Schule Maske

Am Montag geht's für Hessens Kinder und Jugendliche nach den Sommerferien zurück in die Schulen - mit Alltagsmasken außerhalb der Klassenzimmer. Ob das alles gut geht? Eltern und Lehrer haben Bauchschmerzen vor der Rückkehr.

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hessenschau vom 12.08.2020
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Angesichts der Corona-Pandemie ist der Start ins neue Schuljahr wie nie zuvor mit Hoffnungen, Ängsten und Fragen verbunden. Kommende Woche beginnt für rund 760.000 Schülerinnen und Schüler sowie rund 60.000 Lehrkräfte nach den Sommerferien wieder der Unterricht. Und das mit sogenannten Alltagsmasken außerhalb der Klassenzimmer für Schüler und Lehrer, wie Staatskanzlei und Kultusministerium am Mittwoch in Wiesbaden mitteilten.

Die Pflicht gilt demnach vom Betreten des Geländes bis zum Hinsetzen auf den Platz. Auch die Jüngsten in den Grundschulen seien davon nicht ausgenommen, sagte ein Sprecher des Kultusministeriums. Schüler und Lehrer, die auch im Unterricht eine Maske tragen wollen, dürften dies tun.

Einheitliche Regeln an den Schulen

Das Land macht den Schulen damit einheitliche Vorgaben wegen der Corona-Pandemie. Bislang war vorgesehen, dass jeweils die Schulleitungen über das Tragen von Masken entscheiden. Mit der Änderung reagiere man nun auf die zuletzt wieder etwas angestiegenen Ansteckungszahlen mit dem Coronavirus, sagte der Sprecher. Zudem habe es Rückmeldungen von Schulleitern mit dem Wunsch nach einer einheitlichen Regelung gegeben.

Weitere Details zu den Hygiene- und Abstandsregeln in der Schule will die Landesregierung am Donnerstag ab 10 Uhr in einer Pressekonferenz bekanntgeben. hessenschau.de wird die Pressekonferenz live übertragen.

"Nicht überall Friede, Freude, Eierkuchen"

Es dürfte ein ungewöhnlicher Start werden. "Die Elternschaft ist tief gespalten", sagte der Vorstandsvorsitzende des Landeselternbeirates, Korhan Ekinci. "Es gibt viele Eltern, die sich freuen, dass die Schule wieder losgeht, einfach weil die Kinder die sozialen Kontakte brauchen und den Austausch mit den Lehrern."

Das Zuhausebleiben habe für die Schülerinnen und Schüler teils zu großen Schwierigkeiten geführt. "Nicht überall im Elternhaus haben wir Friede, Freude, Eierkuchen", sagte Ekinci. Die Gruppe der Befürworter vertraue darauf, dass die Politik zusammen mit den Schulen alles durchgeplant habe - "dass die Kinder genauso gesund aus der Schule kommen, wie sie morgens hingeschickt wurden".

Schon der Schulweg eine Herausforderung

Auf der anderen Seite gebe es Eltern, die große Bauchschmerzen bei der Schulöffnung hätten, sagte Ekinci. "Sie können sich nicht vorstellen, dass die Kinder dort wirklich ungefährdet sein werden." Allein der Schulweg sei ja schon eine große Herausforderung.

Für ihn sei es schwierig einzuschätzen, welche der beiden Gruppen in der Elternschaft größer ist, erklärte Ekinci. "Beide Gruppen scheinen unversöhnbar zu sein und sie diskutieren sehr herzhaft miteinander."

Auch die Lehrerschaft ist gespalten

Auch die Lehrerschaft sei sehr gespalten, berichtete der Landesvorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung, Stefan Wesselmann. Einige sagten, "wir können Schule nicht machen, wenn wir die Abstandsregeln nicht beibehalten".

Auch die Lehrgewerkschaft GEW hatte zu Bedenken gegeben, dass bei einer verschärften Infektionslage ein "unnötiger Rückfall in ein eher improvisiertes denn optimal strukturiertes Lernen auf Distanz" drohe. Gleichzeitig bemängelte die GEW, dass notwendige Verbesserungen der hygienischen Bedingungen erschwert würden.

Andere befürchteten aber, dass die Schere zwischen den Kindern immer weiter auseinandergeht, wenn die einen daheim von den Eltern beim Lernen Unterstützung bekommen, andere aber nicht." Das pädagogische Herz sagt, wir wollen sie alle in der Schule haben", sagte Wesselmann.

Es bleibt eine Risikosituation

Der Start in den schulischen Regelbetrieb in der kommenden Woche sei ein notwendiger Schritt, denn die unmittelbare persönliche Interaktion von Lehrkräften und Schülern sei unersetzbar, teilte der Vorsitzende des Hessischen Philologenverbandes, Reinhard Schwab, mit. "Der Bildungsanspruch der jungen Menschen steht außer Frage, er zwingt uns jedoch in eine Risikosituation hinein, deren Unkalkulierbarkeit uns belastet und herausfordert."

Elternvertreter Ekinci erwartet nach eigenen Worten von allen Beteiligten den Mut, "wenn wir sehen, das klappt nicht, zu sagen: 'Ok, Halt, Stop'." Wenn die Kinder gefährdet seien, müsse man die Corona-Lockerungen zurücknehmen. "Was ich auch erwarte ist, dass die Politik den Lehrkräften vor Ort vertraut, und wenn die um Hilfe rufen und sagen 'das funktioniert so nicht', dass die Politik es auch den Schulen erlaubt, es jeweils anders zu machen."

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 12.08.2020, 19.30 Uhr