Ostermarsch-Kundgebung auf dem Frankfurter Römerberg: Teilnehmer der Demo halten Plakate mit Portraits von Kriegsopfern hoch.

Im vergangenen Jahr teils verboten, in diesem Jahr unter Auflagen möglich: Beim Ostermarsch in Frankfurt haben trotz Corona und Regenwetter zahlreiche Menschen Flagge gezeigt.

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Gegen Aufrüstung und für den Frieden: Zahlreiche Mitglieder der Friedensbewegung sind am Montag in Frankfurt unter dem Motto "Abrüsten statt Aufrüsten" auf die Straße gegangen. Nach Angaben der Organisatoren nahmen mehr als 1.000 Menschen am Frankfurter Ostermarsch teil - "natürlich coronakonform", wie ein Sprecher betonte. Die Polizei sprach von rund 500 Teilnehmenden.

Die Demonstration sei "absolut friedlich" verlaufen und von den Veranstaltern sehr gut organisiert worden, sagte ein Polizeisprecher. Die Corona-Auflagen seien strikt eingehalten worden. Die Friedensaktivisten waren am Morgen in Darmstadt, Offenbach, Eschborn sowie in den Frankfurter Stadtteilen Rödelheim, Eckenheim und Niederrad zusammengetroffen und anschließend zur Abschlusskundgebung auf den Frankfurter Römerberg gezogen.

Ostermarsch in Frankfurt: Ein Mann demonstriert im Osterhasengewand auf dem Römerberg

Auf dem Römer rief Joe Reinhartz von der Umweltorganisation Greenpeace dazu auf, Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen. Dazu gehöre vor allem das Engagement für den Umweltschutz und den Frieden. "Beides gehört zusammen. Ohne Umweltschutz gibt es keinen Frieden. Und ohne Frieden können wir die Umwelt und das Klima nicht schützen", sagte er.

Videobotschaften und Redebeiträge auf dem Römer

Videobotschaften übermittelten Alain Rouy von der französischen Friedensbewegung und der Paderborner Theologe und Psychoanalytiker Eugen Drewermann. Rouy wandte sich gegen die "Militarisierung der Europäischen Union unter Führung Frankreichs und Deutschlands" und gegen den Aufbau einer europäischen Armee. Die vielen Milliarden Euro sollten die EU-Länder stattdessen in Gesundheit, Bildung und sozial-ökologischen Umbau investieren, verlangte er.

Ostermarsch durch Frankfurt

Drewermann äußerte eine grundsätzliche Kritik an dem Charakter der Nato und den Bundeswehr-Auslandseinsätzen. "Nach wie vor gaukelt man uns die Lüge über die Medien vor, wir hätten nach 1989 als eine der starken Wirtschaftsnationen die Aufgabe, international überall einzugreifen, wo gerade bestimmte strategisch wichtige Ziele wirken könnten", sagte der 80-Jährige. Es gehe aber nicht um humanitäre Ziele, sondern um monetäre. Auch sei die Nato "erkennbar kein Friedensbündnis".

Ostermarschbüro: Verbote im vergangenen Jahr falsch

Im vergangenen Jahr waren die Ostermärsche wegen der Corona-Pandemie teils abgesagt und teils verboten worden. Stattdessen hatten Anhänger der Friedensbewegung über Ostern ihre Meinung mit Transparenten an den Fenstern kundgetan oder den Protest ins Internet verlegt. Willi van Ooyen, Sprecher des zentralen Ostermarschbüros in Frankfurt, bewertete die Verbote gegenüber dem hr rückblickend als falsch. "Ich glaube, dass es nicht gerechtfertigt war, diese Verbote auszusprechen", sagte er am Montag. Es sei möglich, in ausreichend großem Abstand auf die Straße zu gehen und so für den Frieden einzutreten.

Das Anknüpfen an die inzwischen 60-jährige Tradition sei in der Pandemie wichtiger denn je. "Das Geld, das in die Rüstungsausgaben fließen, könne sinnvoller eingesetzt werden, kritisierte der hessische Linken-Politiker und Friedensaktivist.

Bundesweit fanden nach Angaben des Netzwerks Friedenskooperative in diesem Jahr in knapp 100 Orten Demonstrationen, Kundgebungen, Wanderungen, Fahrradtouren, Blockadeaktionen oder Friedensfeste der Ostermarschbewegung statt. In Hessen gab es außerdem Aktionen in Bruchköbel, Gießen, Marburg, Stadtallendorf, Fulda, Limburg, Wiesbaden, Michelstadt, Erbach und Eschwege.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 05.04.2021, 19.30 Uhr