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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Ältester Bartclub Deutschlands in Marburg

Eine Fotocollage von sechs Männern mit unterschiedlichen Bärten

Von neumodischen Barbershops halten sie wenig: Seit 40 Jahren treffen sich in Marburg die Mitglieder des ältesten Bartclubs Deutschlands. In Sachen Styling stecken die Hipster der ersten Stunde ihre Nachfolger locker in die Tasche.

Es ist das Jahr 1980, der Neujahrsmorgen: Aus einer Bierlaune heraus beschließen sieben Männer im Marburger Außenstadtteil Hermershausen die Gründung eines Bartclubs. "Wir sind ausgelacht worden, so einen Blödsinn zu machen", erzählt Gründungsmitglied Dieter Theis. Ein halbes Jahr habe man dem Bartclub damals gegeben. "Das halbe Jahr sind jetzt 40 Jahre", verkündet Theis stolz.

Dem 78-Jährige ist seine Leidenschaft zur Gesichtsbehaarung schon von weitem anzusehen: Sein rauschender, schneeweißer Vollbart reicht ihm fast bis zur Brust. "Die Kinder sagen sogar im Sommer: Guck mal, da kommt der Weihnachtsmann", sagt Theis.

Vollbart Verdi, Garibaldi Natural oder Musketier-Bart

Der Bartclub ist einer von zehn bundesweit, die im Verband Deutscher Bartclubs organisiert sind. "Von denen sind wir der älteste", so Theis. Beim Frühschoppen im Bürgerhaus tauschen sich die Männer aus, über Gott und die Welt – und natürlich über ihre Bärte. Die sind mal sorgsam gezwirbelt und in Form rasiert, mal lang und wild –  oder "natural", wie es hier heißt. Denn jeder Bart hat einen wohlklingenden Namen. Die Vollbärte heißen etwa Verdi, Garibaldi oder Freistil.

Der 53-jährige Michael Wilhelm ist das jüngste Mitglied. Er sei vor drei Jahren eingetreten, vor allem wegen der Leute und der guten Stimmung, sagt er. Schnurrbart habe er schon immer getragen, aber nun präsentiert er stolz seinen Musketier-Bart: Eine Kombination aus Schnurrbart und spitzem Kinnbart. "Meine Frau mag das übrigens auch", sagt der begeisterte Bartträger lachend.

Bis zu vier Stunden Styling

Doch bei allem Spaß - die Clubmitglieder nehmen ihr Hobby durchaus ernst. Mit Dieter Theis sitzt unter ihnen sogar ein prämierter Bart-Weltmeister. Der Club ist in den letzten Jahren mehrfach zu internationalen Bartwettkämpfen gereist, einmal sogar in die USA. "1997 im norwegischen Trondheim habe ich den ersten Platz belegt", erzählt Theis. Damals trug er einen gezwirbelten Vollbart Verdi: "Das ist oben kurz, unten rund", erklärt er.

Um ihre Gesichtsbehaarung zu stylen und in Wettkampf-Form zu bringen, brauchen die Bart-Enthusiasten Hilfsmittel wie Lockenwickler, Haarspray und natürlich Bartwichse. Und viel Zeit, betont Theis: "Das kann bis zu vier Stunden dauern." Aufgrund ihres Alters nehmen die meisten inzwischen aber an keinen Wettkämpfen mehr teil.

Von Barbershops, wie sie seit einiger Zeit überall eröffnet werden, halten die Club-Mitglieder übrigens wenig. "Die können nur schneiden, aber nicht stylen", so der Tenor. Trotz ihres zum Teil fortgeschrittenen Alters schneiden die meisten hier ihre Bärte eigenhändig - und wollen sie bis an ihr Lebensende behalten. Dieter Theis sagt: "Das ist ja mein Ausweis!"