Rund 500 Menschen sind in Gießen zu einer Mahnwache für den ermordeten Regierungspräsidenten Walter Lübcke gekommen. Die Redner forderten mehr Widerstand gegen rechtsextreme Gewalt. Unterdessen wurde ein weiterer Bedrohungsfall bekannt.

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Rund 500 Menschen kamen zu einer Mahnwache in Gießen.
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Gut 500 Menschen haben sich am Samstagvormittag in der Innenstadt von Gießen versammelt, um des ermordeten Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke zu gedenken.

Lübcke sei kaltblütig hingerichtet worden, weil er sich für die Aufnahme von Geflüchteten einsetzte, sagte Pfarrer Klaus Weißgerber. Die Umstände dieser Tat machten fassungslos. "Und wenn der Verfassungsschutz einen neuen Höchststand an Rechtsextremisten vermeldet, dann kann das nur beunruhigen."

Gesicht zeigen gegen Rechts

Neben der Evangelischen Kirche hatten rund 20 weitere Organisationen zu der Mahnwache aufgerufen. Zu den Rednern gehörten auch der aus Gießen stammende Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU), der Gießener Regierungspräsident Christoph Ulrich (CDU) und der SPD-Landtagsabgeordnete Frank-Tilo Becher.

Die Redner riefen dazu auf, Gesicht zu zeigen. Wenn Menschen missachtet, ausgeschlossen und verfolgt würden, dürfe sich die Gesellschaft nicht wegducken. Gleichzeitig müssten Politik und Behörden rechtsextreme Gewalt ernst nehmen und konsequent dagegen vorgehen. Am Donnerstag hatten in Kassel bereits rund 10.000 Menschen des Ermordeten gedacht.

Waffen-Drohung gegen Sachsens SPD-Chef

Am Samstag ist bekannt geworden, dass auch Sachsens SPD-Chef Martin Dulig bedroht wurde. An seine Privatadresse sei von Unbekannten ein Paket mit einem Soft-Air-Nachbau eines Sturmgewehrs geschickt worden, erklärte Dulig am Samstag. Die Polizei ermittelt. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) nannte die Bedrohung von Dulig "eine Riesensauerei". "Dem treten wir entgegen, das darf es nicht geben", sagte Kretschmer und erinnerte an den getöteten Walter Lübcke: "Wir haben gerade einen Fall in Kassel erlebt."

Walter Lübcke war Anfang Juni auf seiner Terrasse erschossen worden. Sein mutmaßlicher Mörder ist ein Rechtsextremer aus Nordhessen, der die Tat offenbar schon lange geplant hatte. Der 45-Jährige hat die Ermordung mittlerweile gestanden und behauptet, alleine gehandelt zu haben.