Das Schiff "Sea-Watch 3" vor der libyschen Küste.
Das Schiff "Sea-Watch 3" vor der libyschen Küste. Bild © picture alliance/Chris Grodotzki / Jib Collective/ Sea-Watch.org/dpa

Kurz vor Weihnachten rettete das deutsche Hilfsschiff "Sea-Watch 3" mehr als 30 Flüchtlinge im Mittelmeer vor dem Ertrinken. Jetzt bietet die Stadt Marburg an, die Menschen aufzunehmen - und appelliert an Bundesinnenminister Horst Seehofer.

Die Stadt Marburg erklärte sich bereit, Boots-Flüchtlinge aus dem Mittelmeer aufzunehmen. Konkret handelt es sich um 32 Männer, Frauen und Kinder, die das deutsche Hilfsschiff "Sea-Watch 3" kurz vor Weihnachten vor Libyen gerettet hat.

Marburg habe sich als sicherer Hafen angeboten, teilte Oberbürgermeister Thomas Spies (SPD) am Donnerstag mit.

Die "Sea-Watch 3" ist zurzeit noch auf hoher See. Der Inselstaat Malta hatte dem Schiff am Mittwoch erlaubt, in seine Gewässer einzufahren. Einen sicheren Hafen zum Einlaufen habe man bisher aber nicht, teilte die Besatzung auf Twitter mit.

Der 13. Tag mit unseren Gästen an Bord #SeaWatch3 beginnt nur wenige Meilen von den Ufern von #Malta entfernt (wo wir Schutz vor dem Sturm suchen durften), während die EU-Minister*innen weiterhin über 32 Menschen verhandeln. Wir mögen elend aussehen, aber sie sind erbärmlich.

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Appell an Bundesinnenminister Horst Seehofer

Thomas Spies, Oberbürgermeister Marburg
Marburger OB Spies (SPD) Bild © Anna Spiess

Um Druck auf die Bundesregierung zu machen, schrieb Spies einen Brief an Innenminister Horst Seehofer (CSU). Darin bittet er Seehofer, die Aufnahme der Geretteten in Deutschland zu ermöglichen und sie der Stadt Marburg zuzuweisen. "Nach unserer Überzeugung und dem geltenden Recht müssen Menschen, die in Seenot geraten, gerettet werden - egal, aus welchen Gründen sie auf dem Meer sind."

Außerdem handle es sich um eine verschwindend geringe Zahl: "Und solange ein Teil unseres Wohlstands an Armut und Unterdrückung in anderen Ländern hängt, solange ist das Schicksal von Menschen in Not auch unsere Verantwortung." Nach Angaben der Stadt sind der zuständige Fachdienst und ehrenamtliche Helfer bereit, sich um die Flüchtlinge zu kümmern.

Auch Wiesbaden will Bootsflüchtlinge aufnehmen, Frankfurt nicht

Auch die hessische Landeshauptstadt Wiesbaden erklärte sich grundsätzlich bereit, in Zukunft aus Seenot gerettete Flüchtlinge aufzunehmen. Die Stadtverordnetenversammlung hatte Mitte Dezember einen entsprechenden Beschluss gefasst. Auf Anfrage von hessenschau.de hieß es, dass man aber noch an der Umsetzung arbeite und sich möglicherweise an künftigen Aktionen beteilige.

Die Stadt Frankfurt hatte es abgelehnt, Flüchtlinge aus dem Mittelmeer aufzunehmen. Im November war ein Antrag dazu gescheitert. Als Grund wurde die extrem angespannte Wohnungssituation genannt.

Sendung: hr-iNFO, 03.01.2019, 14.00 Uhr