Frauen tragen Mundschutz

Maskenpflicht in Läden und im Nahverkehr: Kritiker der Vorschrift verkennen, dass sie andere schützt und hilft, unsere Freiheiten wiederzuerlangen.

In einer besseren Welt hätten Bundes- und Landesregierung schon zu Jahresbeginn oder noch viel früher ausreichend Schutzmasken für das medizinische Personal und einfache Mund-Nase-Schutze für die Bevölkerung eingekauft, auf dass sie im aktuellen Pandemie-Fall vorrätig sind und bedarfsgemäß ausgegeben werden können. Insofern haben die Kritiker an der am Dienstag verkündeten Maskenpflicht in Geschäften und im Nahverkehr in Hessen Recht. In einer besseren Welt gäbe es womöglich gar kein neuartiges Coronavirus, das sich schnell verbreitet.

Um die Welt aber wieder besser zu machen, können alle mithelfen: indem sie Masken tragen, sobald sie anderen nahe kommen; indem sie weiterhin darauf achten, den von Virologen empfohlenen Mindestabstand zu Nichtfamilienmitgliedern einhalten; indem sie sich häufig und gründlich die Hände waschen.

Masken schützen, das zeigen Studien

Die Maskenpflicht treibt die Menschen um - nachzulesen etwa in der Kommentarspalte zum Bericht dazu auf hessenschau.de. Viele schreiben: Abstand halten genüge doch, was soll das mit den Masken? Und dann noch selbst kaufen, nein danke! Viele andere schreiben: Die Vorschrift sei überfällig, in Asien hätten sich Masken bewährt.

Aktuelle Studien, aus denen Chef-Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité in seinem Corona-Podcast zitiert, belegen oder legen zumindest recht nahe: Um andere besser vor dem womöglich mit Viren angereicherten eigenen Speichel zu schützen, sind die Masken geeignet - zum Selbstschutz und zum Schutz vor winzigsten Luftteilchen nicht.

Was spricht also außer ein bisschen Bequemlichkeit dagegen, die Masken zu tragen, wenn sie helfen, die Ausbreitung des Virus einzudämmen? Aus Jena, dem Maskenvorreiter in Deutschland, wird gemeldet: keine Neuinfektionen seit Einführung der Maskenpflicht am 9. April. Andere schützen helfen - wenn das kein guter Grund ist!

Bund und Länder müssten entschiedener handeln

Sicherlich sind Bund und Länder dafür zu kritisieren, dass sie zu schlecht vorgesorgt haben und manche Maßnahmen zu zögerlich verkünden. Hätten sie entschiedener gehandelt, weniger tröpfchenweise, könnte die Infektionsrate bereits niedriger sein, der Weg zur Normalität kürzer.

Die Verweise nach Asien und die erfolgreiche Anti-Corona-Arbeit in manchen Ländern dort hinken freilich auch, weil China, Taiwan, Südkorea und Singapur nicht ebenso freiheitlich und individualistisch geprägt sind wie etwa Deutschland.

Alle können Tote verhindern helfen

Umso mehr kommt es auf jede Einzelne und jeden Einzelnen von uns an: Je strenger wir jetzt uns und andere schützen, desto eher erlangen wir hoffentlich unsere Bewegungsfreiheit wieder - das lässt auch der gesunde Menschenverstand vermuten.

An diesem Common Sense muss man jedoch zweifeln. Seit Wochen lässt sich beobachten: Manche nehmen die Familienisolation ernst, auch wenn die Kinder zunehmend unausgeglichen werden und sich nach ihren Freunden sehnen. Andere halten nicht so viel von Abstandhalten, bitten daheim zum Stelldichein oder bilden Grüppchen in Parks. Es muss aber jeder und jedem um die Gemeinschaft gehen, und wenn Gesichtsmasken helfen, umso besser.

Was ist das kleinere Übel: Stoffdinger vor Mund und Nase, die den Einkauf etwas beschwerlicher machen, oder eine Aussicht auf einen Sommer ohne Urlaub, weitere Wochen und Monate ohne Schule und Kindergarten, ohne Mannschaftssport, ohne Kulturangebote? Oder eine Aussicht auf mehr Covid-19-Tote, als wir mit einfachsten Mitteln verhindern könnten?