Michael Gerber
Michael Gerber Bild © Bistum Fulda

Der bisherige Freiburger Weihbischof Michael Gerber wird neuer Bischof von Fulda. Der 48-Jährige tritt die Nachfolge von Heinz Josef Algermissen an. Er wird der jüngste Bischof in der katholischen Kirche in Deutschland sein.

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hs

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Die Suche nach einem neuen Bischof verlief schneller als geplant: Der bisherige Freiburger Weihbischof Michael Gerber wird neuer Bischof von Fulda. Er tritt die Nachfolge von Heinz Josef Algermissen an, wie das Bistum Fulda am Donnerstag mitteilte. Der Termin für die Amtseinführung steht noch nicht fest. Am kommenden Donnerstag (20. Dezember) wird er zu einem ersten Besuch in der osthessischen Domstadt erwartet. Er soll am Grab des Heiligen Bonifatius im Fuldaer Dom beten und den bischöflichen Segen spenden.

Gerber dankte für das in ihn gesetzte Vertrauen. "Ich freue mich sehr, die Menschen in Fulda kennenzulernen", sagte der 48-Jährige in einer ersten Reaktion. Seine badische Heimat zu verlassen, falle ihm nicht leicht. Nach Angaben der Deutschen Bischofskonferenz wird er der jüngste Bischof in der katholischen Kirche in Deutschland sein.

Kirchliches Nachwuchstalent

Schon früh galt Gerber im Südwesten als kirchliches Nachwuchstalent. Geboren wurde er am 15. Januar 1970 in Oberkirch (Baden-Württemberg). Er studierte in Freiburg und Rom. Im Mai 1997 wurde er zum Priester für die Erzdiözese Freiburg geweiht, im September 2013 zum Weihbischof. Er hat verschiedene Funktionen innerhalb der Katholischen Kirche inne, unter anderem in der Jugendkommission der Deutschen Bischofskonferenz.

Schon zuvor war er mit großem Engagement in der katholischen Jugendarbeit tätig. Ohne ehrenamtliches Engagement fehle es der Gesellschaft an Zusammenhalt, ist Gerbers Überzeugung. Geprägt ist sein Glaube auch von der Schönstatt-Bewegung, die eine intensive Marienverehrung auszeichnet. Auch der früherer Freiburger Erzbischof Robert Zolltisch, der Gerber 2013 zum Bischof weihte, gehört dieser Gemeinschaft an.

Für Kompetenz geschätzt

Geschätzt wird Gerber im Südwesten für seine theologische Kompetenz, für seine spirituelle Prägung und sein Organisationstalent. Dies bewies er nicht zuletzt bei den zwei großen Wallfahrten der Ministranten 2014 und 2018 nach Rom mit jeweils Tausenden Teilnehmern. Zollitsch beschrieb Gerber einmal schlicht als einen "Wegbegleiter".

Bewusst entschied sich Gerber 2013 für einen schlichten, aus heimischem Kastanien- und Lindenholz gefertigten Bischofsstab, den er bei einem Oberkircher Künstler in Auftrag gab. Bodenständigkeit und Heimatverbundenheit sind ihm wichtig. Wiederholt beschrieb er Papst Franziskus als Vorbild, weil dieser auf sozial ausgegrenzte und benachteiligte Menschen zugehe.

Begeisterter Skifahrer

In seiner Freizeit ist Gerber begeisterter Wanderer und Skifahrer. Und wenn er bislang die Schweizer Alpen vor der Haustür hatte, kann er künftig auf die Gipfel der Rhön ausweichen. Statt Matterhorn heißen dann Wasserkuppe oder Kreuzberg seine Ziele.

Seine persönlichen Glaubenserfahrungen veröffentlichte Gerber 2015 in dem spirituellen Buch "Ermutigungen für Christen". Mit Internet und sozialen Medien hat er keine Berührungsängste. Im Messenger-Dienst Threema eröffnete er jüngst einen eigenen Channel, in dem er persönliche Glaubenserlebnisse berichten will- vom Firmwochenende, von einer Wanderung oder von besonderen Gesprächen.

Gratulation aus Wiesbaden

Der Hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) gratulierte dem neuen Bischof zu seiner Wahl. "Es ist gut, dass die Lücke, die durch den Abschied von Bischof Heinz Josef Algermissen entstanden ist, so erfreulich schnell geschlossen wurde", sagte Bouffier in Wiesbaden. 

Er vertraue darauf, dass der bewährte und konstruktive Austausch zwischen Politik und Kirche fortgesetzt werde, der für beide Seiten eine Bereicherung und zum Wohle der Gesellschaft sei. "Es ist unsere Aufgabe, den Menschen Halt und Orientierung zu geben", sagte Bouffier weiter. Er sei sicher, dass Gerber nicht nur für die Landesregierung ein verlässlicher Ansprechpartner sein werde, sondern für die Menschen im Bistum Fulda ein offenes Ohr habe. 

Algermissen 17 Jahre im Amt

17 Jahre war Bischof Algermissen im Amt. Er galt als Hardliner, wollte sich darauf aber nie festlegen lassen. Er hatte anlässlich seines 75. Geburtstages im Februar sein Rücktrittsgesuch gemäß der kirchenrechtlichen Bestimmungen bei Papst Franziskus eingereicht. Im Juni hatte der Pontifex das Gesuch angenommen. Im September war Algermissen mit einem feierlichen Gottesdienst in den Ruhestand verabschiedet worden.

Mit dieser raschen Neubesetzung des Bischofsstuhls in Fulda war nicht gerechnet worden. Seit Juni führte Weihbischof Karlheinz Diez als Diözesanadministrator das Bistum mit rund 393.000 Mitgliedern. Das Bistum erstreckt sich vom nordhessischen Bad Karlshafen bis in den Frankfurter Stadtteil Bergen-Enkheim und von der Universitätsstadt Marburg in Oberhessen bis nach Geisa im Thüringer Land auf einer Fläche von 10.318 Quadratkilometern.

Sendung: hr-iNFO, 13.12.2018, 12.30 Uhr