Katholische Bischöfe bei der Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz bei einem Gottesdienst im Dom.

Die Bischofskonferenz in Fulda hat gezeigt: Die katholischen Bischöfe müssen zahlreiche Felder beackern, um aus der Krise zu kommen. Das Thema Missbrauch bleibt ebenso brisant wie der Reformprozess, auf dem große Hoffnungen des Kirchenvolks ruhen.

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Die katholische Kirche in Deutschland bleibt im Dauer-Krisenmodus. Das wurde zum Abschluss der Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz am Donnerstag in Fulda deutlich. Vor allem im Umgang mit den Folgen von sexuellem Missbrauch und dem Reformprozess gibt es nur wenig Fortschritte und viele offene Fragen. Zwar sind in einigen anderen Bereichen Beschlüsse gefasst worden. Doch bei den brenzligen Themen und sensiblen Baustellen bleibt noch viel Arbeit für die Bischofskonferenz:

Entschädigungen für Missbrauchsopfer

Trotz Kritik von Missbrauchsopfern hält die Bischofskonferenz an ihrer Praxis zur finanziellen Entschädigung nach sexuellem Missbrauch fest. Die Bischöfe wollen sich weiter an den Schmerzensgeldzahlungen staatlicher Gerichte orientieren, wie der Vorsitzende, der Limburger Bischof Georg Bätzing, sagte.

Am Rande der Konferenz hatte es Proteste gegen die Entschädigungspraxis in Deutschland gegeben. Sie sieht maximal 50.000 Euro an Schmerzensgeld für Missbrauchsopfer vor. Bätzing räumte ein: "Das Thema Missbrauch lässt uns nicht los - es wird uns auch lange nicht loslassen." Die katholische Kirche könne angesichts dieses dunklen Kapitels nicht zur Tagesordnung übergehen. Das Thema bleibe prioritär auf der Tagesordnung.

Bätzing bedauerte, dass Betroffene durch das Wiederaufgreifen ihrer Verfahren und lange Bearbeitungszeiten Retraumatisierungen erlitten. Dies sei schmerzlich. Betroffenenvertreter kritisieren die lange Verfahrensdauer. Im Juni hatte eine Kommission zur Bearbeitung der Fälle eingeräumt, dass von 1.136 eingegangenen Anträgen gerade einmal 142 bearbeitet wurden.

Bätzing erklärte, mehr als zehn Jahre nach Bekanntwerden des Missbrauchsskandals in der Kirche stelle sich die Frage, ob die derzeitige Struktur zur Bearbeitung und die Personal-Ausstattung ausreichten. Die Bischöfe wollten daher ein Konzept erarbeiten, das "die neuen Aufgaben, veränderte Anforderungen und Erwartungshaltungen sowie die gewachsene Sensibilität bei Fragen jedweder Form des Missbrauchs berücksichtigt".

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Mitglieder der Deutschen Bischofskonferenz nehmen am Eröffnungsgottesdienst der Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz im Fuldaer Dom teil.
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Bessere Personalakten sollen helfen

Als Reaktion auf den Missbrauchsskandal haben die Bischöfe eine verbesserte Personalakten-Führung beschlossen. In der Vergangenheit seien die Akten oft mangelhaft geführt worden, sagte Bätzing. "Jetzt liegt eine Grundordnung für die Akten-Führung vor, die Standards im Beamtenrecht, im öffentlichen Raum wirklich gerecht wird." Die neue Ordnung werde zum 1. Januar in jedem Bistum in Kraft treten.

Die Zerstrittenheit der Bischöfe

Mitunter weit auseinander liegende Standpunkte erschweren die Arbeit die Bischöfe. Der Vorsitzende Bätzing hat Meinungsverschiedenheiten beim derzeitigen Reformprozess Synodaler Weg eingeräumt. Darüber sei in Fulda "sehr strittig, aber gut" diskutiert worden. "Die unterschiedlich profilierten Bischöfe in der Bischofskonferenz sind hier nicht in allem einer Meinung."

