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Die Mosaikschule Marburg zählt zu den 20 besten Schulen Deutschlands, als einzige aus Hessen. Die Förderschule setzt auf ein starkes Miteinander - und auf Digitalisierung. Jetzt darf sie auf 100.000 Euro hoffen.

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Einen Preis hat die Mosaikschule in Marburg schon sicher: den für den zotteligsten Schulhund. Offiziell verkündet vom Account des "Deutschen Schulpreises" auf Instagram. Und auch sonst, sagt Pia Lannert von der Robert-Bosch-Stiftung, sei die Einrichtung "auf jeden Fall eine Gewinnerschule". Ganz unabhängig davon, was Mitte März passiert.

Dann will die Stiftung bekanntgeben, wer für den von ihr vergebenen Schulpreis nominiert ist und zur Preisverleihung nach Berlin fahren darf, wo Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Anfang Juni die mit 100.000 Euro dotierte Auszeichnung überreicht. Die fünf Zweitplatzierten erhalten jeweils 25.000 Euro. Jetzt schon ist klar, dass die Mosaikschule am Entwicklungsprogramm der Stiftung teilnehmen wird, denn sie ist dieses Jahr unter den deutschen Top 20 gelandet - als einzige hessische Schule.

Die Kriterien sind für alle gleich

Unter den bisher 72 ausgezeichneten Schulen in der 13-jährigen Geschichte des Preises sind bislang nur drei Förderschulen. Unter den 80 Mosaik-Schülern sind Kinder, die aus einer Psychiatrie kommen, aber auch Schüler mit einer sogenannten umfassenden Behinderung, die also körperlich und geistig Unterstützungsbedarf haben. Getragen wird die Schule, die derzeit zehn Klassen beherbergt, von der Stadt.

"Dass eine Förderschule ausgewählt worden ist, hat uns schon sehr erstaunt", sagt Schulleiterin Christina Czech. Denn die Kriterien beim Schulpreis sind für alle gleich, ob für Grundschule, Gymnasium oder Berufsschule. Die Schulpreis-Jury reist durch ganz Deutschland und sogar nach Bolivien und bewertet alle Einrichtungen in sechs Kategorien. Vergangene Woche war sie zu Gast in Marburg, hat mit Lehrern, Schülern, Eltern und Kooperationspartnern gesprochen und Unterrichtsstunden besucht.

"Eltern sind froh, dass ihre Kinder auf dieser Schule sind"

Die Eindrücke seien positiv, sagen die Jury-Mitglieder nach den anderthalb Tagen Besichtigung. "Die Eltern sind froh, dass ihre Kinder auf dieser Schule sind", berichten sie, und: "Wir sind hier auf ein Kollegium gestoßen, das sehr eng miteinander kooperiert, Wissen miteinander teilt und sich als System kontinuierlich weiterentwickelt."

Begabte Kinder zu einem guten Abschluss zu führen sei eine schöne Aufgabe, sagt eine Frau aus der Jury, aber es sei nicht die schwierigste für Lehrkräfte. Zunächst einmal müsse man herausfinden, was ein Kind leisten könne. Mehr noch als in anderen Schulen müsse man jedes Kind individuell betrachten und "Lebenschancen anbahnen", meint ein anderer Juror.

Die ganze Schule ist digitalisiert

Zu den Weiterentwicklungen gehört zum Beispiel, dass inzwischen alle Klassenräume digitalisiert sein. Das beginnt bei digitalen Tafeln, sogenannten Boards, und reicht bis zu Tablets für die Schüler. So will die Schule "anschlussfähig zum Unterricht an anderen Schulen" sein, berichtet Schulleiterin Czech. Das sei gerade auch für Schüler, die nicht sprechen können, eine Erleichterung - sie kommunizierten nun mit ihren Tablets. Und zum anderen könnten Schüler ihre Arbeiten leicht miteinander vergleichen.

Andere Dinge sind dann wiederum einzigartig an der Mosaikschule, zum Beispiel die vielen außerschulischen Lernorte in der Kletterhalle oder im Reitstall, oder auch die enge Zusammenarbeit mit anderen Schulen und Initiativen in Marburg.

Die Schüler waren aufgeregt - und stolz

Und dann ist da natürlich noch Schulhund Joscha, der wirklich sehr zottelig ist. Sollte nicht nur er, sondern die ganze Schule eine Auszeichnung von der Jury bekommen, wäre das laut Schulleiterin Czech "eine unglaubliche Anerkennung unserer pädagogischen Arbeit". Allein schon unter den besten 20 in Deutschland zu sein, "ist ein tolles Gefühl. Das macht auch was mit den Eltern von behinderten Kindern."

Die Schüler hätten ohnehin "eine große Freude" am Besuch der Jury gehabt, berichtet Czech. "Die waren ganz stolz und aufgeregt und wollten alles zeigen." Letztlich zeige die Nominierung ja, dass die Mosaikschule als Förderschule gleichwertig mit allen anderen Schulen sei. "Und das finde ich richtig inklusiv."