Ein Corona-Teststreifen liegt auf einem Mäppchen.

Schulstart nach den Weihnachtsferien: Trotz steigender Corona-Infektionszahlen setzt das Land auf Präsenz-Unterricht. Die Landtagsopposition sieht die Schulen darauf schlecht vorbereitet.

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Schulstart in Präsenz trotz Omikron

hessenschau vom 10.01.2022
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Die Weihnachtsferien sind zu Ende und in Hessen hat am Montag unter Corona-Bedingungen die Schule wieder angefangen. Der Start sei "ruhig und ohne besondere Vorkommnisse" verlaufen, hieß es aus dem Kultusministerium. Das bezog sich weniger auf die Ansteckungsrisiken als auf das Personal: Der Krankenstand unter den Lehrkräften sei bislang nicht auffällig.

"Das bestätigt die Entscheidung für eine Fortführung des Präsenzunterrichts", sagte Kultusminister Alexander Lorz (CDU). Auf einen etwaigen vermehrten Ausfall von Lehrkräften sei das Land "so gut wie möglich" vorbereitet. Lorz hatte dem Präsenzunterricht "oberste Priorität" eingeräumt und damit für Kritik unter anderem beim Landeselternbeirat gesorgt.

Und so startet der Unterricht trotz steigender Infektionszahlen in Präsenz. Es gilt eine Maskenpflicht im Unterricht - auch am Sitzplatz. Und es gibt drei Tests pro Woche für nicht vollständig geimpfte Schülerinnen und Schüler. Auch geimpfte Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte können sich regelmäßig in den Schulen testen.

SPD vermisst Ausstattung, FDP für mehr Tests

Kritik am Corona-Kurs des Kultusministeriums kam erneut von der Landtagsopposition und von Gewerkschaften. Von einer guten Vorbereitung könne keine Rede sein, teilte der SPD-Bildungsexperte Christoph Degen mit. "Denn wichtige Grundlagen für einen sicheren Schulbetrieb fehlen weiterhin."

Auch zwei Jahre nach Ausbruch der Pandemie stehe beispielsweise kein landesweites Videokonferenzsystem zur Verfügung, mit dem bei Bedarf Distanzunterricht auf einer datenschutzrechtlich sicheren Basis verlässlich stattfinden könne. Auch beim Thema Luftfilter fehle es an klaren Vorgaben, wie und welche Klassenräume auszustatten sind, so Degen.

Bund und Land hätten die Anschaffung von Luftfiltern unnötig verkompliziert, sodass vielerorts keine Geräte angeschafft worden seien, kritisierte Elisabeth Kula, bildungspolitische Sprecherin der Links-Fraktion. "Dass der Kultusminister behauptet, Hessens Schulen könnten problemlos auf Distanzunterricht umstellen, ist eine Frechheit", sagte sie.

Der bildungspolitische Sprecher der FDP, Moritz Promny, erklärte: "Jetzt gilt es, verstärkt Impfaktionen an den Schulen anzubieten und engmaschig zu testen." Er schlug für die erste Woche nach den Ferien tägliche Corona-Tests für alle Schüler, Schülerinnen und Lehrkräfte vor.

Kritik auch von der AfD: "Trotz der Einsicht, dass Präsenzunterricht an unseren Schulen die erste Wahl vor Schulschließungen und Distanz-Lernen ist, gelang es der hessischen Landesregierung nach fast zwei Jahren Corona-Pandemie nicht, wieder eine halbwegs normale Lage an unseren Schulen zu schaffen", so Heiko Scholz, bildungspolitischer Sprecher der Partei.

Verband: Aufwand nicht unterschätzen

Den verantwortlichen Behörden müsse bewusst sein, wie aufwendig die Umsetzung der Corona-Maßnahmen sei, mahnte der Landesvorsitzende des Hessischen Philologenverbandes, Reinhard Schwab, an. Die eigentliche Bildungsaufgabe werde dadurch stark erschwert. Aber Schwab sagte auch: "Der Präsenzunterricht ist unverzichtbar, damit Kinder und Jugendliche nicht noch mehr inhaltliche und psychosoziale Defizite anhäufen."

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) wiederholte zum Schulstart ihre Forderung nach einer besseren Bezahlung von Grundschullehrern in Hessen.

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