Reformprozess als große Hoffnung

Bei dem Reformvorhaben Synodaler Weg ist wenig Fortkommen zu erkennen. In Fulda setzten sich die Bischöfe zumindest kritisch mit einigen bisherigen Ergebnissen auseinander. Mit Blick auf theologische Kontroversen sagte Bätzing, es gehe darum, die Kernanliegen der Kirche von ihrem Ursprung her in eine neue Zeit zu tragen. Das dürfe weder auf eine "zeitgeistige Selbstverlorenheit noch auf ein ängstlich-traditionalistisches Sich-in-sich-selbst-Verschließen hinauslaufen". Es solle nicht nur den Versuch einer Verwaltungsreform darstellen.

Am Ende des Synodalen Wegs sollen konkrete Reformen und Handlungsempfehlungen stehen. Dabei geht es um die Themen Position der Frauen in der Kirche, katholische Sexualmoral, Umgang mit Macht und die Ehelosigkeit der Priester. Nächste Woche ist die nächste Station auf dem Weg. Vom 30. September bis zum 2. Oktober tagt in Frankfurt die Synodalversammlung.

Kritik an Vatikan-Botschafter in Berlin

Die katholische Reformbewegung "Wir sind Kirche" fordert vom Vatikan die Abberufung des päpstlichen Nuntius in Deutschland, Nikola Eterovic. Auslöser dafür ist dessen Grußbotschaft beim Treffen in Fulda. Die Botschaft des Nuntius enthalte kaum verhohlene Drohungen an die deutschen Bischöfe, sich mit Reformen zurückzuhalten und statt auf Reformen lieber auf Evangelisierung zu setzen, sagte "Wir sind Kirche"-Sprecher Christian Weisner.

In dem mehrseitigen Text betont Eterovic - der Botschafter des Vatikans in Berlin - die überragende Bedeutung der Einheit der katholischen Weltkirche. Die Botschaft lautete übersetzt: "Haltet die Einheit mit dem Papst." Und: "Deutsche Sonderwege wird es nicht geben", interpretierte der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller.

Die Theologin Beate Gilles aus dem Bistum Limburg wird neue Generalsekretärin der Deutschen Bischofskonferenz.

Eine Frau zwischen Bischöfen

Äußerliches Zeichen des beabsichtigten Aufbruchs ist auch eine Personalie. Erstmals mischte mit der neuen Generalsekretärin Beate Gilles eine Frau im "Club der alten weißen Männer" mit, wie die Nachrichtenagentur dpa die Bischofskonferenz am Donnerstag nannte. Bei der Abschluss-Pressekonferenz in Fulda konnte Gilles noch keine Akzente setzen und sich profilieren. Ihr Redeanteil fiel neben Bischof Bätzing gering aus.

Die gute Nachricht - mehr Angebotsvielfalt für Jugendliche

Die Bischöfe haben ein neues Grundsatzpapier für die kirchliche Jugendarbeit und Seelsorge beschlossen. Ziel sei es, Jugendlichen vielfältige Räume zu eröffnen, in denen diese ihre Persönlichkeit entwickeln und zugleich Zugänge zu Glauben und kirchlichem Leben finden könnten, sagte Bätzing. Inhaltlich geht's im Papier beispielsweise um die Digitalisierung. Seelsorge müsse auf die "digitale Lebensweise" von Jugendlichen eingehen, die oft nicht mehr zwischen off- und online unterschieden. Die Jugendarbeit sei gefragt, neue Kommunikationswege und Techniken "selbstverständlich und authentisch" einzusetzen.

Die Leitlinien fordern auch dazu auf, kirchliche Angebote nicht auf bestimmte Zielgruppen zu reduzieren, sondern alle jungen Menschen anzusprechen, "gleich welcher Religion oder Kultur sie angehören". Zudem hält das Papier fest, dass die politische und gesellschaftliche Bewältigung der Klimakrise für viele Jugendliche eine der drängendsten Zukunftsaufgaben sei." Die bisherigen Leitlinien für Jugendarbeit und Jugendseelsorge stammen aus dem Jahr 1991.

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