Schüler mit Masken vor einem Hinweisschild zur Maskenpflicht

Zwei Wochen nach Schulbeginn hat Kultusminister Lorz ein positives Fazit gezogen. Zudem kündigte er einen Stufenplan für Schulen bei steigender Infektionslage an. Die Oppositon sprach von einem Lorz'schen Paralleluniversum.

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Der Präsenzunterricht an den Schulen in Hessen funktioniert nach den Worten des Kultusministers Alexander Lorz (CDU) auch unter Coronabedingungen. "Nach zwei Wochen Unterricht können wir sagen, dass sich Schulen bislang nicht als Hotspots erwiesen haben", sagte der Minister am Freitag.

Sechs Schulen kurzzeitig geschlossen

Seit Beginn des Schuljahrs seien sechs der insgesamt 1.795 Schulen (rund 0,3 Prozent) in Hessen für einen oder mehrere Tage geschlossen worden, weil ein Verdacht oder eine Infektion vorlag, teilte der Minister mit.

Er nehme die Sorgen wegen der aktuellen Entwicklung der Corona-Infektionszahlen aber sehr ernst, versicherte Lorz. Solange Infektionen von außen in die Schulen hineingetragen würden, könne das Risiko allerdings trotz noch so guter schulischer Hygienekonzepte nicht auf null reduzieren werden.

Corona-Testangebot für alle Schul-Beschäftigten

Positiv vermerkte der Minister, dass sich nur drei Prozent der Lehrer vom Präsenzunterricht freistellen ließen. Zum Ende des vergangenen Schuljahrs seien es noch mehr als zehn Prozent gewesen. Mindestens bis zu den Herbstferien könnten sich nicht nur die Lehrkräfte sondern nun alle Mitarbeiter an Schulen, die keine Symptome zeigen, alle 14 Tage einem kostenlosen Corona-Test unterziehen.

Bisher hätten von dem Angebot laut Minister rund 10.500 Personen Gebrauch gemacht. Dabei habe es lediglich zwei positive Test gegeben.

Lorz gegen landesweite Maskenpflicht

In der Frage der Maskenpflicht im Unterricht haben sich laut Lorz die regional unterschiedlichen Regelungen bewährt. Eine landesweite Pflicht sei "unverhältnismäßig und wenig zielführend" für Regionen, in denen das Infektionsrisiko sehr gering sei. Daher sei das regional abgestimmte Vorgehen derzeit einer landesweiten Anordnung vorzuziehen - zumal das Maskentragen über einen längeren Zeitraum gerade für jüngere Schüler sehr belastend werden könne.

Wegen zuletzt wieder steigender Infektionszahlen haben Frankfurt, Offenbach und die Kreise Groß-Gerau und Main-Kinzig eine Maskenpflicht im Unterricht an weiterführenden Schulen erlassen. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft in Hessen (GEW) sieht diese Maßnahme sehr kritisch. Es gebe zahlreiche Rückmeldungen aus Schulen, dass der Unterricht dadurch erheblich behindert werde.

Vier-Stufen-Plan bei steigenden Zahlen

Gemeinsam mit seinen Kollegen aus den anderen Bundesländern wird Lorz am Freitag ein 4-Stufen-Modell zur Schulorganisation in Abhängigkeit von der jeweiligen Infektionslage abstimmen: Stufe Eins sieht nach Mitteilung des Ministeriums den an die Pandemiesituation angepassten Regelbetrieb vor. In Stufe Zwei gilt zusätzlich eine Lerngruppenkonstanz oder das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung im Unterricht. Stufe Drei ist durch den Wechsel von Präsenz- und Distanzunterricht und Stufe Vier durch die vollständige Umstellung auf Distanzunterricht charakterisiert.

Der Minister betonte, dass das regionale Überschreiten eines bestimmten Schwellenwerts nicht automatisch eine Verschärfung der Maßnahmen auslöse. "Wir setzen auf Flexibilität statt auf starre Grenzwerte", so Lorz. So stünden nun Schulen Expertenteams der Schulämter zur Verfügung, die bei Infektionsfällen die Schulleitungen dabei unterstützen, den Schulalltag unter Pandemie-Bedingungen zu organisieren. Schulschließungen blieben das letzte Mittel, so der Minister.

SPD: Lorz lebt in "Paralleluniversum"

Als Reaktion auf die Äußerungen des Kultusministers sprach die SPD von einem fernen Paralleluniversum, in dem der Minister lebe, wo alles zum Besten stehe. "Leider hat das Lorz'sche Paralleluniversum keine Berührungspunkte mit der Wirklichkeit, wie sie sich an den hessischen Schulen zeigt", sagte der bildungspolitische Sprecher der Landtagsfraktion, Christoph Degen.

So hätten bislang zwar "nur" sechs Schulen wieder ganz schließen müssen, aber mehrere Dutzende Klassen seien wegen Corona-Fällen in Quarantäne geschickt worden, so Degen. "Die betroffenen Schüler werden während ihrer Isolation überhaupt nicht mehr unterrichtet, weil es weder ein Konzept noch die technische Ausstattung für die Kombination von virtuellem Unterricht und Präsenzstunden an unseren Schulen gibt," führte Degen aus: "Das Desinteresse des Ministers am digitalen Lernen und Lehren ist geradezu erschütternd."

Forderung nach Lösung für überfüllte Schulbusse

Die Schulexperten von Linken und FDP, Elisabeth Kula und Moritz Promny, kritisierten, die Beförderung der Schüler in völlig überfüllten Bussen und die daraus resultierenden Gefahren einer Ansteckung. Schnelle Lösungen müssten her, seien es versetzte Schulzeiten oder auch angemietete Busse privater Reiseunternehmen.

Der Vorstandsvorsitzende des Landeselternbeirats Hessen, Korhan Ekinci, hatte sich zuvor ebenfalls angesichts der weiteren Ausbreitung des Coronavirus besorgt wegen überfüllter Busse und Bahnen auf den Schulwegen in vielen Regionen gezeigt. Es könne nicht sein, dass für die Schulen sorgsam Hygienepläne mit Maskenpflicht ausgearbeitet würden und die Schüler auf dem Weg zur und von der Schule eng gedrängt in Bussen und auch manchen Zügen stehen oder sitzen müssten.

Sendung; hr-fernsehen, hessenschau, 28.08.2020, 19.30 Uhr

Ihre Kommentare Wie lief Ihrer Ansicht nach der Schulstart unter Corona-Bedingungen?

61 Kommentare

  • In der Grundschule z.b stellen sich die Kinder nur klassenweiße auf ,aber in den pausen wird wild durcheinander gerannt.
    In der weiterführenden Schule sitzen sie in voller klassenstärke aber als der Fotograf nun da war durfte kein Klassenfoto gemacht werden, da der Abstand nicht eingehalten werden kann. Das ist so ein Widerspruch in sich selbst.
    Kapiert endlich ,das die Kleingruppen besser sind und ein Großteil diese sich auch wünscht.

  • Die WHO hat am Freitag ein Empfehlensschreiben herausgegeben zu Schulen. Darin steht, dass Abstand zu halten ist, kleinere Gruppen zu bilden sind und ab 12 Jahren Masken zu tragen sind. Sollte Herr Lorz mal lesen.

  • Nicht gut

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