Umstrittene Maintaler Bierdeckel mit Fragen zum Islam
Umstrittene Maintaler Bierdeckel mit Fragen zum Islam Bild © hr

Bei Apfelwein oder Bier mehr über den Islam erfahren? Aus Sicht der Integrationsbeauftragten der Stadt Maintal eine gute Idee. Sie lässt in Kneipen und Restaurants Islam-Untersetzer verteilen. Der Ausländerbeirat ist empört.

Videobeitrag

Video

zum Video Islam auf dem Bierdeckel

Ende des Videobeitrags

Wie erfahren nicht-muslimische Maintaler mehr über den Islam? Aus Sicht der Stadt offenbar am besten am Stammtisch bei einem Glas Apfelwein. Neben einem Bild von einem traditionellen Apfelweinkrug und -glas erklärt die Integrationsbeauftragte im Internet den Hintergrund der Aktion, die bei muslimischen Maintalern für Empörung sorgt:

Die Stadt habe Getränkeuntersetzer mit zehn verschiedenen Fragen "uff Hessisch" rund um das Thema Islam bedrucken lassen. Unter anderem:

  • "Wie is des mit dem Koppduch?" (Wie ist das mit dem Kopftuch?)
  • "Wie is des bei de Muslime mittem Wuzzeflaasch?" (Wie ist das bei den Muslimen mit dem Schweinefleisch?)
  • "Derfe die Fußballer im Ramadan garnix esse?" (Dürfen die Fußballer im Ramadan gar nichts essen?)
"Islam uff Hessisch" mit Bembel und Apfelweinglas
"Islam uff Hessisch" mit Bembel und Apfelweinglas Bild © Screenshot: maintal.de

Wer den Untersetzter umdreht und mit einer Smartphone-Kamera den aufgedruckten QR-Code scannt, erhält die Antwort auf den Internetseiten der Stadt - ebenfalls in regionaler Mundart. Die Idee stamme vom Verein Orient-Netzwerk. Er wurde vor Jahren von Freiburger Studierenden gegründet, mit dem Ziel der Förderung der Völkerverständigung und Bildung.

Ausländerbeirat: "Unsere Meinung nicht gefragt"

1.700 Euro hat sich die Stadt die Aktion kosten lassen, wie der Hanauer Anzeiger berichtete. 5.000 Getränke-Untersetzer wurden mit dem Geld produziert. "Das Geld ist zu schade dafür", sagt der Vorsitzende des Ausländerbeirats, der türkischstämmige Salih Tasdirek. Die Aktion sei sicher gut gemeint, aber sie diene nicht der Sache.

Das Problem: Sie bringe Islam mit Alkohol zusammen. Auf den Untersetzern sind Apfelweinkrug und -glas abgebildet. Muslimische Bürger hätten sich deshalb beim Ausländerbeirat beschwert. Strenggläubige Muslime trinken keinen Alkohol.

Tasdirek ärgert sich zudem darüber, dass der Ausländerbeirat nicht vorab über die Getränkeuntersetzer-Aktion informiert worden sei. "Unsere Meinung war hier nicht gefragt", sagt er. Er fordert die Stadt auf, die noch nicht verteilten Untersetzer zu vernichten und die Aktion einzustellen.

Geringe Resonanz bei Gästen

Die Resonanz ist ohnehin gering, wie der Hanauer Anzeiger berichtete. Gastronomin Ute Hübsch von der Gaststätte "Zum Neuen Bau" in Maintal-Hochstadt bestätigte dem hr, dass die Untersetzer bei ihren Gästen floppten. "Wenn wenigstens die Antworten hinten drauf gestanden hätten", sagt sie und resümiert: "Die Gäste haben nicht verstanden, wie es funktioniert." Die verbliebenen der rund 50 Untersetzer, die sie erhalten hat, verteilt sie in ihrem Restaurant nicht mehr.

Die Maintaler Integrationtsbeauftragte, Verena Strub, verteidigt die Aktion auf hr-Anfrage. Sie wolle über den Islam informieren und aufklären, sagt sie. "In einer relativ neutralen Form, auf einer humorvollen Ebene." Die Kritik des Ausländerbeirates könne sie nicht nachvollziehen. "Hier wird nicht Alkohol mit dem Islam in Verbindung gebracht." Es handele sich um Getränkeuntersetzer, auf die man alles Mögliche stellen könne.

Der Apfelweinkrug auf den Untersetzern stehe nicht für den Alkohol, sondern sei wie das ebenfalls abgebildete Schützenhäuschen, eine Kirche und ein Apfelbaum ein Symbol für die Region.

"Nur net zu doll treiwe"

Eine Antwort darauf, wie es Muslime mit dem Alkohol halten, gibt die Stadt auf ihren Bierdeckeln übrigens auch:

"Also, es gibt Muslime, die sinn sisch aanisch, dass Moslems kein Algohol trinke sollte, es gibt awwer aach die, die saache: Na, so is des net gemaant! Mer soll’s halt nur net zu doll treiwe. Deshalb pichele se schon gernemol e Gläsje Äppelwoi, während annern liewer die Finger devoolasse."

Man soll's halt nur nicht zu doll treiben, wie es übersetzt heißt.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 15.05.2019, 19.30 Uhr