Zahlen runter, Maske weg? Handel und Gastronomie wollen, dass Coronaregeln wie die Masken- oder Testpflicht auch für Innenräume gelockert werden. Virologen warnen davor und auch die Schulen sind skeptisch.

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Audioseite Diskussion über Lockerungen für Innenräume

Hinweiszettel zur Maskenpflicht in einem Schaufenster
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Einkaufen ohne Maske? Das sollte bei so einer niedrigen Inzidenz von unter 20 möglich sein, findet Sven Rohde, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Hessen. Solange sich immer weniger Menschen mit Corona anstecken und gleichzeitig immer mehr geimpft werden, wünscht er sich ein "Ausstiegsszenario für den Handel" bei der Maskenpflicht. Heißt also: Am liebsten wäre den Einzelhändlern, wenn die Masken bald nur noch empfohlen würden. 

Wer im Restaurant im Innenbereich essen möchte, muss vorher einen Coronatest machen. Das ist unpraktisch, findet Julius Wagner, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands DEHOGA in Hessen. In der Praxis sorge das immer wieder für Probleme, zum Beispiel "wenn es tagsüber wunderschön ist und man draußen essen kann, wir aber im Innenbereich, wenn es dann regnet, auf einmal eine Testpflicht haben."

In anderen Bundesländern, wie Niedersachsen oder Bayern dürften die Restaurants bei niedrigen Inzidenzen wieder ohne Test drinnen öffnen. Und auch Hotelbesuche seien ohne Coronatest in Teilen Deutschlands möglich. "Das sollte bei uns auch so sein." Bis spätestens Ende des Monats fordert er Lockerungen für die Hotels und Gaststätten von der Landesregierung.

Die Landesregierung teilt auf hr-Nachfrage am Dienstag mit, dass sie gerade noch über mögliche weitere Lockerungen für Hessen berät. Ein Alleingang solle aber vermieden werden, man wolle sich für deutschlandweit einheitliche Lockerungen einsetzen.

Virologe: Ohne Masken gibt es eine vierte Welle

Vorsicht vor zu vielen schnellen Lockerungen! Das empfiehlt der Frankfurter Virologe Martin Stürmer. In Großbritannien stiegen die Infektionszahlen inzwischen wieder, weil sich dort die zuerst in Indien festgestellte Delta-Variante schnell ausbreite. "Wenn wir dem Virus nur genug Chancen geben, sich wieder zu verbreiten, dann können auch wir ganz schnell in eine vierte Welle reinrutschen und das werden wir, wenn wir komplett auf die Masken verzichten."

Landtag diskutiert Situation an Schulen

Auch viele Schüler und Lehrer würden gerne bald auf die Masken verzichten. Bei Hitze stundenlang mit Maske lernen, das gehe gar nicht. Außerdem würden Schüler wie Lehrer regelmäßig getestet. Die Situation an den Schulen wird heute auch im Landtag erörtert. Kultusminister Alexander Lorz (CDU) kündigte an, sich für ein Ende der Maskenpflicht in den Außenbereichen von Schulen bereits ab Ende Juni einzusetzen.

Er gehe davon aus, dass die Koalition dem zustimmen werde. An besonders heißen Tagen sollen Schulleiter zudem bereits ab jetzt die Möglichkeit haben, die Maskenpflicht außerhalb der Klassenräume aufzuheben. Wann mit einem Ende der Maskenpflicht in den Klassenräumen gerechnet werden könne, sei noch unklar.

Volkmar Heitmann, Vorsitzender des Landeselternbeirats von Hessen, rät aber genau hier zur Vorsicht. "Die Dunkelziffer bei den Infektionen durch falsch-negative Tests ist hoch." Auch die Vorsitzende der Lehrergewerkschaft GEW in Hessen, Birgit Koch, ist dafür, die Maskenpflicht im Unterricht bis zu den Sommerferien zu behalten. Denn es seien noch nicht alle Lehrkräfte vollständig geimpft. Um es den Schülern etwas leichter zu machen, sollten sie stattdessen in den Pausen auf dem Schulhof ohne Masken herumlaufen dürfen.

Für das neue Schuljahr wünscht sich die hessische GEW-Vorsitzende, dass die Landesregierung endlich die Schulen flächendeckend mit Luftfiltern ausrüstet, "damit wir und alle, die in der Schule arbeiten, beruhigt in den Herbst und in den Winter gehen können."

Sendung: hr-iNFO, 15.06.2021, 09.40 Uhr