Mahnwache Wächtersbach
Hunderte kamen zur Mahnwache gegen Rassismus in Wächtersbach Bild © picture-alliance/dpa

Nach den Schüssen auf einen Eritreer haben am Tatort in Wächtersbach hunderte Menschen bei einer Mahnwache gegen Rassismus protestiert. Zuvor hatten Politik und Ausländerverbände ihr Entsetzen über den mutmaßlich rassistisch motivierten Anschlag bekundet.

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Etwa 400 Menschen fanden sich am Dienstagabend zu einer Mahnwache unter dem Motto "Kein Platz für Rassismus" im Industriegebiet von Wächtersbach (Main-Kinzig) ein. Sie trugen Schilder mit der Aufschrift "Offen für Vielfalt" und "Geschlossen gegen Ausgrenzung". Dazu aufgerufen hatten Bürgermeister Andreas Weiher (SPD), Landrat Thorsten Stolz (SPD) sowie die Kirchen im Stadtgebiet.

An der Stelle war am Vortag ein 26-jähriger Eritreer durch einen Bauchschuss lebensgefährlich verletzt worden. Durch eine Notoperation wurde der Mann gerettet. Der 55 Jahre alte mutmaßliche Schütze richtete sich später selbst.

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Schilder mit Aufschrift "Offen für Vielfalt" und "Geschlossen gegen Ausgrenzung"

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"Neue Qualität von gelebtem Rassismus"

"Hier wurde ein weiteres Mal, sieben Wochen nach dem Mord an Walter Lübcke, aus Gedanken eine Tat, die uns erschüttert", sagte Weiher (SPD). Das Motiv müsse man sehr ernst nehmen. Die Gewalt sei eine "neue Qualität von gelebtem Rassismus". Stolz bezeichnete die Mahnwache als "ein starkes Zeichen für Frieden, Freiheit, Demokratie und auch für Rechtsstaatlichkeit".

Worte der Betroffenheit waren am Dienstagnachmittag aus der Staatskanzlei zu vernehmen. Die Schüsse auf offener Straße erschreckten, erklärte Regierungssprecher Michael Bußer und versprach lückenlose Aufklärung.

Grüne: Verrohung Einhalt gebieten

Auch die Grünen zeigten sich entsetzt. "Wir sind schockiert über die rassistische und menschenverachtende Tat", sagte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen im Landtag, Hildegard Förster-Heldmann. "Dass ein Mensch nur wegen seiner Hautfarbe zum Opfer wird, ist perfide."

Der Verrohung der Gesellschaft müsse mit allen Mitteln Einhalt geboten werden, sagte Förster-Heldmann. Es müsse insbesondere geklärt werden, ob der mutmaßliche Täter Beziehungen zur rechten Szene habe.

Linke sehen Tag mit Symbolgehalt

Gleichlautend äußerte sich die Vorsitzende der Linken-Fraktion, Janine Wissler. "Wenn sich der Verdacht bewahrheitet, dass der mutmaßliche Täter aus rassistischen Motiven heraus handelte, dann wäre dies nach dem Mord an Walter Lübcke der zweite rechtsextreme Mordanschlag in Hessen innerhalb von wenigen Wochen."

Wissler wies auch auf das Datum des Anschlags hin. Der 22. Juli sei der Jahrestag früherer Anschläge in Oslo, Utoya und München und habe in der rechten Szene Symbolgehalt. Jene Täter seien Rechstextremisten gewesen oder hätten sich von solchen inspirieren lassen.

"Unerträgliche Weltanschauung"

Der Vorsitzende des Landesausländerbeirats, Enis Gülegen, sprach von einer "unerträglichen Weltanschaung" und einem Rückfall in lange überwunden geglaubte Zeiten. "Das friedliche Zusammenleben aller Menschen in Deutschland und in Hessen ist in Gefahr", sagte er.

Gülegen machte für den Anschlag unter anderem rechtspoulistische Hetze verantwortlich. "Das Grundübel muss an der Wurzel gepackt werden. Und das ist der Rechtspopulismus." Er forderte ebenfalls lückenlose Aufklärung sowie verstärkte Präventionsbemühungen.

Sendung: hr-iNFO, 23.07.2019, 16 Uhr