Limburgs Bischof Georg Bätzing
Limburgs Bischof Georg Bätzing Bild © picture-alliance/dpa

Ist der Zölibat noch zeitgemäß? Für den Limburger Bischof Bätzing ist diese Frage zumindest eine Diskussion wert. Priester sollten selbst wählen dürfen, ob sie heiraten wollen oder nicht.

Der Limburger Bischof Georg Bätzing plädiert für einen differenzierten Umgang mit dem Streitthema Zölibat. "Es schadet der Kirche nicht, wenn Priester frei sind zu wählen, ob sie die Ehe leben wollen, oder ob sie ehelos leben wollen", sagt er im Gespräch mit hr-iNFO am Mittwoch. "Die Ehelosigkeit ist mit dem Priesteramt nicht wesentlich verbunden. Und wenn sie mehr und mehr zum Hindernis wird, dann müssen wir das überdenken", so Bätzing.

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Das komplette Gespräch mit Bischof Bätzing hören Sie am Mittwoch ab 19.35 Uhr bei hr-iNFO.

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Allerdings sei ihm persönlich der Zölibat nach wie vor "viel wert, so hat Jesus gelebt. Als Priester will ich nicht nur Funktionär sein, sondern auch in seinen Fußstapfen gehen." Er wisse aber, so Bätzing, dass "in der Öffentlichkeit ein anderer Blick darauf" herrsche. "Das heißt für mich als Bischof, auch darüber nachzudenken."

Eine Möglichkeit sei eine vom Papst autorisierte, nationale Lösung für eine Freigabe des Zölibats: "Diese Option muss uns gegeben werden, die können wir uns nicht nehmen. Der Papst muss uns rechtlich diese Möglichkeit geben."

Bätzing verspricht Aufarbeitung des Missbrauchsskandals

Zur Diskussion um die frühere Vertuschung und mangelnde Aufarbeitung von sexuellen Missbrauchsfällen im Bistum Limburg sagte Bätzing: "Wir brauchen einen unabhängigen Blick darauf. Gab es hier Fehlverhalten von Verantwortlichen? Das muss erhoben werden, das muss transparent gemacht werden, und wir werden es öffentlich machen."

Mit dem früheren Limburger Bischof Franz Kamphaus sei er dazu intensiv im Gespräch. "Bischof Franz verfolgt die Situation gerade nach Bekanntwerden der Missbrauchsstudie sehr genau. Im Grund sagt er jetzt schon: 'Aus der Perspektive von heute muss man sagen, wir haben Fehler gemacht. Und wir würden Situationen anders einschätzen.' Das berührt ihn sehr."

Fuldaer Priester legt Amt nieder

Der Frankfurter Stadtdekan Johannes zu Eltz hatte im vergangenen Herbst auch schon ein Umdenken im Zusammenhang mit dem Zölibat gefordert. "Wenn viele Leute so leben müssen, wie sie es eigentlich nicht wollen, fördert das Verkrampfung und Schweigespiralen", sagte zu Eltz im Interview mit hessenschau.de. Der Zölibat sei unzeitgemäß, sei aber für ihn kein "Missbrauchstreiber".

Auch der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf sprach sich für eine offene Diskussion darüber aus, ob der Zölibat noch sinnvoll und zeitgemäß ist.

Im vergangenen Jahr hatte der Fuldaer Pfarrer Jan Kremer sein Amt niedergelegt, weil er mit einer Frau zusammenleben wollte. "Diese Lebensform (der Ehelosigkeit, d. Red.), die für mich auch immer Einsamkeit bedeutet hat, kann ich nicht mehr länger für mich durchhalten", begründete Kremer seinen Schritt.

Sendung: hr-iNFO, 20.2.2019, 19.35 Uhr