Mahnwache in Hanau

Angehörige und Freunde der Opfer des rassistisch motivierten Anschlags in Hanau haben vor dem Haus des Täters protestiert. Sie forderten mehr Schutz durch die Polizei. Ein beschmiertes Gedenk-Graffiti in Frankfurt wurde inzwischen repariert.

Dutzende Menschen demonstrierten am Dienstagnachmittag in Hanau vor dem früheren Wohnort des Attentäters des rassistisch motivierten Anschlags im Februar.

Tobias R. hatte in Hanau neun Menschen mit Migrationshintergrund erschossen, danach seine Mutter und sich selbst. In dem Wohnhaus im Stadtteil Kesselstadt lebt noch immer sein Vater Hans-Gerd R.

Die Redner, unter ihnen Angehörige und Freunde der Getöteten, forderten mehr Schutz durch die Polizei. Sie bezogen sich auf Medienberichte, wonach sich Hans-Gerd R. ebenfalls rassistisch geäußert und Verschwörungstheorien verbreitet hat.

Dauermahnwache in Erwägung gezogen

Redner kritisierten, dass die Behörden die Angehörigen nicht über die Gefahr informiert hätten, die offenkundig vom Vater des Attentäters ausgehe. Sie warfen den Behörden Untätigkeit vor. Es sei schwer zu ertragen, dass gegen den Vater nicht entschieden vorgegangen werde. Hans-Gerd R. gilt in dem Verfahren als Zeuge.

"Wenn sich das nicht ändert, müssen wir von 5 Uhr morgens bis 21 Uhr hier stehen, weil irgendwer dafür sorgen muss, dass sich ein rassistischer Anschlag nicht wiederholt", sagte ein Redner. Man denke über eine Dauermahnwache vor dem Haus nach.

Auch Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) hatte sich im Dezember beunruhigt gezeigt und polizeiliche Konsequenzen gefordert.

Der Sprecher des zuständigen Polizeipräsidiums Südosthessen, Rudi Neu, sagte dem hr am Dienstag, man bewerte für jede Situation die Gefährdungslage. "Wir prüfen alle Fakten, die uns vorliegen und danach bewerten wir, welche Maßnahmen getroffen werden müssen."

Beschmiertes Gedenk-Graffiti schnell repariert

Hans-Gerd R. hatte unter anderem gefordert, dass alle Gedenkstätten, die an die Opfer des Anschlags erinnern, entfernt werden - Gedenktafeln in Hanau und das riesige Graffiti unter der Frankfurter Friedensbrücke. Er sieht darin Volksverhetzung.

Dieses Graffiti war beschmiert worden, wie am Montag bekannt wurde. Aus dem ursprünglichen Schriftzug "Rassismus tötet" machten Unbekannte "Kiffen tötet Gehirn!". Die Polizei ermittelt wegen Sachbeschädigung.

Inzwischen ist das Graffiti repariert, wie das verantwortliche Künstlerkollektiv am Dienstag auf Twitter mitteilte.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 29.12.2020, 16.45 Uhr