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Marburg-Michelbach: Untersuchung des Krebsregisters ohne Ergebnis

In einem Marburger Neubaugebiet sind in den vergangenen Jahren seltene Blutkrebs-Formen überdurchschnittlich häufig aufgetreten, auch bei jungen Menschen. Alles Zufall, meint das Hessische Krebsregister. Aber nun wird der Landkreis doch aktiv.

Michelbach-Nord ist Marburgs größtes Neubaugebiet: ländlich gelegen, ein Einfamilienhaus mit Garten grenzt ans andere. Vor allem junge Familien leben hier. Im März wurde bekannt, dass von den weniger als tausend Einwohnern des Neubaugebiets auffällig viele an sehr seltenen Formen von Blut- und Immunzellenkrebs erkrankt sind - und das zum Teil sogar unterdurchschnittlich jung.

Aus den vergangenen zwölf Jahren sind bisher acht Fälle bekannt. Dass das statistisch auffällig ist, bestätigte inzwischen auch das Hessische Krebsregister: Die Zahl sei etwa vier Mal höher als normal. Seitdem läuft in Michelbach die Ursachensuche - bisher ergebnislos. Nun kündigte der Kreis an: Man wolle doch vereinzelte Bodenproben durchführen. Als die Häufung im Frühling bekannt worden war, hatte der Kreis noch keine geplant.

Könnten es Umweltauslöser sein?

Verschiedene Umweltauslöser wurden inzwischen ausgeschlossen, etwa radioaktive Strahlung durch Gestein oder krebserregende Stoffe im Trinkwasser. In Michelbach wird zwar seit Jahren über auffällig hohe Nitratwerte im Trinkwasser diskutiert und die gemeinsame Fraktion von CDU und FDP im Marburger Stadtparlament fordert derzeit eine unabhängige Untersuchung des Wassers. Einen Zusammenhang mit den Krebsfällen könne man derzeit aber nicht herstellen, dies wäre reine Spekulation, so eine CDU-Sprecherin.

Offen war bisher noch, ob es in Michelbach überhaupt konkrete Bodenproben und Laboruntersuchung geben soll. Denn das sei aufwendig und teuer, so der Landkreis. Im Altlastenverzeichnis seien zudem keine Auffälligkeiten in Michelbach-Nord verzeichnet. Auch eine Kontamination mit pharmazeutischen Stoffen durch einen großen Pharma-Park, der rund zwei Kilometer Luftlinie entfernt liegt, hält der Kreis für äußerst unwahrscheinlich. Der Betreiber hatte dies bereits im März gegenüber dem hr ausgeschlossen.

Krebsregister geht von Zufallshäufung aus

Bevor der Landkreis also ohne genauere Anhaltspunkte Bodenproben in Auftrag gab, wollte er gemeinsam mit dem Hessischen Krebsregister eine genauere Befragung der einzelnen Betroffenen durchführen und ihre Krankheitsgeschichten auf Parallelen oder Risikofaktoren überprüfen.

Wie das Krebsregister nun auf hr-Anfrage mitteilte, ist diese Untersuchung inzwischen abgeschlossen - allerdings ergebnislos. Soo-Zin Kim-Wanner vom Krebsregister erklärte: Das Hauptproblem sei der geringe Rücklauf gewesen. Nur zwei Betroffene hätten die Fragebögen zurückgeschickt, die Befragung sei deshalb nicht aussagekräftig genug gewesen.

"Es ist aus unserer Sicht sehr wahrscheinlich, dass es sich um eine Zufallshäufung handelt", so Kim-Wanner. Da es sich um einen relativ kurzen Zeitraum und eine insgesamt recht geringe Zahl von Erkrankten handle, sei statistisch davon auszugehen, dass sich die Fallzahlen in Michelbach im Laufe der Zeit wieder auf ein Durchschnittsniveau einpendeln werden. Genauer könne sich das aber natürlich erst auf lange Sicht zeigen.

Landkreis will einzelne Bodenproben nehmen

Für den Landkreis Marburg-Biedenkopf und das Gesundheitsamt könnte an dieser Stelle eigentlich Schluss sein mit der Ursachensuche, erklärt Landkreissprecher Stephan Schienbein. Jedoch habe man sich entschieden, den Fall trotzdem noch nicht zu den Akten zu legen.

Man wolle nun zumindest vereinzelte Bodenproben nehmen, auf den Grundstücken der Betroffenen, die sich bei der Befragung zurückgemeldet haben. Dafür gebe es allerdings nur eine sehr "vage" Veranlassung, meint Schienbein. Mitte November hoffe man auf die Ergebnisse.

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