Studentin Cara Berschin am "Corona-Checkpoint" im Universitätsklinikum Gießen

Viele Kliniken in Hessen brauchen wegen der Coronavirus-Pandemie dringend mehr Personal. Deswegen bitten sie Medizinstudierende, freiwillig mitzuhelfen. Die Resonanz ist groß.

Videobeitrag

Video

zum Video Medizinstudenten helfen in der Corona-Krise

hs290320
Ende des Videobeitrags

Bewaffnet mit Mundschutz und Thermometer steht Cara Berschin am Eingang des Blutspendezentrums der Uniklinik Gießen. Die Medizinstudentin macht "Corona-Checks", um zu verhindern, dass Infizierte in das Krankenhaus hereinkommen: Fieber messen, Infektionsrisiken abfragen, Sicherheitsmaßnahmen erklären. Dass sie diesen Job erst seit gut einer Woche macht, merkt man Cara Berschin nicht an.

Die 21-Jährige studiert eigentlich im sechsten Semester Zahnmedizin, doch jetzt, während der Corona-Krise, hilft sie am Klinikum aus. "Wenn man sich entscheidet, einen Beruf im medizinischen Bereich zu ergreifen, ob Pfleger oder Arzt oder Zahnarzt, hat man eine solidarische Verantwortung gegenüber seinen Mitmenschen," sagt Berschin. Deshalb wolle sie jetzt helfen. Und da ist sie nicht alleine.

Helfer entlasten Kliniken

Wie rund 300 andere Studierende hat sich Cara Berschin freiwillig auf einen Aufruf des Universitätsklinikum Gießen-Marburg gemeldet. Sie arbeiten unter anderem an den "Corona-Checkpoints" an verschiedenen Standorten im Klinikum. Die Helfer arbeiten nicht ehrenamtlich, sondern bekommen für ihre Arbeit einen Lohn.

Für das Uniklinikum Gießen sind die Studierenden jetzt wichtig, um im Betrieb die verschärften Sicherheitsvorkehrungen einzuhalten. "Ohne diese Hilfe könnten wir die Blutspenden überhaupt nicht aufrecht erhalten, organisatorisch und logistisch", erklärt Gregor Bein, Direktor des Zentrums für Transfusionsmedizin am Uniklinikum. "Ich finde es toll, dass Medizinstudierende sich freiwillig melden für solche Einsätze." Falls wegen des Coronavirus Mitarbeiter erkranken sollten oder in Quarantäne müssen - was bisher noch nicht der Fall sei - könnten die studentischen Helfer auch noch für weitere Aufgaben angelernt werden, sagt Bein.

"Überwältigende Resonanz"

Auch mehrere andere Kliniken in Hessen haben Studierende und andere Freiwillige mit medizinischer Qualifikation dazu aufgerufen, in der Corona-Krise mitzuhelfen. An der Universitätsmedizin Frankfurt meldeten sich bis zum Wochenende fast 1.200 Freiwillige. Die ersten 20 von ihnen sollen nach Angaben der Klinik in dieser Woche eingearbeitet werden.

Weitere Informationen

Links zu Angeboten: Gesundheit, Pflege und Soziales in Corona-Zeiten

An wen wende ich mich, wenn mein Kind Symptome des Coronavirus zeigt? Wie kann ich die Pflege meiner Angehörigen sicherstellen? Und wie kann ich als gesunder Mensch helfen? Unter diesen Adressen gibt es Hilfe und Antworten.

Ende der weiteren Informationen

Das Klinikum Fulda verzeichnete bis zum Wochenende rund 250 Freiwillige. Darunter sind Studierende und Pflegekräfte, aber auch Beschäftigte aus der Gastronomie. "Es ist eine ganz überwältigende Resonanz", sagte der Vorstandssprecher des Klinikums, Thomas Menzel, dem hr. Je nach Qualifikation übernehmen die Freiwilligen verschiedene Aufgaben: Medizinstudierende mit viel Erfahrung könnten zum Beispiel Blut abnehmen oder Untersuchungen machen, so Menzel.

Online-Plattformen vernetzen Helfer

Um die vielen Freiwilligen auf Kliniken zu verteilen, die Hilfe benötigen, gibt es mittlerweile Online-Plattformen. Die Internetseite match4healthcare bietet beispielsweise an, Medizinstudierende mit Kliniken zu vernetzen, die Hilfe brauchen. Und auch in Facebook-Gruppen organisieren sich hilfsbereite Medizinstudierende in ganz Deutschland.

Studentin Cara Berschin ist zufrieden mit ihrem neuen Job am Uniklinikum. Nach der Unsicherheit und dem Ausharren zu Hause zu Beginn der Corona-Krise habe sie jetzt das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun: "Als ich von meiner ersten Schicht nach Hause gekommen bin, habe ich mich richtig glücklich und erfüllt gefühlt. Es hat sich einfach super gut angefühlt, zu helfen", sagt sie.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 29.03.2020, 19.30 Uhr