Wasserwerfer bringen sich bei der Demonstration von AfD und dem ausländerfeindlichen Bündnis Pegida in Stellung.
Wasserwerfer bringen sich bei der Demonstration von AfD und dem ausländerfeindlichen Bündnis Pegida in Stellung. Bild © picture-alliance/dpa

Eine Besuchergruppe um den SPD-Bundestagsabgeordneten Sören Bartol ist in Chemnitz nach eigenen Angaben von Rechtsradikalen überfallen worden. Die Marburger berichteten von Schlägen und zerstörten SPD-Fahnen.

"Meine Gruppe aus Marburg wurde gerade auf dem Weg zum Bus von Nazis überfallen", schrieb der SPD-Bundestagsabgeordnete Sören Bartol am späten Samstagabend auf Twitter. Alle SPD-Fahnen seien zerstört worden, einige seiner Begleiter "sogar körperlich angegriffen" worden. Der Abgeordnete aus dem Wahlkreis Marburg-Biedenkopf ergänzte: "Ich bin entsetzt" und "Was für ein Schock".

Ich bin entsetzt. Meine Gruppe aus Marburg wurde gerade auf dem Weg zum Bus von Nazis überfallen. Alle SPD Fahnen zerstört und einige wurden sogar körperlich angegriffen. #chemnitz #spd #marburg

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Bartol hatte gemeinsam mit einer rund 30-köpfigen Gruppe Marburger SPDler an der Kundgebung "Herz statt Hetze"gegen Fremdenfeindlichkeit in Chemnitz teilgenommen. Um sich den Anhängern von AfD, der fremdenfeindlichen Pegida und des rechten Bündnisses "Pro Chemnitz" entgegenzustellen, die am Samstag in der sächsischen Stadt demonstrierten, hatten sie kurzfristig einen Reisebus gemietet, wie Georg Simonsky, Mitarbeiter in Bartols Wahlkreisbüro, hessenschau.de am Sonntag berichtete. Und eigentlich sei alles "relativ ruhig" verlaufen.

Angreifer flüchten unerkannt in Park

Als die Gruppe gegen 20 Uhr - Bartol hatte sich da schon wieder auf den Weg nach Berlin gemacht - zurück zum Bus und auf die Autobahn in Richtung Marburg wollte, sei es zum Angriff gekommen. Rund 20 offenkundig Rechtsradikale hätten die Hessen auf einer Straße abseits des Demonstrationsgeländes abgefangen. "Einige von uns hatten Fahnen von SPD und Jusos", sagte Simonsky. Nicht nur seien diese zerstört worden, auch hätten mehrere Gruppenmitglieder Schläge ins Gesicht und auf den Hinterkopf bekommen. Zudem seien sie von den Angreifern als "Deutschlandverräter" bezeichnet worden. "Das war schon ein bisschen verstörend", sagte Simonsky.

Wie lang der Angriff dauerte, konnte Simonsky am Morgen danach nicht genau sagen. Länger als ein, zwei Minuten seien es aber wohl nicht gewesen, dann sei glücklicherweise eine Polizeistreife vorbeigefahren und habe direkt angehalten. Während die Angreifer in einen angrenzenden Park geflüchtet seien, hätten die hinzugekommenen Beamten Daten aufgenommen, Zeugenaussagen protokolliert und die Marburger dann zum Reisebus begleitet.

Die Chemnitzer Polizei bestätigte am Sonntagmittag, dass im genannten Fall eine Anzeige aufgenommen wurde. Nun werde ermittelt.

Blick auf "Trauermarsch" in Chemnitz
Blick von oben auf den "Trauermarsch" mit tausenden Teilnehmern in Chemnitz. Bild © picture-alliance/dpa

Polizei mit Wasserwerfern und Räumpanzern im Einsatz

An dem so genannten Schweigemarsch des rechtsgerichteten Bündnisses hatten sich laut Polizei rund 8.000 Menschen beteiligt. Die AfD wollte eigenen Angaben zufolge eines 35-Jährigen gedenken, der vor einer Woche in Chemnitz erstochen worden war. Tatverdächtig sind ein Iraker und ein Syrer, die in Untersuchungshaft genommen wurden.

Insgesamt waren nach offiziellen Angaben rund 11.000 Demonstranten im Stadtgebiet unterwegs, rund 3.000 von ihnen bei den Gegenkundgebungen. Mehr als 1.800 Beamte wurden eingesetzt, darunter auch Polizisten aus Hessen.

Es habe keine größeren Zwischenfälle gegeben, berichtete die Chemnitzer Polizei, die mit Pferdestaffeln, Wasserwerfern und Räumpanzern aufgefahren war. Stand Sonntag wurden bei den Protesten 18 Menschen verletzt und mindestens 37 Straftaten registriert. Dabei handelte es sich demnach um Sachbeschädigungen, Körperverletzungen, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen.

Sendung: YOU-FM, 2.9.2018, 9 Uhr