Die Kita "Rabennest" in Hünstetten: Nach wenigen Jahren schon voller Baumängel

Risse, Schimmel, fehlender Brandschutz: Elf Kindergärten des Arbeiter-Samariter-Bundes im Rheingau sind in desolatem Zustand. Der Träger hat das seit Jahren schriftlich - und verschwieg es den betroffenen Kommunen.

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Das Verhältnis zwischen dem Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) und einigen Kommunen im Rheingau-Taunus-Kreis ist schon länger getrübt. Anfang des Jahres erfuhr die Öffentlichkeit durch die Berichterstattung im hr dass der Schaden, den der ASB den Kommunen durch Abrechnungsbetrug bei Kitas verursacht hatte, noch viel höher war, als damals bekannt.

Der ASB zahlte den betroffenen Kommunen den Schaden von 2,2 Millionen Euro inzwischen zurück. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Wiesbaden gegen den ehemaligen Geschäftsführer des ASB Westhessen und fünf weitere ehemalige Mitarbeiter sind dagegen noch nicht abgeschlossen.

Bürgermeister: "Wir wollen aus dem Vertrag mit dem ASB raus"

Nun informierte der ASB die Städte Taunusstein, Eltville, Geisenheim, Hünstetten und Schlangenbad über einen Bauzustandsbericht, den der gemeinnützige Träger bereits 2016 von einem externen Experten hat erstellen lassen. Darin sind bei den in den letzten 15 Jahren in der als ökologisch geltenden Holzständerbauweise gebauten Kitas minutiös Baumängel aufgelistet.

Von Rissen in den Wänden, undichten Stellen in Dächer über Probleme beim Brandschutz bis hin zu Schimmel in Wänden ist darin die Rede. Betroffen sind elf Kitas.

So weist der vor vier Jahren erstellte Bericht für die Kita "Rabennest" in Hünstetten Schäden auf, die sich auf über 260.000 Euro belaufen. Für Bürgermeister Jan Kraus bringt die verzögerte Informationspolitik des ASB das Fass zum Überlaufen. "Erst der Abrechnungsbetrug und dann wurde uns Informationen über Baumängel jahrelang vorenthalten", ärgert sich der parteilose Bürgermeister. "Wir wollen aus dem Vertrag mit dem ASB raus, weil das Vertrauen zum ASB nicht mehr da ist", sagt Kraus. Die Kommune will die Kita in eigener Trägerschaft weiterführen.

2,4 Millionen Euro Schaden an Kita in Wiesbaden

Taunussteins Bürgermeister Sandro Zehner (CDU) beschreibt die Zusammenarbeit mit dem ASB als "Partnerschaft auf Probe". Die späte Information über Baumängel habe das Verhältnis belastet. Bis Mitte Juli will er vom ASB Klarheit über die Baumängel, sonst werde die Stadt selbst Gutachten in Auftrag geben. Im Durchschnitt liegen die Kosten für die Behebung der Schäden pro Kita laut ASB bei 200.000 Euro.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Marode Kitas des ASB bringt Bürgermeister in Rage

Die Kita "Wurzelgarten" in Wiesbaden
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Am gravierendsten waren die Probleme bei der Kita "Wurzelgarten" in Wiesbaden-Naurod. Hier mussten die Kinder und Erzieherinnen bereits 2017 in Container ausweichen, um einer Komplettsanierung Platz zu machen. Durch bauliche Mängel war Wasser aus der Heizung in die Holzkonstruktion gesickert. Die Kosten für die inzwischen abgeschlossene Sanierung lagen mit 2,4 Millionen Euro fast so hoch wie ein Neubau.

Kommunen wollen für Baumängel nicht zahlen

ASB Hessen Geschäftsführer Matz Mattern erklärt, es habe zwar keine rechtliche Verpflichtung gegeben. Aber für "eine frühzeitigere Einbindung der betreffenden Kommunen gebe es sicherlich dennoch gute Argumente". Warum die Holz-Kitas in einem auffällig schlechten Zustand sind, ob es an Planungsfehlern oder einer mangelhaften Bauabnahme liegt, lasse sich heute nicht mehr einfach klären. Vor der Behebung der Baumängel seien Haftungs- und Versicherungsfragen zu klären.

Den gegenüber den Kommunen vorgetragenen Wunsch nach einer finanziellen Beteiligung an den Kosten, kann der ASB aber wohl abhaken. "Wir kommen unseren vertraglichen Verpflichtungen bei den Betriebskosten nach. Aber für die Beseitigung von Baumängeln geben wir keine Steuergelder aus", sagt Bürgermeister Zehner. Darin seien sich alle Bürgermeister einig.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 12.06.2020, 16.45 Uhr