Rechtsextreme marschieren durch Fulda
Rechtsextreme marschieren durch Fulda Bild © Imago Images

Die rechtsextreme Partei "Der III. Weg" ist am Samstag mit Fackeln durch Fulda marschiert. Etwa zehnmal so viele Menschen schlossen sich den Gegendemonstrationen an, die Kirchen ließen ihre Glocken läuten, und es flogen Tomaten.

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hs

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Etwa 130 Personen haben am Samstag in Fulda an einem Fackelmarsch der rechtsextremen Kleinpartei "Der III. Weg" teilgenommen - knapp 1.500 Menschen demonstrierten unter dem Motto "Fulda stellt sich quer" gegen die Neonazis.

Die Polizei war mit rund 1.000 Einsatzkräften vor Ort. Dabei blieb es bis zum Schluss weitgehend friedlich, wie die Polizei am Abend mitteilte. Eine Person wurde festgenommen, weil sie den Hitlergruß gezeigt hatte. Hinzu kommen vier weitere Festnahmen, unter anderem wegen Beleidigung und Mitführen von Pyrotechnik.

Fulda Demo III. Weg
Hunderte Menschen protestierten in Fulda gegen die Veranstaltung der rechtsextremen Partei "Der III. Weg". Bild © Petra Klostermann/hr

Unter dem Titel "Ein Licht für Dresden" wollten die Rechtsextremen an die Bombenopfer des Zweiten Weltkriegs in Dresden erinnern. Die Polizei lenkte den "Gedenkmarsch" vom Bahnhof um die Innenstadt herum zum Platz vor der Stadtpfarrkirche. Einige hatten große Trommeln dabei. Gegen 16.30 Uhr entzündeten sie ihre Fackeln.

Die Gegendemonstranten besetzten wichtige Plätze in der ganzen Stadt und ließen den Rechtsextremen keinen Raum. An den Absperrungen gaben sie ein ohrenbetäubendes Pfeifkonzert und skandierten unter anderem "Nazis raus!"

Alle Kirchenglocken läuten

Auf einer Bühne zwischen Stadtschloss und Bonifatiusplatz sprachen unter anderem die ehemaligen Oberbürgermeister Wolfgang Hamberger, Alois Rhiel und Gerhard Möller (alle CDU). Der heimische Bundestagsabgeordnete Michael Brand (CDU) sagte: "Fulda ist kein Platz für Radikale und Antidemokraten." Gymnasiasten führten ein Theaterstück zum Thema "Heimat" auf.

Um 17.15 Uhr begannen alle Kirchenglocken ringsherum zu läuten, um die Veranstaltung der Nazis zu stören. So drückten die Kirchen ihren friedlichen Widerstand aus. Zuvor hatten mehrere Kirchenvertreter auf dem Bonifatiusplatz gesprochen.

Tomaten auf Neonazis

Nach Auskunft der Polizei hatten sich einige Gegendemonstranten widerrechtlich vermummt. Ein Beamter wurde von einem Gegendemonstranten bespuckt, und aus einem Haus flogen Tomaten auf die Neonazis. Mehrere Blockaden beendete die Polizei nach Verhandlungen friedlich.

Ein Verbot der rechtsextremen Demonstration konnte die Stadt nicht durchsetzen, weil es im Vorfeld keine Hinweise auf zu befürchtende Straftaten gegeben hatte. Auch dass der "III. Weg" ausgerechnet am Heilig-Kreuz-Platz vor der Stadtpfarrkirche demonstrieren durfte - dem ehemaligen Adolf-Hitler-Platz - hatte die Stadt nicht verhindern können. Das Verwaltungsgericht Kassel hatte befunden, daran erinnerten sich nur die geschichtsbewussten Bürger.

Die Stadt hatte den Veranstaltern 49 Auflagen machen wollen. Aber einen Großteil davon hatte das Verwaltungsgericht Kassel am Montag gekippt. Allerdings durften die Demonstranten nicht so viele Fackeln anzünden wie gewünscht und auch keinen Sirenenton wie bei einem Bombenangriff abspielen.

Zehn Polizisten bei Unfall verletzt

Auf dem Weg zu ihrem Einsatz in Fulda kam es in einer Kolonne von Polizeiwagen zu einem Auffahrunfall. Zehn Beamte verletzten sich dabei leicht. Vor einer roten Ampel an einer Auffahrt zur A66 bei Frankfurt-Zeilsheim sei ein Einsatzwagen auf ein davor stehendes Polizeiauto gefahren, wie ein Polizeisprecher in Wiesbaden sagte. Dadurch wurden drei andere Fahrzeuge aufeinander geschoben. Von den vier beschädigten Wagen hätten drei abgeschleppt werden müssen.

Leider wurden Kolleginnen und Kollegen auf der Fahrt zum Einsatz in #Fulda #Osthessen bei einem Verkehrsunfall leicht verletzt. Wir wünschen allen gute Besserung. #Fulda1602 @Polizei_WH

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Sendung: hr-iNFO, 16.02.2019, 19:30 Uhr