Peter Kohlgraf
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Eine Studie der Bischofskonferenz hat den jahrzehntelangen Missbrauch von Kindern in der katholischen Kirche belegt. Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf verlangt ein härteres Vorgehen gegen die Verbrechen, die auch so benannt werden müssten.

Nach der kürzlich vorgelegten Studie der Deutschen Bischofskonferenz zu sexuellem Missbrauch Minderjähriger durch Kirchenangehörige hat der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf härtere Sanktionen gefordert. Die bisher gegen identifizierte Täter ergriffenen Maßnahmen seien "überraschend bis skandalös milde", sagte Kohlgraf im Gespräch mit den Zeitungen der Mainzer Verlagsgruppe VRM. Oft seien sie nur an einen anderen Dienstort versetzt worden.

"Strafenkatalog überdenken"

"Wir müssen den Katalog der Kirchenstrafen überdenken und wir brauchen zudem einheitliche Standards", sagte der Oberhirte des Bistums Mainz, dessen Gebiet zu zwei Dritteln in Hessen liegt. Ins Detail ging er dabei nicht. Es sei indiskutabel, dass das Kirchenrecht bei Missbrauch von "sexuellen Vergehen" spreche, so Kohlgraf weiter. Es gehe um "Verbrechen, und als solche müssen sie bezeichnet werden."

Erschüttert habe ihn die große Zahl der Missbrauchsfälle, erklärte der Bischof. Er forderte, auch katholische Internate, Heime, Kitas, Ordensgemeinschaften und Chöre in den Blick zu nehmen. Sie waren für die aktuelle Missbrauchsstudie nicht untersucht worden.

Kohlgraf sieht Kirche vor schwierigem Weg

Der Kirche stehe ein schwieriger Weg bevor, sagte Kohlgraf. "Ich kann nicht versprechen, dass es Missbrauch nicht mehr geben wird. Aber ich kann versprechen, dass ich alles Menschenmögliche tun werde, um Missbrauch zu verhindern." Für eine Debatte über die Abschaffung des Zölibats hatte sich der Geistliche kürzlich offen gezeigt.

Die von der Bischofskonferenz in Auftrag gegebene Studie hatte deutschlandweit mehr als 3.600 nachweisbare Missbrauchsfälle seit 1946 zutage gefördert. In Hessen hatte es der Studie zufolge hunderte Opfer gegeben. Zu den Tätern gehörten Priester, Diakone und kirchliche Mitarbeiter.