Diverse Lebensmittelkisten mit Tafellogo

Immer mehr Menschen sind auf Hilfe der Tafeln in Hessen angewiesen. Doch die brauchen selbst Hilfe. Ihre Ausgaben steigen, gleichzeitig werden weniger Lebensmittel gespendet.

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Audioseite Lage der Tafeln in Hessen angespannt

Tafel in Wetzlar-Niedergirmes
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300 Euro, diesen Betrag hat Frührentner Klaus Lepper aus Wetzlar-Niedergirmes nach Abzug aller Kosten pro Monat noch übrig, um Lebensmittel zu kaufen. "Große Sprünge sind da nicht drinnen", sagt der 61-Jährige. Deshalb sei er froh, dass er Hilfe von der örtlichen Tafel bekommt. Zwei Mal pro Woche fährt er auf seinem kleinen Motorroller und seinem Jutebeutel zur Essensausgabe.

Tafeln versorgen 115.000 Hessen

Für ein paar Euro erhält er dort zwei Körbe, gefüllt mit Käse, Wurst, Brot und Gemüse. Im Supermarkt könnte er sich das nicht leisten. Seit Corona hat sich auch bei der Wetzlarer Tafel einiges geändert. Alle Produkte werden einzeln verpackt und nur noch durch ein Fenster herausgegeben, um Abstand und Hygieneregeln einhalten zu können. Außerdem gibt es für jeden Kunden bestimmte Zeitfenster, damit nicht zu viele in der Schlange stehen. Wie Klaus Lepper geht es vielen Menschen in Hessen - und die Zahl der Menschen, die auf die Hilfe der Tafeln angewiesen sind, scheint zu wachsen.

Seit Corona zählten die Tafeln rund 15 Prozent mehr Kundschaft, sagt Willi Schmid, Vorsitzender der Tafeln in Hessen. Inzwischen versorgten die Tafeln rund 115.000 Menschen in Hessen mit viel Essen für wenig Geld. Gleichzeitig erhielten die Tafeln aber immer weniger Lebensmittelspenden. Schmid führt das darauf zurück, dass Supermärkte ihre Planungen verändert haben und durch Sonder-Rabatte fast abgelaufene Lebensmittel selbst noch verkaufen. Dadurch bliebe weniger übrig für die Tafeln, sagt Schmid.

Kosten für die Tafeln steigen

Ein weiteres Problem sei, dass die laufenden Kosten sich erhöht hätten. Für Strom und Benzin müssen auch die Tafeln mehr zahlen. Gleichzeitig rechnen die 57 hessischen Tafeln mit weniger Spenden, weil viele Unterstützer durch die Corona-Krise selbst weniger Geld zur Verfügung haben, wie Schmid ausführt. Deshalb verhandeln die Tafeln mit der Landesregierung über eine dauerhafte Förderung.     

"Leider ist Hessen hier nicht in der Vorreiter-Rolle", sagt Tafel-Vorsitzender Schmid. In anderen Bundesländern wie Sachsen, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfahlen hätten die dortigen Tafeln jedes Jahr einen festen Posten im Haushalt. In Hessen ist das nicht so.

Landesregierung sagt keine dauerhafte Förderung zu

Vergangenes Jahr gab es zwar eine coronabedingte Einmalzahlung aus dem Sozialministerium in Wiesbaden. Schmid fordert aber eine langfristige und dauerhafte Förderung. Auf hr-Anfrage teilt das hessische Sozialministerium mit: "Um die Tafeln in Hessen auch über die Pandemie hinaus zu unterstützen, hat das Sozialministerium allein 2020 unbürokratische Soforthilfen in Höhe von insgesamt 1,25 Mio. Euro auf den Weg gebracht. […] Darüber hinaus wird eine erneute Soforthilfe für weitere pandemiebedingte Kosten geprüft." Die Frage, wieso es keine dauerhafte Grundförderung gibt, hat das Ministerium unbeantwortet gelassen.

Frührentner Klaus Lepper jedenfalls hofft, dass die Wetzlarer Tafel noch lange durchhält - nicht nur wegen der Essensausgaben. Gerade zu Coronazeit habe er gemerkt, wie wichtig ihm die Treffen dort seien. "Da unterhält man sich und das fehlte halt schon sehr", sagt er.

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