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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Ermittlungen gegen Frankfurter Oberstaatsanwalt

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Eigentlich soll er in der Generalstaatsanwaltschaft Recht und Gesetz schützen - auch als ihr Sprecher. Jetzt sitzt der Frankfurter Oberstaatsanwalt in U-Haft. Es geht um krumme Geschäfte mit Gutachter-Aufträgen in Millionenhöhe.

Im vergangenen Jahr ist ein Oberstaatsanwalt der Generalstaatsanwaltschaft in Frankfurt selbst ins Visier der Ermittler geraten. Seit Donnerstag sitzt der 53-Jährige ebenso wie ein 54 Jahre alter Unternehmer in Untersuchungshaft. Dem "Beamten des höheren Justizdienstes" werde gewerbsmäßige Bestechlichkeit vorgeworfen, teilte die Frankfurter Staatsanwaltschaft am Freitag mit.

Nach Informationen des hr handelt es sich bei dem Inhaftierten um den Oberstaatsanwalt Alexander B., der auch Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft ist. Er soll dem Komplizen Gutachter-Aufträge verschafft und dabei kräftig mitverdient haben.

Die Generalstaatsanwaltschaft, in deren Dienst er steht, ist die fachlich und disziplinarisch vorgesetzte Behörde für alle Staatsanwaltschaften Hessens.

12,5 Millionen Euro verdient

Aufgrund von Aufträgen des beschuldigten Beamten soll das Unternehmen in den letzten zehn Jahren mehr als 90 Prozent seiner Einnahmen aus Gutachtenvergütungen von Justizbehörden in Höhe von mehr als 12,5 Millionen Euro erzielt haben. Als Gegenleistung habe der Staatsanwalt von August 2015 bis Juli 2020 mehr als 240.000 Euro erhalten.

Laut Staatsanwaltschaft soll der 54-Jährige im Jahr 2005 das Unternehmen auf Initiative des Beamten gegründet und seitdem geleitet haben. Geschäftszweck sei überwiegend die Erstellung von Gutachten für Justizbehörden gewesen.

Irgendjemand verriet es

Die Ermittlungen gingen den Angaben zufolge auf eine Strafanzeige aus dem persönlichen Umfeld des Beamten zurück. Am Donnerstag seien insgesamt zehn Objekte, darunter die Wohnungen der beiden Beschuldigten in Frankfurt und im Hochtaunuskreis sowie der Arbeitsplatz des Beamten, durchsucht worden, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

Neben Bargeld im vierstelligen Bereich seien auch Unterlagen und elektronische Datenträger sichergestellt worden. Welche Funktion der Beamte genau ausübte, gab die Staatsanwaltschaft zunächst nicht bekannt.

Sendung: hr-iNFO, 24.07.2020, 17 Uhr