Skigondeln in der Marburger Richtsberg Gesamtschule

Eine Schule, die aussieht wie eine Ski-Lift-Station: An der Gesamtschule Richtsberg in Marburg können sich die Schüler jetzt in Gondeln setzen, die bis vor Kurzem noch Alpinsportler in Österreich befördert haben. Klingt verrückt, hat aber einen einfachen Grund.

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"Ich dachte, unser Schulleiter ist verrückt geworden." Das war der erste Gedanke des 15-jährigen Marlon aus der Klasse 9b, als er die vier ausrangierten Ski-Gondeln auf dem Schulgelände entdeckte. Bis vor Kurzem gehörten die Kabinen noch zur Kreischbergbahn im österreichischen Murau, jetzt stehen sie auf dem Flur der Richtsberg-Gesamtschule in Marburg.

Schuldirektor René Norwig würde sich allerdings nicht als verrückt bezeichnen, sondern eher als Sparfuchs. Die ausrangierten Gondeln hat er im Internet gekauft. Er war auf der Suche nach Gruppenarbeitsräumen für seine Schülerinnen und Schüler. Denn die Richtsberg Gesamtschule hat ein offenes Lernkonzept, das heißt: Die Kinder werden nicht einfach nur frontal unterrichtet, sondern können sich zu zweit oder in Kleingruppen mit ihren iPads zurückziehen und selbstständig Inhalte erarbeiten. Es braucht also Platz und Ruhe.

Gondeln waren die günstigste Option

In die Gondeln sollen sich die Kinder zurückziehen können, um ihre Aufgaben konzentriert zu erledigen. "Wir haben eine Innenraumlösung gesucht, für Tonaufnahmen oder auch Stillarbeiten", erzählt Direktor Norwig. "Die Gondel ist von allen Seiten verschlossen, hat einen Schallschutz und zwei stabile Bänke."

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Charlotte, Felix, Shehab, Marlon und Selina aus der 9B
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Jede der vier Gondeln bietet Platz für sechs Kinder. Und ist mit 2.500 Euro pro Stück laut Norwig deutlich günstiger als andere Lösungen, zum Beispiel ein Umbau der Räume. "Als Kulturschule wollten wir außerdem etwas Kreatives haben."

Schülern wollen die Gondeln umgestalten

Im Unterrichtseinsatz sind die Gondeln bislang noch nicht, erst sollen die Schüler sie umgestalten. Die haben auch schon einige Ideen. Shehab aus der 9b wünscht sich gemütlichere Sitzbänke. Schließlich sind die aktuellen für eine kurze Gondelfahrt in Skiklamotten gemacht und nicht fürs längere Sitzen und Arbeiten.

Klassenkameradin Charlotte wünscht sich Vorhänge für mehr Privatsphäre beim Lernen, Marlon ein paar Fenster, die man auch wirklich öffnen kann. Denn nach ein paar Minuten wird es drinnen ganz schön stickig, besonders wenn man wie aktuell in der Corona-Zeit eine Maske tragen muss.

In der letzten Woche vor den Sommerferien wollen die Schülerinnen und Schüler die Gondeln ganz nach ihrem Geschmack umgestalten. Bis dahin kann man sie in ihrer jetzigen Form je nach Präferenz noch ein wenig bewundern - oder den Kopf darüber schütteln. Eines steht jedenfalls fest: Dem Ideenreichtum sind an der Richtsbergschule augenscheinlich keine Grenzen gesetzt.

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