Für Eltern, die ihren Urlaub für die Krisenbetreuung bereits aufgebraucht haben, beginnt die nächste große Herausforderung. An einer Schule in Mittelhessen springen die Lehrer in die Bresche.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Lehrer organisieren Ferienprogramm

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So ganz ungewöhnlich war die Idee der Verantwortlichen der Grundschule in Solms-Niederbiel (Lahn-Dill) für ein flächendeckendes Sommerferien-Programm nicht, sagt Schulleiter Horst Hack. Denn die Kinderbetreuung gehe hier schon länger über das normale Maß einer Ganztagsschule hinaus. So gebe es ein großes AG-Angebot neben dem Unterricht, das auch sehr gut von den Kindern angenommen werde. Dass jetzt Eltern - coronabedingt - in den großen Ferien zusätzlich entlastet werden, sei fast schon eine logische Konsequenz, so der Rektor.

Urlaub aufgebraucht

"Die Grundschule Niederbiel öffnet immer zum zweiten Teil aller Ferien", sagt Hack. In den vergangenen Wochen habe es allerdings immer wieder Anfragen von Eltern gegeben, ob es denn auch ein Betreuungsangebot für die ersten drei Wochen geben könnte. Denn viele Eltern hätten ihren Urlaub für dieses Jahr schon so gut wie aufgebraucht und könnten sich nicht um ihre Kinder kümmern, weil sie arbeiten müssten.

Horst Hack trommelte sein Kollegium zusammen, und schnell waren sich die elf Lehrerinnen und Lehrer einig: Sie werden sich in den Sommerferien in unterschiedlichen Schichten an einem Tag in der Woche oder an drei Tagen hintereinander je fünf bis sechs Stunden lang zusätzlich zur Verfügung stellen und die Grundschulkinder betreuen.

Förster, Imker, Stadtdetektive

Das Angebot sei nicht einfach eine Betreuung, bei der Kinder in die Schule kämen und sich selbst beschäftigten, sagt Lehrerin Katja Pieske: "Es wird immer ein schönes Programm erarbeitet. Zum Beispiel 'Stadtdetektive'. Da lernen die Kinder den Ort noch einmal ganz anders kennen."

Die Schule arbeite mit der Gemeinde und den Menschen Hand in Hand. So käme der örtliche Förster vorbei, um den Kindern den Wald zu erklären, es gebe eine Zusammenarbeit mit einem Imkerverein, und auch einige ältere Menschen im Ort unterstützten die Grundschule mit ihrem Wissen und ehrenamtlichen Engagement.

Eltern freuen sich über Entlastung

Die elf Lehrer im Kollegium unterstützen mit ihrem Angebot 15 Betreuer, die die Kinder grundsätzlich nachmittags an der Grundschule in Niederbiel beaufsichtigen und fördern. Für die Eltern sei das Ferien-Zusatzangebot der Lehrer eine tolle Sache, sagt Schulelternbeirätin Stephanie Kern: "Es ist ja nicht nur die Betreuung, sondern, dass mit viel Herzblut gearbeitet wird."

Die Kinder würden nicht einfach abgestellt, sondern mit ihnen etwas unternommen. So solle der Schulgarten mit Hilfe der Kleinen beispielsweise neu angelegt werden. Aber die Kinder hätten auch die Möglichkeit, noch einmal Unterrichtsstoff zu vertiefen, wenn etwas unklar sei. "Das, was während der Corona-Zeit beispielsweise nicht hängen geblieben ist oder nicht so gut verstanden wurde" könne aufgefrischt werden, lobt Elternbeirätin Kern. Bislang wollen laut Schulleiter Hack 20 der insgesamt 100 Kinder am Sommerferien-Betreuungsangebot teilnehmen.

Schule profitiert von Lockdown

Für den Rektor hat die Corona-Krise durchaus auch einen positiven Nebeneffekt mit sich gebracht. So schmerzhaft es für die Kinder gewesen sei, dass sie während des Lockdowns ihre Freunde nicht hätten sehen können, habe die Schule dadurch einen anderen Stellenwert. Sie werde als soziale Begegnungsstätte und nicht als bloße "Wissenswerkstatt" wahrgenommen, so Hack.

Jetzt merkten viele, dass es einen Bezug gebe, nicht nur zwischen den Kindern, sondern auch zwischen Lehrern und Schülern, meint der Schulleiter: "Diese soziale Begegnungsstätte, das ist sehr deutlich geworden, ist unheimlich wichtig für den späteren Lernerfolg."

Sendung: hr-iNFO, 3.7.2020, 8.00 Uhr